Dr Eugen Drewermann


Vortrag von Dr. Eugen Drewermann über "Tierrechte", am

    14.Februar 2002 

    Am 14.Februar 2002 hielt Eugen Drewermann in Aachen auf Einlandung der "Tierversuchsgegner Aachen e.V." einen
    Vortrag zum Thema Tierrechte. Drewermann ist Theologe und Psychologe und setzt sich seit Jahren aktiv für unsere
    tierischen Mitgeschöpfe ein. Wegen seiner kritischen Stellung gegenüber dem römisch-katholischen Establishment
    wurde und wird er von konservativen Kreisen vielfach angefeindet. Eugen Drewermann ist zudem Autor zahlreicher
    Bücher, unter anderem von "Über die Unsterblichkeit der Tiere". In den folgenden Zeilen möchte ich eine
    Zusammenfassung des Vortrags vom 14.2. wiedergeben. (Alle in eckigen Klammern gestellten Anmerkungen sind Aussagen
    meinerseits. Kursiv gesetzte Sätze unter Anführungszeichen sind Originalzitate Herrn Drewermanns) 

    Geist der Resignation 

    Drewermann sprach davon, daß der Zeitgeist der heutigen Tage für Tierrechte denkbar schlecht steht. Herrschte in
    den 1970ern ein "Bewußtsein" für soziale und ethische Belange, eine Art Aufbruchsstimmung, so geht gegenwärtig die
    Resignation um. Das wundert wenig, denn täglich werden "150 Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet".
    Was in Jahrmillionen wuchs, wird innerhalb weniger Jahrzehnte vom Menschen vernichtet. Alleine im Zeitraum von 1960
    bis 2020 wird der tropische Regenwald verschwunden sein, ein Biotop, in dem immerhin 2/3 aller Tier- und
    Pflanzenarten leben. 

    Unsere sogenannten Nutztiere vegetieren in "KZ-Haltung" dahin. Drewermann: "95% der Veterinärmediziner sind
    offenbar Lobbyisten der Agrarpolitik." Durch ihr Wegsehen und Vertuschen brechen sie ihren Eid, Leben zu
    schützen.
    Am Beispiel des Huhnes zeigt er auf: "Hühner sind für nichts anderes da, als vorne zu fressen und hinter Eier zu
    legen; und das unter unglaublichsten Bedingungen." Eine artgerechte Haltung dieser Tiere würde zumindest
    voraussetzen, daß sie ihre Eier auch bebrüten dürfen. "30 Millionen männliche Küken kommen pro Jahr gleich nach
    der
    Geburt in den Muser"; sie sind wirtschaftlich nicht von Interesse. 

    Ein ähnliches Bild bietet sich bei Schweinen und Rindern. "Erst auf dem schmalen Weg zum Schlachthaus sehen sie das
    Licht der Sonne zum ersten Mal." Kälbchen wird der Kontakt zum Muttertier meist gleich nach der Geburt verweigert.
    "Der Holocaust der Rinder ist eine Ganzkörperverbrennung für den Markt". BSE und vCJD sind Folgen dieser Auswüchse.
    Sie erinnern an die Krankheit Kuru, die einst die Kopfjäger Papua-Neuguineas befiel, nachdem sie in einem
    kannibalistischen Akt das Hirn ihrer Feinde verzehrt hatten. 

    Im Zuge der MKS-Angst wurde eine halbe Million Mutterschafe gekeult, "nur um eine Seuche zu verhindern", nicht etwa
    weil sie schon ausgebrochen war. Das heißt hunderttausende Tiere werden prophylaktisch getötet, obwohl es Impfungen
    gegen die Maul- und Klauenseuche gibt. [Verantwortlich dafür ist EU-Konsumentenschutzkommissar David Byrne, der
    Impfungen kategorisch ablehnte. Wären diese durchgeführt worden, hätten viele europäische Staaten ihren
    Welthandelsstatus als "MKS-frei" eingebüßt und dadurch Absatznachteile erfahren. Der Markt war einmal mehr das Maß
    aller Dinge.] 

    Auch das Militär tötet Tiere. In den 1950ern wurden 40.000 Tiere darauf getestet, wie viele Generationen unter
    mißgebildeten Nachkommen leiden, wenn sie der Strahlung einer Wasserstoffbombe ausgesetzt werden. Ein weiteres
    Experiment ging der Frage nach, "wie verbrennt ein Tier effizient bei der Berührung mit Napalm". 

    Durch all diese traurigen Beispiele wird Genesis 1, 28 bestätigt. Dort spricht Gott: "...seid fruchtbar und mehret
    euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel
    unterm Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht." Drewermann selbst wurde während
    seinem Theologiestudium gelehrt, daß es für ein Kaninchen alle mal besser sei, "in der Panne zu enden, als von
    Fuchs oder Bussard gefressen zu werden", denn "an der Spitze der Hierarchie steht der Mensch alleine". Bei Aussagen
    wie diesen wird klar, warum Eugen Drewermann heftige Kritik am Verständnis der Amtskirche gegenüber Tieren übt. 

