Mobil Funk


MOBILFUNK aktuell - aus kritischer baubiologischer Sicht



Gerade mal zehn Jahre ist er nun alt, der größte industrielle Wurf des ausklingenden 20. Jahrhunderts, der neue Mobilfunk, die ersten digitalen Techniken a la D- und E-Netz. 1992 kamen die ersten großen Sendeanlagen und mit ihnen die ersten Handys. Hinzu kamen wenige Jahre später viele kleine Brüder, die schnurlosen DECT - Telefone. Heute, nur zehn Jahre später, gibt es mehr Handys und Schnurlose als es Ohren gibt und allein bei uns in Deutschland über 50.000 solcher industriellen Sendeanlagen namens Basisstationen auf Dächern, Kaminen, Masten, Silos, Türmen, selbst Kirchtürmen, die für die Verarbeitung und Weiterleitung der mit Lichtgeschwindigkeit übermittelten Handysignale notwendig sind. In wenigen Jahren sollen es doppelt so viele solcher Großanlagen für den Handyfunk sein, der Verkauf der kleinen schnurlosen Telefone für das heimische Wohn- und Schlafzimmer boomt. Flächendeckende Versorgung nennen es die Betreiber und die Regierung, flächendeckende Bestrahlung die Kritiker.

So beliebt er ist, der Handyfunk, so gefürchtet ist auch seine gepulste Mikrowellenstrahlung. Hunderte von ernstzunehmenden wissenschaftlichen Studienergebnissen liegen vor, die von besorgniserregenden biologischen Effekten berichten. Tausende Bürgerinitiativen formierten sich und machen der Industrie das Leben schwer. Die Zahl der baubiologischen Fallbeispiele in Bezug auf die Strahlung der D- und E-Netze und DECT - Schnurlosen nimmt rasant zu. Kranke Menschen werden gesund nach Entfernung oder Abschirmung der strahlenden Emittenten. Ärzte schlagen Alarm. Die mehr oder weniger inzwischen nahezu unausweichlich auf uns einwirkenden gepulsten Mikrowellen der Mobilfunknetze und DECT - Telefone schicken sich an, zum größten Elektrosmogproblem zu werden, was die Welt je erlebt hat.

Die Mikrowellen des Mobilfunks mit Abermillionen Handys und bald über 100.000 Basisstationen allein in Deutschland sind der größte, flächendeckendste und uneinschätzbarste physikalische Eingriff in die natürliche Umwelt seit Menschengedenken, in alle lebenssteuernden elektromagnetischen Abläufe der Schöpfung. Es geht um eine milliardenfach stärkere technische Überlagerung der sensiblen biologischen Ordnung. Wie Mensch, Tier, Baum, Wetter..., die ganze Natur jetzt oder in folgenden Generationen auf die Belastung reagieren, das ahnt - geschweige weiß - noch keiner so richtig. Nachdenklich stimmt jedoch: Gäbe es vor der Einführung eines neuen Medikamentes derart viele Warnungen wie beim Mobilfunk, so würde dieses nicht für den Markt zugelassen.

„Gepulste Mikrowellen greifen tief in biologische Prozesse ein.“ So mahnte Prof. Dr. Ross Adey, ein weltweit anerkannter Elektrosmogexperte von der Loma-Linda-Universität in Kalifornien, schon 1970 und sein Kollege Dr. Dan Lyle ergänzt 1985: „Gepulste Mikrowellen schädigen das Immunsystem und beeinflussen Neurotrans-mitterabläufe.“

Der Medizin-Physiker der Universität Lübeck, Dr. Lebrecht von Klitzing, fand 1994: „Gepulste Mikrowellen verändern die menschlichen Gehirnströme. Das ist im EEG bei Strahlungsstärken von 1000 µW/m2 nach wenigen Minuten nachweisbar.“ Diese Strahlungsstärke finden wir in einer Entfernung von, je nach Situation, etwa 50 bis über 200 Metern zu Mobilfunk-Basisstationen, in 5 bis 20 Metern zu Handys und 3 bis 7 Metern zu den nonstop funkenden kleinen Basisstationen der DECT - Schnurlostelefone. Von Klitzings Erkenntnisse wurden inzwischen weltweit zigfach bestätigt.

