Putzige Zwergkaninchen

oder
Tierversuche - nein, danke!

Putziges Kaninchen

Wahrscheinlich kennt ihr das auch aus eigener Erfahrung: Wie alle Kinder, die noch ein unverbildetes Herz haben, liebt auch meine Tochter Tiere.

Seitdem sie auf eigenen Beinchen durchs Leben geht, ist Laura "verrückt" nach Tieren, genauer gesagt, ist sie eine ausgesprochene Hundenärrin. Eigentlich war sie es schon früher: Noch im Tragetuch oder in der Karre schauten ihre kleinen Äuglein jedem Vierbeiner sehnsüchtig hinterher. Und bei so viel Liebe werden selbst die größten Rauhbeine schwach. Er ist immer wieder erstaunlich, dass sie selbst mit den "schwierigsten" Hunden gut auskommt.

Aber es gibt so viele Gründe, sich keinen Hund "anzuschaffen", der wichtigste ist für mich, dass ich den immer irrwitzigeren kommerziellen Massenzüchtungen keinen Vorschub leisten und auch kein feischfressendes Tier versorgen möchte. (wir haben zwar auch ein Kätzchen, aber das kann sich seinen Fleischbedarf immerhin notfalls selber erjagen!)

Zwar ist das Thema "Hund" immer virulent, aber irgendwie fand sich meine Kleine dann doch damit ab, dass sie das Thema Hund auf "später" verschieben müsste. Der Wunsch, für ein eigenes Tier Verantwortung zu tragen, war damit aber nicht vom Tisch.

Die Sehnsüchte konzentrierten sich nun auf diese kleinen, putzigen und liebenswürdigen Nager, von denen ich euch heute berichten werde und mit deren Schicksal es ganz allgemein in der Welt nicht zum besten bestellt ist: Kaninchen. Sie wurden hauptsächlich als Nutztiere domestiziert und meistens haben sie dort nicht das Glück, alt zu werden.

Kaninchen liefern nach wie vor Fleisch, Fell, Wolle und werden in unzähligen Versuchslaboratorien mißbraucht.

Im Tierschutzhaus

Ich weiß nicht mehr, ob es die beginnende Osterzeit war, oder das Sachkundethema "Hasen" in ihrer neuen Schule, welches die sehnsüchtigen Wünsche nun zur Erfüllung drängten.

Auf jeden Fall wurde das Betteln dringlicher und meine Abwehr kläglicher und so fanden wir uns eines schönen Nachmittags im größten Tierschutzhaus Europas wieder, welches seine imposante Liegenschaft nicht weit von uns entfernt, im südlichen Teil Wiens, unterhält.

Denn so viel stand für uns von Anfang an fest:
Wenn wir vierbeinigen Familienzuwachs bekommen sollten, dann nur, indem wir damit auch ein "gutes Werk", diesen armen Kreaturen gegenüber leisteten, die in den Tierheimen zwar nach bestem Wissen und Gewissen versorgt werden, aber doch niemals wirklich artgerecht leben können. Schon allein sie von ihrem stupiden Käfigdasein zu erlösen ist ein sehr guter Grund, wenngleich auch jede Art von Eingesperrtsein (und wenn es auch mit viel Freilauf im Garten verbunden ist), nicht wirklich artgerecht ist.

Aber es beinhaltet eine Verbesserung der tatsächlichen Lebensqualität von zweien dieser possierlichen Art. Bei dieser Gelegenheit wurden uns doch wieder einmal die Augen über sehr traurige Realitäten unserer Zeit geöffnet. So erfuhren wir, dass es zig Hasen und Kaninchen dort gibt, die - ausgesetzt in Treppenhäusern oder anderen Orten - aufgegriffen und dort abgegeben werden oder dergleichen Schicksale mehr.

Gerade wenn man Kinder hat, sollte man alle Lebensumstände berücksichtigen und nicht nur kurzlebigen, spontanen Wünschen nachgehen. Die Verantwortung läßt sich nicht nach kurzer Zeit wieder abstreifen.

Aber aufgepasst:

Wenn ihr erst einmal den Fuß über die Schwelle eines solchen Hauses getan habt, dann gibt es kein Zurück mehr. Man muß schon ziemlich hartgesotten sein, wenn man es dann noch schaffen sollte, ohne Tier wieder zu gehen... Ergo sollten die Vorbereitungen für den Familienzuwachs schon vorher abgeschlossen sein.

