Muttermilch und Urkost

"...als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war... (Lukas 2, 6-7)"

Der beste Start ins Leben - mit Muttermilch und naturgemäßer Urkost!

Schon immer hat mich diese Bibelstelle fasziniert. Sie regte meine Phantasie an und beflügelte sie.

Früher kreisten meine Gedanken hauptsächlich darum, wie armselig und ohne Komfort die "armen Eltern" ihr Kind auf dieser Welt begrüßen mußten. Später dann war diese Sequenz Anregung, über naturgemäßes Kindergroßziehen nachzudenken.

Denn Maria und Josef mögen wenig Luxus für ihr Kind gehabt haben, aber zu bedauern waren sie deshalb noch lange nicht.

Eher sind doch die mit "Paidi-Bettchen" und allem möglichen Schnick-Schnack ausgestatteten Kinderzimmer von heute Grund genug über das Überflüssige und die so grassierende Anspruchshaltung vieler Eltern nachzudenken.

Die jetzt nahende Weihnachtszeit erinnert uns nun also wieder einmal daran, dass auch "die Mutter aller Mütter", Maria, weder eine chromblitzende (angeblich sterile) Klinik hatte, um den "Messias", den "Retter der Welt" zu gebären, noch "Pampers" oder eine "Säuglingserstausstattung" hatte, geschweige denn - und vor allen Dingen! - brauchte sie "Herrn Hipp" oder "Frau Alete", um ihren Sohn zu versorgen.

Nein, sie tat das, was seit tausenden Generationen vor ihr alle Mütter taten: Sie nährte ihr Baby vollkommen und vollwertig an ihren Brüsten! An den uns von der Natur so weise mitgegebenen Drüsen, die eine hundertprozentig perfekte Nahrungsquelle für unseren Nachwuchs war, ist und es - hoffentlich - immer bleiben wird. Trotz aller "Schadstoffbelastungen": Nein, es gibt einfach nichts Besseres.



Hieran muss man immer mal wieder
erinnern. Auch daran, dass wir die einzigen Lebewesen auf dieser Erde sind, die sich die Hybris erlauben, diese einfache Wahrheit zu ignorieren und auch noch meinen, ihre Nachkommen mit artfremder Milch genauso gut großziehen zu können.

Alles was ein Kind braucht

Maria hegte jedenfalls keinerlei Zweifel daran, "ob ihre Milch denn auch reichen würde", sie ließ keine Glucosefläschchen verabreichen, um angebliche Flüssigkeitsverluste auszugleichen oder damit die Gelbsucht hinauszuspülen. (ich komme später hierauf noch zurück.) Sie machte sich auch keine unnützen Gedanken über Hygiene. Sie mußte keine Fläschchen abkochen (oder noch schlimmer: in Chemiedrecksbädern sterilisieren (vergiften)), um die Kunstmilchpräparate, basierend auf Tiermilch, aufzuschütteln!

Ganz sicher sterilisierte sie auch nicht ihre Brüste oder Hände (wie es immer noch in einigen Kliniken empfohlen wird), weil sie "wusste", dass die Muttermilch dem kindlichen Organismus in vielfältiger Weise hilft, mit "Erregern" fertig zu werden.

Sie brauchte auch keine Empfehlung des "Internationalen Kinderhilfsfonds" der Vereinten Nationen (UNICEF), der feststellt, dass gerade in den ersten Lebensjahren die Muttermilch als Schutz wichtig ist, weil das noch unreife Immunsystem selbst manche banale Keime noch nicht selber bekämpfen kann.

Diese Tatsache hat UNICEF übrigens veranlasst, die Empfehlung zu geben, mindestens "zwei Jahre lang zu stillen". (Was ich persönlich schon für einen gewaltigen Fortschritt halte, angesichts der von interessierter Seite immer wieder gerne lancierten Halbjahres - Empfehlung!). Sie nehmen damit zur Kenntnis, dass das kindliche Immunsystem in seiner Reifung durch Muttermilch beschleunigt wird. Auch mögliche Schadstoffbelastungen sollten uns nicht vom natürlichen Stillen abhalten. Wir müssen die Giftmischer bekämpfen, aber keinesfalls das Stillen. Gerade uns Urkösterinnen muss immer wieder bewußt werden, dass die wichtigen Wildpflanzen dazu beitragen, mit Schadstoffen besser fertigzuwerden, bzw. abzubauen.

