Brigitte on Tour: Mit Urkost eine Großstadt erleben - küss die Hand, Wien!
Einige von euch werden mich an drei Mittwochabenden im Juli sicherlich vermisst haben. Nun, den Anrufbeantworter meines "ISDN-Anschlusses" kennt ihr ja seit langem, weil gleichzeitig eintreffende Gespräche immer dorthin weitergeschaltet werden. Diesmal sagte euch meine Stimme, dass ich bis Anfang August nicht erreichbar sei und das war für einige von euch sicherlich enttäuschend. Aber auch Urköstler brauchen manchmal eine Pause vom Alltag, und so haben wir (meine Laura und ich) unsere sieben Sachen gepackt und sind mit unserem Zelt, Isomatten und Schlafsäcken gen Süden gezogen, besser gesagt geflüchtet ... vor dem kalten und regnerischen Wetter, welches uns der Juli in Deutschland bescherte!
Unsere erste Etappe sollte Wien sein, wo wir aus familiären Gründen einen Stopp einplanten. Es wurde ein längerer Aufenthalt und darüber möchte ich euch heute berichten.
Ich werde - seitdem ich Urköstlerin bin - oft von Menschen gefragt, ob ein Leben als Urmethodikerin in einer Großstadt überhaupt möglich sei? Und wenn ja: wie? Zugegeben, auch ich hatte anfangs meine großen Zweifel, denn ich wohnte in den letzten Jahren immer in kleineren, idyllisch gelegenen Orten, aber - um es vorwegzunehmen - es geht hervorragend! Ab jetzt lasse ich jedenfalls keine Ausreden mehr durchgehen, die da lauten: "Na ja, du wohnst ja auf dem Lande (obwohl Meckenheim auch schon eine kleine Stadt ist), aber ich wohne in der Großstadt und da ist ein urköstliches Leben nicht möglich..."
Also, Ausreden, warum der- oder diejenige die Urkost auf keinen Fall machen können, gibt es viele - diese aber werde ich ab jetzt auf keinen Fall mehr gelten lassen..
Ich gebe zu: Ganz am Anfang, so in den allerersten Tagen, war es gar nicht so einfach und auch ein wenig frustrierend. Es schien mir so, als ob es in ganz Wien nicht einen einzigen Bioladen gäbe! Zwar wohnte ich ganz in Fußnähe des "Naschmarktes", aber der konnte mir als Urköstlerin auch nicht weiterhelfen und wurde sogar zur richtigen Enttäuschung!
Zwar erfuhr ich, dass dies der "berühmteste Markt Wiens" sei und er hielt auch wirklich die (augenscheinlich) herrlichsten Früchte zum Kaufen bereit. Aber leider nur für diesen Teil unserer Sinnesorgane - die Augen. Auf diesem berühmten Markt gibt es leider nur konventionelle "chemiedreckverseuchte" Ware und die Abgase dieses mitten im brodelnden Großstadtverkehr gelegenen Platzes tun das übrige.
Meine kleine Tochter sah sich ihre Augen so sehnsüchtig nach diesen vermeintlichen Genüssen fast aus dem Kopf und ich musste ihr klarmachen, dass diese Früchte zwar wunderschön aussehen, aber dass dieser schöne Schein doch sehr trügerisch ist, da sie - für uns unsichtbar - mit sehr vielen giftigen Stoffen belegt sind. Da war ich dann dankbar, dass ich "märchenfest" bin und versuchte ihr dies am Beispiel Schneewittchens klarzumachen, die auch in den wunderschön anzusehenden, rotbackigen, aber doch giftigen Apfel biss und es wurde mir wieder einmal bewusst, wie weit wir schon mit der Zerstörung unserer schönen Welt vorangekommen sind!
