Brigitte Rondholz

Aus dem Leben einer
(ganz normalen)
Urköstlerin ...

(...und warum sie dennoch für viele so schwer durchzuhalten ist!)
Die drei häufigsten Fragen, die mir in den letzten Jahren zu meiner Ernährung gestellt wurden, waren:
  • "Wie bist du eigentlich zur Urkost gekommen?"
  • "Was kann man denn überhaupt noch essen?"
  • "Wie hältst du das denn durch?"

     

Wenn ich von Müttern oder durch Beruf und Haushalt doppelt belasteten, Frauen so befragt werde, antworte ich meistens mit einer Gegenfrage.

"Stellt euch mal vor:
Zu euch käme eine gute Fee, die euch drei Wünsche erfüllen will:

1. Sie befreit euch vom täglichen "Was-soll-ich-heute-kochen? -- Syndrom".
2. Sie befreit euch tatsächlich vom Kochen.
3. Sie befreit euch vom größten Teil des Geschirrspülens.

Würdet ihr da nicht sofort zuschlagen?"

"Also", sage ich dann, "ich, für meinen Teil, warte auf keine Fee! Für mich ist dieser kleine Traum längst Realität!"

Das läßt die allermeisten aufhorchen, sie werden neugierig auf meine Geschichte und sie möchten wissen, wie es dazu kam...

Nun, mein Leben vor der Urkost liegt einige Jahre zurück.

Manchmal kann (oder besser: will) ich mich gar nicht mehr daran erinnern. Es ist mir heute selbst nicht mehr verständlich, warum ich nicht viel eher darauf gekommen bin, eine Ernährung zu praktizieren, die so einfach, lustvoll und schön ist und welche uns von der Natur doch direkt in die Wiege gelegt wurde!

Ein kleiner Rückblick:

Ich gehörte schon immer zu den bewußten Essern. Als ich heiratete und meine ersten drei Kinder geboren
wurden, lief alles in ziemlich "normalen" Kochkostbahnen. Allerdings weigerte ich mich, im Gegensatz zu
vielen anderen "modernen" Hausfrauen, irgendwelche Konserven oder gar Fertiggerichte aufzutischen, die ja
sehr in Mode kamen. Nein, mein Ehrgeiz lag in dem Erlernen der "Kochkunst" nach alter Art. Schließlich wollte ich meine Familie ja gesund ernähren!

Und so kaufte ich auf Märkten herrliche, frische Zutaten, um sie dann allerdings -- je m'accuse! -- in heißem Fett, kochendem Wasser oder Sonstigem zu entwerten! Auch verbrachte ich viel Zeit mit dem akribischen Sammeln und Ausprobieren kunstvoller und außergewöhnlicher Kochrezepte.

Irgendwann stieß ich bei meinen Recherchen dann auf Bücher, die mich zur "Vollwertkost" führten. Die heilige Hildegard und Bruker seien hier stellvertretend für diese Richtung genannt. Berühmt war mein Dinkelbrot! Dies ging so einige Jahre, aber die Familie hatte, wie fast alle rundherum, mit ständig wiederkehrenden Erkältungen und anderen "Zipperlein" zu kämpfen, und ich ahnte, daß dies mit der Ernährung zusammenhängen könnte.

Interessant war auch, daß die verschiedenen Varianten der Ernährung immer nur für kurze Zeit befriedigten!

Die Suche ging also weiter.

Als ich 1992 wieder schwanger wurde, wußte ich eines ganz sicher:

Es mußte sich einiges ändern, denn mein Entschluß stand fest, bei meinem vierten Kind eine natürliche Geburt zu erleben. Alle drei vorherigen Kinder waren durch Kaiserschnitt oder Zange von eilfertigen (geschäftstüchtigen?) Ärzten "geholt" worden.

Dies wollte ich nicht noch einmal durchleiden. Es stand für mich fest, daß es nicht im Sinne der Schöpfers oder der Natur liegen konnte, in sterilen Kliniken mit Apparaturen und vielen technischen und medikamentösen Hilfsmitteln seine Nachkommenschaft auf die Welt zu bringen!

Gegen die Ratschläge und Warnungen der ärztlichen "Kapazitäten", eine natürliche Geburt anzustreben nach so vielen Kaiserschnitten, war ich fest entschlossen, eine solche zu erleben.

Doch wie sollte ich das schaffen? Ich kam recht schnell selbst darauf:

Wenn ich eine natürliche Geburt haben wollte, mußte ich erst einmal so naturgemäß wie irgendwie möglich leben und vor allen Dingen essen!

Plötzlich wurde mir der große Einfluß des Essens auf uns und unseren Lebensverlauf bewußt.