    Das "Egoismus-Gen" 

    Drewermann sieht eine biologische Erklärung für dieses moralische Fehlverhalten in dem vom Evolutionstheoretiker
    Richard Dawkins postulierten "Egoismus-Gen" [Dawkins: "Das Wohlergehen der Gruppe ist immer eine zufällige Folge
    und kein vorrangiger Antrieb."; Quelle: "Und es entsprang ein Fluß in Eden"]. Das heißt, für das einzelne Lebewesen
    steht primär das eigene Fortkommen im Zentrum, das Wohlergehen der eigenen Gruppe ist ein erfreuliches, aber
    sekundäres Nebenprodukt; erst Recht das Überleben anderer Arten. Drewermann fordert Utopien ein. Eine Gesellschaft
    ohne Utopien empfindet er als arm. Er glaubt, daß effektiver Tier- und Artenschutz erst dann möglich wird, wenn die
    Menschenrechte eingehalten werden und die Bevölkerungsexplosion eingedämmt ist. "Alle Güter allen Menschen!" Schon
    heute leben "zwei Drittel der Weltbevölkerung am Existenzminimum". Und bis 2020 werden neun Milliarden Menschen den
    Globus bevölkern. Verwüstung, Erosion, permanenter Druck auf das Ackerland, Zerstörung des Urwaldes und vieles mehr
    sind die Resultate. Da bleibt "kein Platz für Mitleid mit Tieren". 

    Drewermann führt erneut die Papuas an, durch
    deren Gebiet ohne zu fragen, eine Straße gezogen wurde; um die wirtschaftliche Erschließung voranzutreiben. Er
    wirft die Frage auf, wie wohl der Papst reagieren würde, baute man eine Autobahn mitten durch den Vatikan. Ein
    Beispiel des menschlichen Egoismus Tieren gegenüber: "Menschen deklarieren den Feldhamster als Dieb, da er sich am
    Vermögen deutscher Agrarböden vergreift". Welch Logik?! 

    Mitleid mit der Kreatur 

    Im Alten Testament findet sich das Buch Jona. Jona war ein Prophet, der sich weigerte, Gottes Aufruf Folge zu
    leisten und der verderbten Stadt Ninive Umkehr zu predigen. Er versuchte vor Gott zu fliehen, erlitt Schiffbruch,
    wurde errettet und folgte dann reumütig seiner Berufung. 40 Tage wären Ninive noch geblieben, ehe der Untergang
    eingetreten wäre. Durch Jonas Predigten bekehrte sich die Stadt samt ihres Königs. Ein Neuanfang war getan. Gott
    zeigte Mitleid. Man kann Drewermann als modernen Jona betrachten. Und Ninive sind wir alle gemeinsam. Auch wir
    erleiden Schiffbruch und auch uns läuft die Zeit der symbolischen 40 Tage davon. Umkehr tut Not. Unsere Vergehen
    fallen auf uns zurück (BSE, vCJD). Drewermann zitiert Leo Tolstoi: "Alles, was wir den Tieren zufügen, kommt auf
    uns zurück." Und Drewermann weiter: "Das Mitleid darf nicht abgeschafft werden. Das wäre der Anfang vom Ende." Auch
    Albert Schweitzer forderte, eine Sensibilität aufzubringen, daß alles Leben heilig ist ["Ich bin Leben inmitten von
    Leben, das leben will."] Und Arthur Schopenhauer sagte 1840: "Die Tiere leben in der Hölle, und die Menschen sind
    ihre Teufel" Drewermann meint, daß 160 Jahre nach Schopenhauers Feststellung "die Hölle noch viel schlimmer ist,
    und wir nichts dazugelernt haben". Ergänzend: "Haben Tiere eine Seele und/oder Gefühle, kann nur fragen, wer über
    keine der beiden Eigenschaften verfügt." 

    Eugen Drewermann schloß seinen beeindruckenden wie mutigen Vortrag mit den Worten des griechischen Autors Nikos
    Kazantzakis, der in "Rechenschaft vor El Greco" schrieb: "Gebt acht auf die Tiere, auf die Rinder, auf die Schafe,
    auf die Esel; glaubt mir, sie haben auch eine Seele, sind auch Menschen, nur daß sie ein Fell tragen und nicht
    sprechen können; frühere Menschen sind es, gebt ihnen zu essen; gebt acht auf die Olivenbäume und die
    Weinfelder,
    ... auch sie waren früher Menschen, aber viel, viel früher, und haben kein Erinnerungsvermögen mehr; doch der
    Mensch hat es, und daher ist er Mensch" © Marion Schönborn, 
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Letzte Änderung: 20.3.2002 23:02:57 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: David
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