Aber es machte mir auch wieder einmal klar, wie wichtig gerade auch dieser Aspekt bei der Urkost ist und dass der von H. Wandmaker gewählte Weg - nämlich auch Supermarktware zu empfehlen! - nicht der Richtige sein kann. Sehr kritisch in dieser Beziehung zu sein, empfehle ich an dieser Stelle ausdrücklich auch bei Früchteversendern! "Traditioneller Anbau" bedeutet nicht automatisch "Bioanbau" und auch wenn die Orangen "ohne Konservierungsstoffe" angepriesen werden, bedeutet dies nicht, dass sie völlig unbehandelt sind. Auch hier mußte ich dazulernen, dass es wohl immer angebracht ist, sehr kritisch nachzufragen, besonders, wenn diese Früchte aus dem Ausland kommen und als "Leckereien aus Portugal" angepriesen werden. Ich denke, dass wir es unseren Nachkommen schuldig sind, daran mitzuwirken, dass diese Erde mit ihren wunderbaren Schätzen noch allen Generationen nach uns erhalten bleibt. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt unserer "Ernährung der etwas anderen Art"!

Gottlob erfuhr ich bald, dass es in den "Billa" und "Merkur"
- Supermärkten (in Supermärkte bekommen mich normalerweise
keine zehn Pferde!) immer Obst und Gemüse aus biologisch - dynamischen
Anbau gäbe. Das war die Rettung!
Hätte es nicht diese saftigen, gelbfleischigen Mangos im Juli
und die herrlichen und köstlichen "Paradeiser" (Tomaten)
dort gegeben - meine kleine Tochter und ich wären glatt verhungert.
(Oder wären doch noch auf "Lichtnahrung" umgestiegen...)
Gerade auch zum richtigen Zeitpunkt erinnerte ich mich an die Adressenlisten
in dieser Zeitschrift und erlebte wieder einmal , wie segensreich
sich "Natürlich Leben" auswirken kann. Bei einer der
Telefonnummern hatte ich Glück und so bekam ich ein paar urköstliche
"Insidertipps". Herzlichen Dank noch einmal an dieser Stelle
dafür.
Auch das Internet beschert mir manchmal sehr nette Rohkost-Kontakte,
und ich kann empfehlen, diese Möglichkeiten der modernen Kommunikation
zu nutzen, denn wir sind einfach - auf die Gesamtbevölkerung
in Europa oder gar weltweit gesehen - noch viel zu wenige, die diesen
Weg gehen. So müssen wir unsere "Netze spannen", damit
wir uns als Gruppe gegenseitig unterstützen können. Diese
Unterstützung ist ja gerade dann wichtig, wenn man kleine Kinder
hat, wie die Eltern unter euch wissen. damit die Versuchungen der
uns umgebenden Schlechtkostwelt ein wenig abgemildert und aufgefangen
werden. Danke also euch allen, die ihr mir geholfen habt, mich im
"Großstadtdschungel" zurechtzufinden.
Dieses Zurechtfinden wurde mir übrigens auch enorm durch mein
Mountain-bike erleichtert, und es war ein ganz besonderes Erlebnis,
diese wunderbare Stadt auf zwei Rädern zu entdecken. Ich kann
es jedem nur empfehlen. Wieviel mehr lässt sich doch sehen, wenn
man nicht in diesen stinkenden Kisten sitzt, die den Städten
so viel Lärm und Luftverschmutzung bringen. Und dass es mit dem
Fahrrad schöner als mit der U-Bahn ist, Sehenswürdigkeiten
"abzuarbeiten", liegt wohl auf der Hand! Die Entdeckungsfahrten
mit dem Fahrrad kann ich euch also sehr empfehlen. Es gibt kaum einen
besseren Weg, eine große Stadt so schnell und gründlich
kennenzulernen. Und dass man auf diesem Wege auch noch sein tägliches
Bewegungspensum schafft, war für mich, die ich das Angenehme
gerne mit dem Nützlichen verbinde, auch sehr sympathisch.
