Aus Liebe zu uns und unserer Welt:
Immer vegan und immer roh!

von Brigitte Rondholz


Es gibt für mich keinen ernsthaften Zweifel, dass die konsequente vegane Lebensweise, die den Gebrauch, besser: Missbrauch von Tieren ausschließt, langfristig und nachhaltig von großem Wert für uns und unsere Welt ist. Ich meine dabei die vegane Rohkost, die rohköstliche, pflanzliche Ernährung (mit hohem Wildpflanzenanteil), die Tiere oder Tierprodukte ausschließt und Nahrungsmittel nur in ungekochtem Zustand beinhaltet. Leider praktizieren die meisten Veganer (in Deutschland und auch weltweit) eine "gekochte Variante", die häufig auf Getreide basiert.

Die Entscheidung für eine vegane Ernährung hat meistens ethische und ökologische Beweggründe. Mitleid für alle Kreaturen steht dabei oft an herausragender Stelle.
Allerdings werden bei der typischen veganen Ernährung viele Schäden, die durch die Verarbeitung, die Lagerung und den Verkauf von Lebensmitteln verursacht werden, nicht ausgeschlossen. Die Produktion der Kochgerätschaften und die Ausbeutung fossiler Energien sollen nur kurz angedeutet werden.

Die vegane Ernährung basiert hauptsächlich auf Getreide und Soja und ist integraler Bestandteil in unserem derzeitigen System aggressiver landwirtschaftlicher Bebauung, bei der fast immer das Erreichen optimaler Erträge im Vordergrund steht. Dies wird vornehmlich durch die Ausbringung von Millionen Tonnen von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden erreicht. Felder, in denen alles wirkliche Leben ausgerottet ist und nur noch das ertragreiche Korn stehen geblieben ist, ersetzen Landschaften mit Blumen, Kräutern und Früchten. Nein, sie werden nicht ersetzt, sondern verdrängt und vernichtet. Eine Produkt- und Gewinnmaximierung in schlimmsten kapitalistischen Sinne ohne Rücksicht auf die Folgen für den einzelnen Menschen, die Menschheit und das Schicksal unseres Planeten.

Weil die Lebensmittelindustrien unsere Nahrung industriell produzieren und wir nicht mehr davon leben, was die Natur uns zur Verfügung stellt, vermehrte die Menschheit sich so rasant, dass die Natur allein sie nicht mehr ernähren kann. Ein Teufelskreis, den wir begannen, als wir uns nicht mehr - wie in den ersten 2,5 bis 3 Millionen Jahren menschlicher Existenz - nach den Gesetzen der Natur , sondern seit etwa 10.000 Jahren nach den Gesetzen von "Ackerbau und Viehzucht" ernähren. Und so leiden wir nun an einer endlosen Kette aus zerstörter Natur, Umweltkatastrophen und Kriegen, die zunehmend auch um natürliche Ressourcen geführt werden.

Eine Besinnung auf die vegane Rohkost wäre ein Beitrag, um die verhängnisvolle Krise zu überwinden. Jeder und Jede kann bei sich anfangen! Am Anfang - in der Umstellungsphase - nehmen viele Rohköstler noch Mahlzeiten ein, die eher an Gourmetrezepte vergangener Kochkostzeiten erinnern. Die Vergleiche, die da manchmal in den Broschüren von Fruchtversendern gemacht werden, erinnern eher an eine noch nicht ganz ausgereifte Beziehung zur Rohkost! ("Safu - erinnert an Salami-Pizza"!)

Viele unserer weiterstrebenden und suchenden Freunde hängen wohl noch zu sehr an den "Genüssen" ihrer Kochzeit und zaubern am Anfang auch mit Küchenmaschinen und Entsaftern Mahlzeiten, die an Raffinesse den Kochkostschlemmereien nicht nachstehen.

Allerdings ist der dadurch verursachte Ressourcenverbrauch im Vergleich zur Kochkost schon viel geringer, und außerdem gehen die meisten nach dieser Anfangsphase nach und nach dazu über, die rohen Köstlichkeiten aus dem Garten der Natur einfach "von der Hand in den Mund" zu genießen: Immer wieder gehen meine Tochter Laura und ich in den Sommermonaten mittags zum Essen einfach auf die Wiese und dort genießen wir die mitgebrachten Früchte und Obstsorten mit dem Wildgrün vor Ort. Dies ist einfach die beste Art Urkost zu essen, wie wir finden.

"Waschen und Essen!" Noch besser: "Pflücken und Essen" lautet die lebenserleichternde Devise und so kann jede Mahlzeit auch zu einem Beitrag zur Gesundung dieser Erde werden.

Wir sparen Zeit, Mühe und Energie, was immer auch zu besserer Gesundheit führt und damit ist dies einer der weiteren wichtigen Gründe für die rohe Variante veganer Ernährung:

Sie bringt uns einen Zuwachs an Vitalität, an Glücksgefühlen und innerer Balance, was uns, die wir es hundertprozentig leben, so überaus zufrieden macht und wir eben nicht wieder "in den Kochtopf fallen" oder gar zu "Junkfood-Ausflügen" animiert werden.
Diese Ausgeglichenheit und Zufriedenheit, zusammen mit einem guten und gesunden Körpergefühl, wiegen meines Erachtens. schwerer, als jede nur intellektuelle Überzeugungsarbeit, die allerdings auch zu diesem Thema geleistet werden sollte!

Kochende Veganer und rohköstliche Veganer sollten also voneinander lernen: Die vielen Veganer, die aus ethischen und ökologischen Gründen zu dieser Ernährungsform kommen und die rohköstlichen Veganer, die meistens aus gesundheitlichen Gründen dazu stoßen und die ethischen Aspekte weniger beachten. Sie alle könnten voneinander lernen und sich gegenseitig so "befruchten"!

Im ethisch, ökologisch und gesundheitlich begründeten rohköstlichen Veganismus hätten wir dann eine kraftvolle Position, um zu einer wirklich nachhaltigen Gesundung unserer Erde beizutragen.
Dies könnte einen wirklichen globalen Wechsel kreieren, weg von der ausbeuterischen Landwirtschaft und der toten Kochkost, hin zu einer friedlichen und stillen Revolution, welche uns Menschen erlauben wird, wieder glücklich und würdevoll als friedliches Mitglied unter allen die Erde bevölkernden Lebewesen zu leben.

Was wir als Urköstler nicht mehr brauchen, bzw. verbrauchen:

Töpfe, Pfannen, Herde, Woks, Mikrowellen, Toaster, Backutensilien und Gerätschaften, Geschirrspülmittel, Spülbürsten, Geschirrspüler, Produkte der Lebensmittelindustrie und -chemie, Verpackungen.
Wir brauchen keine Werbung mehr, weniger Transportkosten, keine ärztlichen oder zahnärztlichen Versorgungen; keine künstlichen Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel und keine Pillen für das Wohlbefinden.
Keine Getränkefabrikanten, keine Bierbrauereien und vieles andere auch nicht mehr
(Liste unvollständig!)

(Nach einem Artikel aus dem Englischen in "JEAA" von Rob Miller)