Man Soll Die Feste Feiern Wie Sie Fallen


Passend zur Jahreszeit, hier nun ein kleiner Aufsatz, den ich Anfang 2000 schrieb und der dem einen oder der anderen vielleicht eine kleine Hilfestellung sein kann:

Brigitte Rondholz

Alle Jahre wieder... oder: Man soll die Feste feiern, wie sie fallen...

Wie hätte es doch wieder schön sein können! Advent, Nikolaus, Heiligabend, Silvester...

Wie zauberhaft und wunderschön diese Festtage doch sind! Diese Tage beglücken uns, weil wir an ihnen die Wärme und Freude unserer Kinderzeit wieder erspüren und sie, wenn wir Glück haben, mit unseren eigenen Kindern immer wieder neu erleben. An diesen Tagen haben wir für uns und unsere Lieben Zeit. Wir können Freundschaften pflegen und Besuche machen oder einfach "unsere Seele baumeln lassen" - alles könnte so wunderbar sein, wenn nicht...

Ja, es hätte wieder schön sein können, wenn die Freude dieser Tage bei vielen von uns nicht doch arg durch die Widrigkeiten der uns umgebenden Kochkostwelt getrübt worden wäre... Natürlich sind diese "Widrigkeiten" so vielfältig und unterschiedlich wie wir Urköstler auch. Denn wir sind ja - Gott sei Dank - keine gleichgeschaltete Masse, die ihrem Guru hinterher rennt! Gerade das war es ja auch , was ich als Individualistin an Franz KONZ von Anfang an so schätzte. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß er nicht der "Erfinder" einer neuen Lehre ist oder ein "Vorturner" (obwohl er dies auch ganz gut kann!), sondern einfach jemand ist, der sich die Mühe des Denkens, Sammelns und des Niederschreibens gemacht hat. Die klassische Naturheilkunde ist eben keine "Erfindung" eines einzelnen Menschen, sondern der einfache und richtige Weg, den die Natur (oder Gott) uns selber weist.

Liebe Freunde, lasst mich nun ein paar dieser festtäglichen Situationen beschreiben, die sicherlich dem einen oder der anderen bekannt vorkommen.

War es dieses Jahr bei euch Tante Klara, die völlig fassungslos ihren doch so "gesunden, extra mit Vollkornmehl" gebackenen Kuchen von uns verschmäht sah und dies als persönliche Beleidigung empfand? Oder waren es die lieben Omis, die es doch immer soooo gut mit ihren kleinen Enkelchen meinen und doch von uns, den "bösen Urkostmüttern", nur ablehnende Blicke ernten, wenn sie dem "armen Kind" den süßen Teller Heiligabend in die Hand drücken, "damit es auch mal was Schönes bekommt"? Oft sind es auch die nikotinsüchtigen Verwandten, die so abhängig sind, dass sie eher auf uns - die wir diese Körperverletzung der besonders gemeinen Art nicht (mehr) tolerieren - verzichten als auf ihr Laster! Dagegen war das ständige "Mobbing" der weiteren Verwandtschaft ("Heute ist doch Weihnachten, Silvester....nun hab dich doch nicht so! Nun lang doch mal zu....du fällst noch vom Fleisch... So jung kommen wir nie wieder zusammen...") noch harmlos, weil diese stichelnden Zeitgenossen ja auch sonst längst zu unserem Alltag gehören. Oder waren es die hektischen Weihnachtsmärkte, mit ihrem penetranten Glühwein und Zigarettengestank, welche die Freude an den Festtagen trübten? Eine alleinerziehende Rohkostmutter, die mit ihren beiden Kindern im obersten Stockwerk eines Mietshauses wohnt, schilderte mir die üblen Essensgerüche, welche während der Feiertage sehr aufdringlich zu ihr hochzogen und die Kinder natürlich arg verwirrten und ihr selber die Festtage immer gründlich verderben. Es ist wohl die Summe all dieser Erlebnisse, die bei vielen Urköstlern die aufkeimende kindliche Freude im Keim ersticken lässt und viele veranlasst, sich allen Festlichkeiten und Feiern zu entziehen. Dadurch laufen sie allerdings Gefahr, ein immer zurückgezogeneres und einsameres Leben zu führen.

Wie kann man diesem Teufelskreis entkommen? (ohne sich und seinen Kindern die wirklichen Freuden vorzuenthalten?) Da gibt es m. E. nur eine Lösung:

Wir sollten mit innerer Freude und Gelassenheit zu unserer Lebensweise stehen und durch konsequentes Vorleben können wir den einen oder die andere aus der lieben Verwandtschaft vielleicht zum Nachdenken veranlassen oder sogar von unserer Lebensform überzeugen. Wir müssen die Feste bewußt gestalten und erleben und die wunderschönen Geschenke und die außerordentliche Vielfalt unserer Lebensweise genießen.