"Doch wie war es mit den Wildpflanzen inmitten der Großstadt?"
werdet ihr mich jetzt fragen. Auch da gab es gleich am Anfang eine
riesige Überraschung für mich. Zwar wohnten wir mitten in
der Stadt - gleich vis-à-vis der schönen, barocken Karlskirche
- doch es gab in diesem Appartementhaus einen kleinen Innenhof, welcher
von den Mauern der benachbarten Hochhäuser eingerahmt wurde.
Inmitten dieses Hofes entdeckten wir - zu unserer großen Freude
- eine kleine, aber feine Wildpflanzenwiese. Wegerich, Löwenzahn
und Vogelmiere und Schafgarbe labten uns und unsere großstadtpflastermüden
Augen. Sie wirkten auf uns wie ein wunderbares Lebenselexier.
Kurze Zeit später entdeckte ich dann auf meinen Fahrraderkundungsfahrten
die außergewöhnliche Donauinsel, die man fast als ein kleines
"Urkostparadies" bezeichnen könnte. Vor Jahren wurde
hier die Donau erweitert und die "neue Donau" ausgehoben.
Mit diesem Aushub wurde diese circa 30 km lange Insel geschaffen,
die nur zu Fuß, mit dem Rad oder sonstigen, nicht motorisierten,
Fortbewegungsmitteln zu erkunden ist. Durch die Abwesenheit der uns
sonst überall umgebenden Autos, war der tägliche Aufenthalt
dort allein unter diesem Aspekt eine wahre Wohltat!
Zwar gibt es auch an einigen Ecken dieses "Freizeitparadieses"
der Wiener lärmendes "Schlechtkost- Remmi- Demmi" (Kochkosttempel,
Tanz- und Trinkbars), aber schon ein paar hundert Meter weiter erquicken
den Besucher eine himmlische Ruhe, wildwachsende Pflanzen und die
herrlichsten Wildblumen. Ja, es gibt dort Ecken und Winkel, wo man
- inmitten der Großstadt - völlig allein sein und, wenn
man mag, seinen Leib - so wie Gott ihn schuf - in den Donaufluten
erfrischen kann. Auf dieser Insel sind die Textilfreunde nämlich
eher die Ausnahme. So geschah es, dass wir mitten in Wien ein bisschen
"Urmensch- Feeling" erleben durften.
Nach und nach entdeckte ich dann auch noch weitere kleine Bioläden,
die allerdings kaum Frisches im Angebot hatten. Da scheint mir in
Österreich noch ein weites Feld zu beackern zu sein und ich wünsche
mir sehr, dass dieses Angebot sich in Zukunft erheblich ausweiten
wird.
Von diesem Wermutstropfen mal abgesehen, waren es rundum schöne,
interessante und aufschlussreiche Wochen, die mir gezeigt haben, dass
es immer und überall auf der Welt Wege gibt, unser urköstliches
Leben zu führen. Und diejenigen unter euch, die ihr mir in meinen
Sprechzeiten Mittwochs abends ausführlich darlegt, warum es "in
einer Großstadt nicht möglich sei, urköstlich zu leben",
werden in Zukunft mit meinem praxisbewährten Widerspruch zu rechnen
haben, denn auch diese "Gründe" darf man wohl getrost
als das abhaken, was sie sind: Faule Ausreden. Oder?
Vielleicht wird man es in manchen Städten nicht so schön
und einfach haben wie in Wien, und es wird auch nicht überall
dieses herrliche Umland geben, wie die Wiener es mit dem "Wienerwald"
z.B. genießen dürfen, aber außerhalb einer jeden
Stadt finden sich Felder, Wiesen und Auen, die zum Mahle laden, -
vielleicht nicht gerade vor der Haustüre, aber doch nah genug,
um sich jeden Tag mit dem wichtigen "grünen Stoff"
aufzutanken!
Mit natürlichen Inhaltsstoffen, die mir und so vielen anderen
Urköstlern (und es werden immer mehr!) Power, Energie und Wohlbefinden
bescheren. Dass diese nicht mit gekauften "Nahrungsergänzungsmitteln"
auch nur vergleichbar sind, muß ich an dieser Stelle nicht noch
einmal betonen, oder?

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