Die Muttermilch enthält z.B. natürliche Hormone (etwa Cortisol), sowie eine Anzahl kleinerer Proteine, die dazu beitragen, dass die beim Neugeborenen noch recht durchlässige Darmwand sich verdichtet, sodass mögliche Schadstoffe nicht ohne Weiteres vordringen können. Wir wissen, dass die "erste Milch" (das Kolostrum) für die Gesundheit des Neugeborenen von unschätzbarem Wert ist, dass sie einen hohen Prozentsatz an Eiweiß und fettlöslichen Vitaminen enthält. Sie enthält Abwehrstoffe, z.B. die Immunglobuline, die perfekt auf die familiäre Umgebung der Mutter abgestimmt sind. Die Mutter kann "nach Bedarf" Antikörper bilden gegen Keime, die ihr Kind gefährden könnten und diese Antikörper durch ihre Muttermilch an ihr Kind weitergeben. (Weshalb u.a. auch das "Ammenwesen" früherer Zeiten unnatürlich und falsch war.) Das Kolostrum wird ja sogar auch von Schulmedizinern als erste (und m. E. einzig sinnvolle!) Immunisierung des Kindes bezeichnet. Sie ist eben von der Natur vorgegeben und nicht von Pharmaprofiteuren. Viele bedeutsame Forschungsergebnisse der letzten Jahre unterstreichen den hohen Rang der Muttermilch. So entdeckte man z.B. schon 1981, dass Lysozyme, bestimmte Abwehrstoffe in der Muttermilch, nach sechs Monaten Stillzeit bis ins zweite Lebensjahr ständig zunehmen.

Und das ist ja genau der Zeitraum, wo kleine Menschenkinder auf "Weltentdeckungstour" gehen, sich beim Laufenlernen öfter mal kleinere Wunden zuziehen oder überhaupt vermehrt mit Bakterien in Berührung kommen. Ist es nicht wunderbar, wie die Natur alles sinnvoll und gut geregelt hat?

Maria "wusste" dies alles...

Sie wusste, dass ihr "Erstgeborener" nichts Anderes oder Zusätzliches braucht. Sie ließ sich eben nicht von medizinischem Personal "verrücktmachen", die ihr einreden wollten, dass die "Bilirubinkonzentrationen" im Blut ihres Kindes "ungewöhnlich hoch seien" und dass nun verschiedene Maßnahmen notwendig seien, um "Schädigungen durch Gelbsucht" vorzubeugen. Diese "Neugeborenen-Gelbsucht" ist, wie man längst weiß, bei gesunden, voll ausgetragenen Säuglingen normal und harmlos und bedarf keiner Behandlung. Im Gegenteil:

Prof. Dr. med. Lawrence Gartner, der umfangreiche Untersuchungen über "Neugeborenen-Gelbsucht" durchgeführt hat, stellte fest, dass "durch Wasser und Zusatznahrung, in den ersten vier Lebenstagen der Grad der Gelbsucht nicht beeinflußt wird. Und dass es beim Kind zu einer Verstärkung der Gelbsucht führt, wenn verhindert wird, dass das Baby so bald wie möglich nach der Geburt (und dann etwa alle zwei Stunden) gestillt wird. Ebenso wird durch Wasserfläschchen bewirkt, dass das Baby kein so großes Interesse an der Brust hat. Dabei ist gerade häufiges Stillen der beste Weg, dem Baby zu helfen, das Bilirubin mit dem Mekonium (dem Kindspech) auszuscheiden.

Zusätzliche Wasser- oder Glucosefläschen stören
das sinnvolle Gleichgewicht dieses "Stillsystems"

Dieses funktioniert perfekt nach dem Prinzip "Angebot und Nachfrage" und sollte eben überhaupt nicht gestört werden.