Ich begann, hauptsächlich Obst und Gemüse zu essen, letzteres allerdings meistens noch gedünstet.

Auch konnte ich mich nicht von meinen heiß geliebten Kartoffeln trennen. Dennoch, es gelang mir - nach einer problemlosen Schwangerschaft - eine natürliche Geburt zu erleben, ohne Hilfsmittel, ohne technische Geräte, ohne Medikamente. Ein wunderschönes (Schlüssel-) Erlebnis!

Mit der sich nun anschließenden Stillzeit wurde mein Wille immer größer, zu den Wurzeln der wirklich naturgemäßen Ernährung zu gelangen.

Nach Walker, Shelton, Fry, Wandmaker und anderen Anhängern der "Natural - Hygiene - Bewegung" (die schon viel "Erleuchtung" brachten, mich aber immer noch nicht von Heißhungerattacken befreiten), fiel mir nun endlich "DER GROSSE KONZ" mit der Urkost in die Hände. (Böse Zungen behaupten, daß ich die einzige bin, die dieses Mammutwerk ganz gelesen hat!)

Dieses Buch las sich für mich wie eine Offenbarung - stellte sich doch schnell heraus, daß die Wildpflanzen das "missing link" waren, welches mir zu einer wirklich befriedigenden und zufrieden machenden Ernährung verhalf.

In täglicher Praxis stellte ich nun fest, daß sich mein Energielevel drastisch erhöhte!

Hatte ich früher mit einer sich mittags einstellenden Tagesmüdigkeit zu kämpfen, reichten mir nun die nächtlichen acht Stunden Schlaf völlig aus. Meine Verdauung verbesserte sich so unglaublich, daß ich die Geduld meiner Mitmenschen ziemlich häufig mit meinen wunderbaren "Verdauungsgeschichten" strapazierte. Ich übersah wohl zu oft in meiner Euphorie, daß dieses Thema bei Kochköstlern ein Tabu ersten Ranges ist!

Aber das Tollste war, daß ich meine vierte Tochter, Laura, nun voll stillen konnte, obwohl mir Ärzte bei meinen vorangegangenen Kindern eine "angeborene Stillschwäche" (sic!) attestiert hatten!

Im gesamten ersten Lebensjahr bekam sie ausschließlich Muttermilch, welche sie sich selber nur nach und nach "aufstockte", indem sie mir Bananen, Wassermelonen oder sonstige Leckereien aus dem Mund "grapschte"!

Nach und nach kamen immer mehr Früchte und Gemüse hinzu. Aber nichts wurde zubereitet oder zerkleinert Der Maßstab war: Alles, was sie selber - ohne Hinzunahme von Geräten (Messer, Löffel) -, bewältigen konnte, war richtig für sie und wurde auch wunderbar verdaut.

Sie gedieh prächtig, war niemals krank (sie hat bis heute noch kein einziges Medikament oder gar eine Impfung in ihrem Körper), und ich stillte sie wunderschöne (fast) vier Jahre lang.

Zwei Monate vor ihrem vierten Geburtstag stillte sie sich selber ab mit den unvergeßlichen Worten: "Mami, jetzt will ich mich nicht mehr stillen!" (All die Jahre hatte ich mir eingebildet, daß ich sie gestillt hätte....) Die besten Lehren im Leben werden uns eben von unseren Kindern erteilt! Sie hatte sich das genommen, was gut und richtig für sie war und was die Natur für sie vorgesehen hat, ich war "nur" die Mittlerin, sie wußte, wann der richtige Zeitpunkt war, aufzuhören. Mir wurde plötzlich bewußt, daß jedes Abstillen von Seiten der Mutter ein gegen die Natur gerichtetes Handeln ist, wobei der Zeitpunkt des Abstillens bei jedem Kind unterschiedlich sein kann; ich kenne mittlerweile Kinder, die noch mit sechs Jahren ab und zu bei der Mutter trinken!

Mich ermutigte dieses naturgemäße Aufziehen meiner jüngsten Tochter, den natürlichen, einfachen Ernährungsweg weiterzugehen, und ich fühlte mich in der Ernährung zum ersten Mal "angekommen". Die ständige Suche war beendet.

Daß mein Leben nun viel einfacher wurde, war ein angenehmer Nebeneffekt. Wobei wir wieder bei der "guten Fee" vom Anfang wären:

Kein Kochen, (fast) kein lästiger Abwasch mehr. Ich entdeckte: Es gibt noch ein Leben außerhalb der Küche!

Mein Leben wurde einfacher und lustvoller dazu!

Dies bringt mich nun zu der zweiten - häufig gestellten -- Frage:

"Was kann man denn überhaupt noch essen?"