Vorbereitungen für die neuen Familienmitglieder

Eine entsprechend geräumige Behausung im Garten ist m.E. die erste Voraussetzung. Es ist zwar beliebt, Zwergkaninchen auch in Kinderzimmern zu halten, aber schön für die Tiere ist dies nicht, auch wenn uns in der Vorbereitungsphase immer wieder von sogenannten Fachleuten erzählt wurde, dass Kaninchen am besten drinnen gehalten werden sollten, weil sie Kälte angeblich nicht vertragen!

Nun, dies schien uns angesichts der Tatsache, dass diese Tiere ja auch in unseren Breiten im Freien leben, doch recht lächerlich und noch am leichtesten zu entkräften.

Natürlich sollte man einen schönen, geschützten Stall, welcher mit Stroh und Heu warm ausgepolstert wird, bereitstellen. Vor Wind und Nässe muß man diese possierlichen Tierchen auf jeden Fall schützen.

Wenn sie sich dann aber erst einmal an draußen gewöhnt haben, geht es ihnen dort natürlich viel besser, als drinnen und es wächst ihnen zum Winter hin dann ein dickeres Fell, welches sie ausreichend schützt.

Wir ließen uns von einem Schreiner einen geräumigen Stall zimmern, welchen wir auf zwei Tapeziertischständer stellten. Nahegelegene Reiterhöfe boten uns Stroh und Heu an, und daraus bereiteten wir eine behagliche Unterkunft. Ein geräumiges "Schlafhäuschen", welches dem Höhleninstinkt dieser Tiere Genüge tut, vervollständigte die Hausausstattung. Sodann sicherten wir den Garten rundherum mit Kaninchendraht, denn normale Zäune sind für diese klugen und schnellen Tierchen natürlich kein Hindernis. Sie finden jedes noch so kleine Löchlein im Zaun, was angesichts der vielen Feinde recht gefährlich ausgehen kann. So geschützt können sie dann nach Herzenslust die meiste Zeit im Garten frei herumtollen und sich ihr Grünfutter selber besorgen.

Unsere beiden Kaninchen gaben uns gleich am Anfang eine gute Demonstration ihres noch einwandfrei funktionierenden Instinktes und führten sich somit bei uns Urköstlern sehr gut ein!

Wir boten ihnen eine reichliche Auswahl an gutem Bio-Kulturgemüse an: Mohrrüben, Sellerie, Fenchel , Chinakohl, Salat und daneben legten wir frisch gepflückten Löwenzahn und Vogelmiere.

Und nun ratet mal, wie die schlauen Tiere unser Urkostherz eroberten? Richtig. Sie stürzten sich als erstes auf das wertvolle Wildgrün und so haben wir nun zwei Mitkonkurrenten mehr auf unser tägliches wildes Grünzeug. Zweimal am Tag ist es Lauras Aufgabe, morgens - noch vor der Schule - und abends vor dem Zubettgehen frisches Grün zu sammeln, denn im Garten finden sie zwar Gras, aber leider ist er als "gepflegter" Einfamilienhausgarten angelegt und Löwenzahn und Co findet sich hier leider (noch) nicht in ausreichenden Mengen.

Dies macht ihr Freude und dies ist für Kinder natürlich eine viel größere und verantwortlichere Aufgabe, als nur den Fressnapf aus der Pappschachtel aus dem Tierfutterhandel vollzufüllen.

Wie ihr bemerkt haben dürftet, schreibe ich im Plural und so komme ich auf den zweiten Punkt, der mir wichtig erscheint, zu sprechen: Kaninchen sind gesellige Tierchen und es ist einfach artgerechter, wenn man sie nicht einzeln, also ohne einen Artgenossen hält. Zwei sollten es schon sein.! (Mehr werden es von allein, wenn man sich ein Pärchen holt...) "Wie die Kaninchen...", weiß ja schon der Volksmund sprichwörtlich bei vermehrtem Nachwuchssegen zu sagen.