Der einzige und sinnvolle Grund für eine zusätzlichen Fütterung ist der Wunsch des größeren Kindes - viel später allerdings erst -, danach, wenn herrliche Früchte sein Interesse wecken.

Das ist dann auch der Zeitpunkt, wo es wirklich bereit dazu ist, es gut zu verdauen. Die Zähnchen sind oft schon da und auch sonst hat der kleine Körper die Reife erlangt, die er braucht, um das Neue richtig zu verarbeiten. Wann das Kind übrigens bereit ist abzustillen, ist individuell sehr verschieden. Meistens wird dies (wenn man nicht nachhilft oder unbewußt manipuliert!) so mit drei oder vier Jahren sein. Ich kenne Kinder, die mit sechs oder sieben Jahren noch ab und zu gestillt wurden. Ich las von einigen Gegenden Chinas, wo dies auch heute noch üblich sein soll.

Meine jüngste Tochter stillte sich zwei Monate vor ihrem vierten Geburtstag ab mit den unvergeßlichen Worten. "Mami, jetzt will ich mich nicht mehr stillen" (ich berichtete darüber in NL 6/99).
Wenn ihr Urkost zu euch nehmt, euch also gesund und vollwertig ernährt, wird auch euch dies gelingen.

Erfahrungen teilen

Ich teile meine Erfahrungen sehr gerne mit anderen (Jung)müttern, weil ich weiß, dass wir alle in einer immer noch eher stillfeindlichen Umwelt leben und dass es selten Mütter oder Tanten in unserem Leben gibt, die uns das natürliche Stillen vorleben und es uns damit durch "Lernen am Modell" nahe bringen. Ich mußte leider auch durch "die harte Schule" gehen: Ich fiel auf die schlechten Ratschläge meiner Umgebung und der "Fachleute" herein und konnte mir erst durch Selbststudium die ersten Kenntnisse mühsam aneignen, um dann endlich bei meiner vierten (sic!) Tochter - auch durch die kompetente Unterstützung in einer Stillgruppe -, eigene gute Erfahrungen sammeln. Dadurch gewann ich die Sicherheit, die nötig ist, um der Weisheit der Natur auch wirklich Glauben zu schenken und es einfach zu tun.

Ich freue mich also immer sehr, wenn ich diese Erfahrungen mit euch teilen kann und ermuntere euch, Mittwochsabends beim Urkosttelefon weiterhin eure diesbezüglich auftauchenden Fragen an mich zu richten.

Zu allen Fragen gibt es mittlerweile auch eine Menge guter Stillliteratur, aber die besten Bücher auf diesem Gebiet sind immer noch das "Handbuch" von der La Leche Liga und "Stillen", ein GU Ratgeber von
Marta Guoth-Gumberger (Autor), Elizabeth Hormann (Autor)




Gute andere Gründe

Aber es sind ja nicht nur unzählige medizinische Argumente, die für das Stillen sprechen.

Maria wusste noch (und uns dämmert es allmählich wieder immer mehr), dass das Stillen eine Verkörperung von perfekter Mütterlichkeit in ihrer naturgemäßen Form ist. Stillende Mütter werden kaum von der sogenannten "Kindsbettdepression" befallen, die in Kliniken so häufig ist!

Sie "müssen" nicht depressiv werden, weil sie spüren, das Beste und Richtige für ihr Kind zu tun und können diese erste und wichtige Periode des gegenseitigen Kennenlernens dementsprechend richtig genießen. Ohne Trauer. Sie spüren, wie wichtig der häufige Körperkontakt von Körper zu Körper ist und werden ihr Baby nicht in Kinderwiegen oder Bettchen abschieben, sondern als Tragling immer bei sich haben.

Gerade auch nachts, wo ein Zusammenschlafen auch für das Nervenkostüm von nicht zu unterschätzendem Wert ist! Das Baby liegt gleich an der Quelle und reißt uns nicht durch langes Schreien aus dem notwendigen Schlaf, sondern wird ganz praktisch, ohne dass Mutter oder Kind ganz wach werden - im Halbschlaf sozusagen -, gestillt und wieder zum Einschlafen gebracht.