Es ist einfach schön, in Festzeiten am Abend das Haus im Kerzenschein erleuchten zu lassen und den Kindern zu singen oder zu musizieren. Was im übrigen zu den schönsten und preiswertesten Vergnügungen mit Kindern überhaupt zählt. Kinderseelen (aber auch die von uns Erwachsenen) blühen durch Gesang regelrecht auf. Auch hier liegt das große Verdienst von Franz, daß er uns immer wieder und unermüdlich daran erinnert. Auch das Basteln und das Schmücken des Hauses bringen Festtagsstimmung in Kinderherzen. Es lässt Kinderaugen leuchten und kostet nicht die Welt. Ich erwähne dies ausdrücklich, weil mir oft vorgehalten wird, daß meine Lebensweise, inklusive der manchmal teuren Tropenfruchtlieferungen, für "normalverdienende" Familien unerschwinglich sei.

Die winterliche Festzeit beginnt in vielen Gegenden Deutschlands am 11. 11. mit dem Martinsfest. (Neuerdings schon mit mit der Nacht zum 1. November - Halloween) Natürlich wird niemand seinen Kindern einen abendlichen Martinszug mit wunderschön selbst gebastelten Laternen vorenthalten. Es liegt ein besonderer Zauber in diesen herbstlichen Fackelzügen sowie im gemeinsamen Basteln der Laternen. Also ein harmloses, wunderschönes Erlebnis mit Kindern? Mitnichten! Leider hat sich hier nämlich der Brauch entwickelt, dass die Kinder nach dem Zug "schnörzen" gehen: Sie gehen von Tür zu Tür, geben Laternenlieder zum Besten und werden dafür im Gegenzug mit billigen Süßigkeiten überhäuft, von denen ich manchmal den Eindruck habe, dass sie die letzte "Entsorgungsmöglichkeit" der gräßlichen Karnevalswurfgeschosse der letzten Session sind!!! Ich habe es mir nun zur Gewohnheit gemacht, singende "Schnörzer" mit einem Korb voller Mandarinen, Birnen, Äpfel und Mandeln zu beschenken und bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Mit den "erschnörzten" Scheußlichkeiten meiner kleinen Tochter verfahre ich dann umgekehrt so, dass ich sie ihr zu Hause in Leckereien aus dem Füllhorn der Natur eintausche. Funktioniert prima!

Es besteht also kein Grund, als Urkostfamilie seine Kinder von den allgemeinen gesellschaftlichen Gruppenvergnügungen aus Sorge um ihre Gesundheit fernzuhalten und sie dadurch dann eventuell zu isolieren.

Auch in der Adventszeit bieten sich natürlich noch viele schöne Verrichtungen mit Kindern an. Wir sollten z.B. unseren Kindern nicht den schönen Brauch eines Adventskalenders vorenthalten, nur weil diese meistens lieblos mit Schokolade gefüllt sind! Wir können ihn - neben Apfel, Nuß und Mandelkern - auch z.B. mit einem Gutschein für das Vorlesen einer Geschichte füllen, einem kleinen Spielzeug, einem kleinen Bildchen, oder...Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Daß der Nikolaus natürlich wunderbare Gaben, jenseits der Schokoladenindustrie für Urkostkinder bereithält, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Meine kleine Laura hatte am Abend zuvor einen extra großen Teller vollgefüllt mit Postelein als Proviant für die lange Reise auf die Treppe gestellt ("für das Eselchen vom Nikolaus") und freute sich am nächsten Morgen unbändig darüber, dass er im Gegenzug so schöne Früchte und Geschenke dagelassen hatte! Mir ging das Herz auf.

Übrigens: Liebevoll mit den Gaben des Waldes ausgeschmückte Tische erhöhen jedes Festessen auf wunderbare Weise und lassen Festtage erstrahlen! Schließlich ist das Urkostleben ja kein griesgrämiges, spartanisches Leben, das man verstecken sollte oder dessen man sich schämen müßte, auch wenn "normalkostessende" Freunde als Besucher rarer werden und einige von uns unter Isolation und Einsamkeit leiden. Das muß nicht sein! Geht doch selbstbewußt und fröhlich in die Offensive:

Gerade an den Festtagen sollte man Freundschaften pflegen und zum Früchtefestschmaus laden! Bei der unter der Last von Gänsebraten, Stollen und Schokoladentorten ächzenden Zeitgenossen, die an solchen Tagen doch auch hin und wieder ahnen, daß ihre Lebensweise nicht "der Weisheit letzter Schluß" ist, stößt man mit dieser Abwechslung sogar oft auf begeisterte Zustimmung. Bei Kindern sowieso, weil diese sich in der Regel noch ein Gespür für natürliches Essen bewahrt haben. Und Frauen, die uns wegen unserer nicht vorhandenen Figurprobleme beneiden, freuen sich doch auch immer, wenn das Kalorienzählen mal Pause hat! Oder? Wenn man an diesen Tagen dann noch eine herrlich dekorierte Rohkosttorte (Rezept siehe unten, man kann Rezepte aber auch in großer Vielfalt in den vergangenen NL-Ausgaben nachlesen) oder ein selbst gemachtes rohes Bananen- Kaki -Eis serviert, ist die Freude riesengroß und man erntet - sogar in Schlechtkostkreisen - allgemeines Lob und Anerkennung ob der Vielfalt der Genüsse!

Die nächste Hürde im gesellschaftlichen Leben ist dann immer Silvester. Zum letzten Jahreswechsel waren die Aufgeregtheiten ja besonders groß! Des "historischen Augenblicks"wegen (Obwohl das nächste Jahrtausend ja eigentlich erst mit dem 1.1. 2001 beginnt...) Nun denn, man hatte sich allgemein auf dieses Datum geeinigt und so war es bei den meisten Zeitgenossen anscheinend selbstverständlich, dass man solch einen besonderen Tag nur im Vollrausch und mit Völlerei feiern kann! Ein mit Datteln, Ananas, Orangen, Grapefruits, Äpfeln, Durian oder Jackfrucht, Oliven, Mandeln und Nüssen und und und und...liebevoll arrangierter Tisch konnte Genuß pur und ohne Reue an diesem Abend bieten. Schöne Musik, gemeinsames Singen oder Musizieren oder gemeinsame Spiele lassen dies alles - nicht nur für Kinder - zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Und ist es nicht auch schön, daß man an so gestalteten Festen Kinder unbesorgt miteinbeziehen kann? Die in Deutschland so ausgeprägte Unsitte der Generationentrennung hat vielleicht hier den einen Grund: Man möchte sich alkoholisiert seinen Kindern dann doch nicht so gerne präsentieren, und so finden Festivitäten meistens altersmäßig getrennt statt. Welch eine Unsinn! Welch eine Begrenzung!

Die nächste Hürde kommt jetzt - und dies auch wieder in einigen Gegenden besonders ausgeprägt - auf uns zu: Karneval! "Die fünfte Jahreszeit" ist hier im Rheinland, für Kölner (fast) nicht zu umgehen, für viele ein kalter Graus, aber für Kinder eigentlich ein herrlicher Spaß! Sie haben eben diese unbändige Lust und Freude am Verkleiden und Rollenspielen. Auch für viele Erwachsene könnte sich hier ein schönes Ventil für freudlose, graue Arbeitstage bieten, wenn die Realität auch dieser Tage nicht so abstoßend und traurig wäre! Auch hier gilt es nach dem oben beschriebenen Muster Gegenakzente zu setzen!

Danach beginnt dann erst einmal die Fastenzeit, welche auch für schon entgiftete Urköstler einiges bereithalten kann. Erdfasten in regelmäßigen Abständen bringt neue Kraft und Energie

Dass ihr danach dann auch über Ostern wunderschöne rohe Urkosttage habt, mit fröhlichen Spielen für die lieben Kleinen und lustigem "Früchtesuchen" in der (hoffentlich) warmen Frühlingsluft, daran zweifele ich keinen Augenblick!

Es folgt das Rezept für: "Brigittes Ananastraum" (für den Ostertisch)

Tortenboden: 2 Tassen eingeweichte Mandeln, 1 Tassen eingeweichte Sonnenblumenkerne, 1/2 Tassen geraspelte Kokosnuss, 1 pürierte Banane, eine geraspelte Mohrrübe, Zimt, Schale einer Zitrone, alles im Mixer mit dem scharfen Messer verrühren, eventuell noch Zitronensaft hinzufügen, bis es eine gute Konsistenz hat, auf einem schönen Teller dekorativ als Tortenboden ausstreichen. Tortenbelag: 1 Ta eingeweichte Trockenfeigen, 1 Tasse eingeweichte Rosinen (oder beliebige andere Trockenfrüchte) in Stücke schneiden und vermischen, mit einer Banane und ein paar Ananasstücken pürieren und auf dem Tortenboden verteilen. Die Ananas in schöne Stücke schneiden und dicht an dicht oben drauf anrichten.

© Brigitte Rondholz


Letzte Änderung: 1.11.2002 07:52:17 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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