Liebenswert friedliche Tierchen

Bei uns leben nun also zwei liebenswerte weibliche Kaninchen, die von Anfang an zusammen waren und sich prächtig verstehen. "Bärli" und "Mümmel" kuscheln sich beim Schlafen aneinander, sie balgen und necken sich liebevoll. Schubst die eine die andere zur Seite, weil sie als erste ans Futter will, knufft die andere nicht etwa zurück, um damit den Startschuß für endlose Raufereien zu geben, nein, sie geht einfach zur Seite und überläßt der Ungeduldigeren den Vortritt! Wirklich lehrreich und beispielgebend auch für unser menschliches Sozialverhalten!

Sie tollen und spielen den ganzen Tag, wenn sie nicht gerade fressen und sie liebkosen sich, indem sie ihre kleinen Näschen aneinanderreiben, ach, es ist einfach eine Lust, ihrem übermütigen Treiben zuzuschauen. Sie sind voller Lebensfreude und manchmal überschlagen sie sich gar beim Hakenschlagen und überraschen uns mit Purzelbäumchen.

Auch über die Ernährung solltet Ihr euch schon vorher ein paar Gedanken machen. Wie oben angedeutet, ist sie urköstlich einfach und schön. Die zoologischen Geschäfte, die natürlich verdienen wollen, sind da nicht die besten Ratgeber. Auch auf dem Markt befindliche Bücher sind mit Vorsicht zu genießen. Ganz brauchbar ist der "GU Tierratgeber Kaninchen".

Überall stießen wir uns an dem industriell gefertigten Trockenfutter, welches angeblich für die Kaninchen unbedingt erforderlich sei. "Damit sie keinen Durchfall kriegen, frisches Grün ist schwer verdaulich, sie kennen ja nichts anderes...", und so mancher weitere dümmliche Spruch wurde uns präsentiert.

Ausgewogene Nähr- und Vitalstoffe in Fertigpackungen?

Den cleveren Urkostkindeinwand, dass Kaninchen in der Natur doch auch keine Trockenfutterpackungen hätten, wischte man mit einem mitleidigen , fachmännischen Stirnerunzeln und Scheinargumenten vom Tisch: "Ja sie vertragen dies am besten und so kann man auch immer sicher sein, dass sie "ausgewogen" ernährt werden, denn die Zusammensetzung der Schachteln sei immer identisch, sonst haben sie dann schnell "Mangelerscheinungen"..." Na ja, das kennen wir ja alles zur Genüge, da können kluge Urkostkinder und deren Mütter sowieso natürlich nur müde drüber lächeln.

Begegnet uns dieses "Argument" nicht auch häufig bei "Experten" aus der menschlichen Nahrungsmittelindustrie, aber auch vermehrt bei anderen Rohköstlern? Zum Beispiel bei den fatalerweise immer beliebter werdenden Nahrungsergänzungsmitteln, die angeblich die wichtigen Nähr- und Vitalstoffe in immer ausgewogener Form für uns bereitstellen und somit drohenden Defiziten vorbeugen sollen?

Nein, ich glaube diesen Ratgebern niemals niemals: Weder bei uns, noch bei unseren Brüdern, den Tieren. Warum sollte die Schöpfung so unvollkommen sein, dass sie erst heutzutage - in der industriellen Neuzeit - durch Menschenhand hergestellte Nahrung als angebliches Optimum unserer Ernährung bereitstellt? Einfach lächerlich, wenn man dies genau betrachtet, oder? Wildpflanzen geben uns auch - und gerade! - heute alles, was wir brauchen.

Im Tierschutzhaus Wiens trafen wir im Zuge unserer Vorbereitungen übrigens zum ersten Mal auf einen Fachmann, nämlich einen Tierarzt, der unsere Einstellung teilte und uns unterstützte.

Politische Tierschutzarbeit

Auch dies trug dazu bei, dass wir unsere Entscheidung fürs Tierschutzhaus nicht bereuten. Deren rührige Präsidentin, Lucie Loubé, arbeitet auch auf politischer Ebene. So setzte sie alles daran, Politiker zu überzeugen, bei der Plenarabstimmung in Brüssel über den siebten Änderungsantrag zur Kosmetikrichtlinie im Sinne der Tiere zu entscheiden. Denn was viele nicht realisieren, ist dennoch Fakt: Immer noch werden unzählige Tiere bei grausamen Tests für die gnadenlos profitorientierte Industrie grausam gequält und getötet. Und besonders grausam betroffen sind eben auch die schon sprichwörtlichen Versuchskaninchen!