Wichtig ist es, eine gelassene Routine zu entwickeln, uns nicht durch Gewichts- und Maßtabellen irritieren zu lassen und uns auch nicht durch die "klassischen Stillkrisen" zwischen dem 7. und 10. Lebenstag, der 4. und 6. Lebenswoche und dem 3. und 4. Lebensmonat aus der Ruhe bringen zu lassen.

Der in dieser Zeit sich steigernde Appetit des Kindes sollte nicht als "Hunger" fehlinterpretiert werden oder gar zum Zufüttern führen. Die Lösung ist vermehrtes Anlegen, welches die Milchproduktion sehr schnell wieder steigert. Zehn bis vierzehn Mal in vierundzwanzig Stunden Stillen ist nicht ungewöhnlich, sondern "normal".

(Ihr erinnert euch: Angebot und Nachfrage!). Allerdings gibt es auch "sparsame Trinker". Achtet als wichtigstes Indiz einfach auf sechs bis acht nasse Windeln und drei bis fünfmal Stuhlgang am Tag und ihr wißt, dass alles in Ordnung ist.

Und natürlich ist es gerade in dieser Zeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung, sich naturgemäß - also urköstlich - zu ernähren. Gerade die Wildpflanzen sind auch hier der Garant für eine umfassende und ausreichende "Vitalstoffzufuhr":

Schlagt immer mal im Großen Gesundheits-Konz nach, denn er ist immer wieder eine Fundgrube guter und sinnvoller Tipps.

Urkostkind Jale

Abschließend ich möchte euch von Jale erzählen, meiner kleinsten Urkostfreundin. Jale ist jetzt fast zwei Jahre jung und immer guter Dinge. Wenn sie einen mit ihren Schwarzkirschaugen anlacht, dann weiss man, wie glücklich und zufrieden das Leben von kleinen Kindern eigentlich sein sollte. Jale wurde ungefähr eineinhalb Jahre gestillt und mußte (leider) aus triftigen Gründen der Mutter dann abgestillt werden. Sie überstand diese Krise aber erstaunlich gut, weil sie von Beginn der Zufütterung an, urköstlich ernährt wurde.

Ihr solltet Jale mal sehen, wenn sie sich die Erbsen aus den Schalen herausklaubt, oder Johannisbeeren mit Zeigefinger und Daumen vorsichtig von den Rispen entfernt. Oder den Tischnussknacker jetzt zur Weihnachtszeit profimäßig bedient, sich selber die Walnüsse knackt und dann mit ihren kleinen zarten Fingerchen ganz sorgfältig und geschickt herauspult! Es geht einem das Herz auf bei diesem Anblick.

Jale bewätigt alles wunderbar. Es ist eben alles vom Weltenschöpfer weise eingerichtet worden und wir sollten wirklich nicht meinen, schlauer zu sein als er!

Maria wusste dies alles noch, ohne viel darüber reden zu müssen oder schlaue Bücher zu Rate zu ziehen.

Lernen wir von Maria! Genießt die Schwangerschaft ("das Kind hüpfte frohlockend in ihrem Leib...") und die Geburt eures Kindes und nehmt die Jahre des Stillen als ein Geschenk an, welches in Dankbarkeit und täglicher Freude anzunehmen und zu genießen ist. Gibt es ein schöneres Geschenk zur Weihnachtszeit?


Literaturempfehlung:

"Stillen", ein GU Ratgeber von Marta Guoth-Gumberger (Autor), Elizabeth Hormann (Autor)

"Handbuch für die stillende Mutter", La Leche Liga, ISBN: 3-906675-02-5

"Alles über das Stillen" Sheila Kitzinger

"Primal Mothering In a Modern World" by Halfmoon (bei Nature's first Law zu bestellen)

"Die sanfte Geburt" Michael Odent

"Familienbett" Tine Thevenin, Fischer Tb.

"Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" Jean Liedloff

"Natürliche Empfängnisregelung" Prof. Dr. med Rötzer

"Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" N.J. Bumgarner