Auch dieses läßt sich schnell und einfach beantworten: (Fast) alles, was wächst. Und daß dies eine schier unglaubliche Vielfalt ist, wird jeder Naturfreund sofort bestätigen können!

Es gibt so unzählige Varianten an wunderbaren und schmackhaften Früchten, Gemüsen und Wildpflanzen, daß man mit Fug und Recht sagen kann: Urkost ist vielfältig und schmeckt einfach schön!

Es ist lustvoll, eine saftige, süße Mango triefend und schmatzend (Vorsicht, Knigge!) mit den Händen, Mund und Zähnen zu essen und zu genießen! Oder sich das sahnige, köstliche Fruchtfleisch einer reifen Avocado einzuverleiben. Aber auch ein einfacher, saftiger, knackiger Apfel - frisch vom Baum - bietet sinnlichen Hochgenuß!

In der amerikanischen Rohkostzeitung "JEAA" (Just Eat An Apple!) las ich neulich (in unübertrefflicher sprachlicher Nonchalance) über die paradiesische, asiatische Urfrucht Durian folgendes:

"They're sweet, filling, creamy and sexy!"

Wer schon einmal mit einer reifen Durian schwelgen konnte, wird dies bestätigen können: "Früchteessen
ist lustvoll!"

Damit kommen wir zur dritten Frage (Sie erinnern sich?), welche sich auch am einfachsten mit einer kurzen Gegenfrage beantworten läßt:

Warum sollte man eine so schöne, lustvolle und einfache Ernährung aufgeben? (Von durchhalten kann sowieso überhaupt nicht die Rede sein!)

Nun, aber warum ist Urkost dennoch für viele so schwer durchzuführen?

Eine knifflige Frage!

Hier muß man wohl unterscheiden: Ist es wirklich die Urkost, die schwer durchzuhalten ist, oder ist es in vielen Fällen eben "nur" die Rohkost (Sonnenkost), die auf Dauer unzufrieden macht? Hier gilt es zu differenzieren, meine persönliche Antwort hierzu geht aus dem oben Geschriebenen hervor.

Eine andere Variante der Rohkost, die Instinctotherapie, sucht die "Lösung" des Problems im (rohen) Fleischverzehr, welcher aber aus ernährungsphysiologischen, ethischen und spirituellen Gründen (s. Franz Konz, Aterhov, David Wolfe, Walker u. a.) abzulehnen ist.

Ein Bekannter, welcher seit Jahren die "Instinctorernährung" praktiziert, berichtete mir unlängst glaubwürdig, daß er im Wald lebendige Schnecken gegessen hätte! Brrrrrrr!!

Außerdem: Wer einmal "Instinctos" bei ihrem - teilweise gigantischen - Fleischkonsum (manchmal pures, schon leicht ranziges Fett!) über einen längeren Zeitraum hautnah beobachten konnte, wird instinktiv spüren, daß dies ein Irrweg ist! (Ich habe allerdings auch "Instinctos" ohne diese Fleischgier kennengelernt, und dann sind sie von uns UrKöstlern nicht weit entfernt.)

Eine Antwort könnte sein, daß viele Menschen zu sehr beeinflußbar sind von Verwandten, Freunden, Kollegen und anderen lieben Mitmenschen - und den Medien natürlich! Oder ist es der Herdentrieb, der die meisten davor zurückschrecken läßt, "Außenseiter" zu werden?

Mich beeindruckte in diesem Zusammenhang kürzlich das "Geständnis" einer lieben UrKostfreundin, die sich in ihrer Schule als "Allergikerin" ausgibt, der vom Arzt eine strikte "Rohkostdiät" verordnet wurde! Sie wollte sich den ständigen Sticheleien ihrer Lehrer und Mitschüler einfach nicht mehr aussetzen.

Ist das nicht fast unglaublich? Wo bleibt hier die - so oft beschworene - Toleranz?

Viele von uns geben also offensichtlich auf, weil sie sich dem allgemeinen Gruppendruck nicht gewachsen fühlen.

Sie wenden sich von einer Ernährung ab, die ihnen persönlich guttut und von der sie, in den meisten Fällen, auf vielfältige Weise gesundheitlich profitiert haben!

Sie kehren zu einer sie krank- und schlaffmachenden Kochkost zurück, nur um wieder "mit den Wölfen heulen" zu können und keine Außenseiterrolle mehr spielen zu müssen!

Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen!

Ich ermutige jeden, immer und überall, auch und gerade an den bevorstehenden Festtagen, den einfachen - und für richtig erkannten - Weg weiterzugehen, um bald erstaunt und erfreut festzustellen, daß es immer mehr werden, die entschlossen sind, putzmunter, fröhlich und gesund ihr urköstliches Leben zu führen!

tägliches `mountain-biken´ hält fit...