Seit Jahrzehnten protestieren die Tierschützer nun schon gegen dieses barbarische Unrecht und nach scheinbaren Erfolgen, dass nämlich "seit dem 1. 1. 1998 keine Kosmetika in der EU mehr vermarktet werden dürfen, deren Inhaltsstoffe in Tierversuchen getestet wurden", wurde das Vermarktungsverbot dann plötzlich auf das Jahr 2000 weiter verschoben. Mit sehr fadenscheinigen und auch merkantilen Argumenten. Unter anderem damit, dass ein Vermarktungsangebot den Bestimmungen der Welthandelsorganisation WTO über den freien Warenverkehr widersprechen würde! Mit diesen Begründungen hat die Kommission das Verbot im Mai 2000 nun wiederum um zwei Jahre verschoben, obwohl es natürlich längst Tests ohne dieses unendliche Tierleid gibt!

Nun müssen also weiterhin rund 38. 000 Tiere jährlich bei Kosmetika - Tests in der EU sterben! Weiterhin gilt also die traurige Tierrealität weltweit, z.B. beim "Draize-Test":

"Der Draize-Augenreizungstest wurde seit 1944 als Standardtest für Substanzen verwendet, die in das menschliche Auge gelangen könnten. Flüssigkeiten, Flocken, Körner und Substanzen in Pulverform werden den Kaninchen in die Augen gebracht; dann wird die fortschreitende Zerstörung des Auges in einem Bericht festgehalten. Der Draize- Test ist verantwortlich für das Leiden und den Tod von Millionen von Kaninchen jährlich allein in den USA, jedoch verhindert er Verletzungen des Menschen nicht und hilft auch nicht, sie zu heilen.

Für den Test werden 100 Milligramm einer konzentrierten Lösung in die Augen von sechs bis neun unbetäubten Albino-Kaninchen geträufelt; die Tiere sind dabei festgebunden in einer Vorrichtung, aus der nur ihr Kopf hervorschaut. Oft werden ihre Augen mit Klammern am Lid aufgehalten, und viele Kaninchen brechen sich ihr Genick oder Rückgrat in dem Versuch zu entkommen. Der Schaden am Auge des Kaninchens wird dann in bestimmten zeitlichen Abständen über eine durchschnittliche Zeitspanne von 72 Stunden dokumentiert, wobei der gesamte Test manchmal 7-18 Tage dauert. Reaktionen auf die Reizstoffe können in Schwellungen des Augenlides bestehen, in Entzündungen der Iris, Geschwürbildung, Blutungen und Erblinden. Schmerzmittel werden gewöhnlich nicht verabreicht, da Experimentatoren behaupten, diese würden die Testergebnisse beeinträchtigen. Wird eine Betäubung verabreicht, ist deren Wirkung nur von sehr begrenzter Dauer.

Was getestet wird

Der Draize-Test wird für fast jede größere Kosmetik- und Haushaltsprodukte-Marke verwendet, die auf dem Markt ist, vom mildesten Babyshampoo bis hin zum extrem ätzenden Backofenreiniger. Jedesmal, wenn eine Firma die Zusammensetzung seiner Inhaltsstoffe ändert oder für ein "neues" oder "verbessertes" Produkt wirbt, kann man fast sicher sein, daß es die Substanz erneut an Tieren getestet hat."

Meines Erachtens wäre ein sofortiges Verbot für Kosmetikprodukte mit Inhaltsstoffen, die an Tieren getestet wurden, das Gebot der Stunde.

Aber Gott sei Dank gibt es für aufgeklärte Menschen schon gute Alternativen, sodass wir nicht mitschuldig am Leid dieser armen und hilflosen Tiere werden müssen.

So vertreibt u.a. die Firma "Produkte für ein besseres Leben" in Unkel seit vielen Jahren Kosmetika, die garantiert tierversuchsfrei sind. Man kann deren sinnvolle Angebote neuerdings auch im Internet begutachten und unter folgender Adresse bestellen: http://www.ein-besseres-leben.de/ oder unter der Telefonnummer 02224 - 76207 in Unkel.

Beim lebenslustigen Treiben unserer kleinen, friedlichen Kaninchen werden wir immer wieder an die brutalen Realitäten erinnert, aber eben auch daran, dass wir nicht resignieren dürfen, wenn es um Auswege aus diesem fast übermächtigen Dilemma geht. Aufklärung tut auch hier immer wieder Not.