Interessant die Nachricht der Elektroindustrie: „Die Frequenz, mit der Zellen kommunizieren, liegt zwischen 10 und 1000 Hertz.“ Die auf uns einwirkenden Pulse eines Handys haben die Frequenz von 217 Hz, einer Mobilfunk-Basisstation 217 bis 1733 Hz und die von DECT - Schnurlosen 100 Hz, sie liegen also mitten in diesem biologisch relevanten Bereich.

Die Bundesärztekammer ist besorgt: „Es gibt gewichtige Hinweise auf Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Die zuständigen Behörden werden von uns dringend aufgefordert, sich mit den wissenschaftlichen Ergebnissen auseinander zu setzen.“

Das Ecolog - Institut veröffentlicht vor zwei Jahren die umfangreichste Risikobewertung weltweiter Forschungsergebnisse im Auftrag der Telekom: „Beeinträchtigungen des Immunsystems sind vielfach nachgewiesen. Es ist nicht auszuschließen, dass Mobilfunkfelder krebsfördernde Wirkung haben, dass sich Krebs schneller entwickelt und fataler verläuft. Es wurde bewiesen, dass Stresshormone vermehrt ausgeschüttet werden mit allen Konsequenzen, die das haben kann. Es gibt Störungen vieler Zellfunktionen, was besonders bedenklich stimmt. Die Auswirkung, die das alles auf den Organismus hat, können wir noch gar nicht abschätzen.“

Brisant auch, was Prof. Dr. J.G. Hyland vom Institut für Physik der University of Warwick anmerkt: „Zur Unterstützung der Tatsache gesundheitsschädlicher Auswirkungen von Mikrowellen, wie sie heute speziell beim Mobilfunk benutzt werden, sollten wir uns an folgendes Ereignis erinnern: Während des ‘kalten Krieges’ in den 50er und 60er Jahren war die Mikrowellenbestrahlung westlicher Botschaften in Moskau, die durch die Sowjetunion mit der erklärten Absicht durchgeführt wurde, Gesundheitsschäden zu verursachen, sehr erfolgreich. Die hierfür eingesetzten Mikrowellenstärken lagen zwischen der eines Handys und einer Basisstation.“

Prof. Dr. Andrew Weil ist Mediziner und Pharmakologe der Harvard Universität und sorgt sich öffentlich: „Hier droht eine der größten Gefahren für die Gesundheit und für das Wohlergehen der heutigen Welt.“

Dr. George Carlo ist Medizin-Physiker und Leiter einer im Auftrag der US-Mobilfunkindustrie durchgeführten 27-Millionen-Dollar-Studie: „Es gibt Beweise für Schäden durch Mobilfunk. Es zeigte sich, dass sich unter dem Feldeinfluss die Zellkerne spalten. Dabei geht es nicht nur um Hirntumore, Blutveränderungen und Krebs sondern auch um genetische Störungen und andere Probleme. Mit den vielen Informationen, die wir zum jetzigen Zeitpunkt in der Hand haben, ist Entwarnung absolut unhaltbar.“

Aus Schweden kommen die Ergebnisse mehrfacher Versuche der Wissenschaftler Prof. Arne Brun, Dr. Bertil Perssion und Prof. Leif Salford von der Universität Lund: „Rattenhirne sind nach Bestrahlung mit Mikrowellen, wie man sie vom Mobilfunk kennt, übersät mit dunklen Flecken und deutlich geschädigt. Es tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen aus, verursacht durch die Felder. Proteine und Schadstoffe durchdringen die Blut-Hirn-Schranke, nachdem sie von der Strahlung geöffnet wurde.“ Nun gehören Proteine ins Blut, niemals ins Gehirn. Und bei Schadstoffen, Giften wie Medikamenten ist es besonders wichtig, dass jene die Blut-Hirn-Schranke, eine Barriere, die das Gehirn vor dem Eindringen solcher Substanzen schützt, nicht überschreiten. Bei den Versuchen reichten wenige Minuten Handystrahlung aus, um diese lebenswichtige Barriere durchlässig zu machen. Die schwedischen Versuche wurden von Wissenschaftlern anderer Länder inzwischen mehrfach wiederholt und bestätigt.

Robert C. Kane, Wissenschaftler und Ingenieur der US-Mobilfunkindustrie, beteiligt an der Entwicklung von Handys: „Wir wissen heute, dass selbst eine einzige Exposition zu DNA-Schäden an Gehirnzellen führt.“

Das Europäische Parlament veröffentlicht über Menschen, die in der Nähe von Basisstationen leben müssen: „Im Endeffekt sind sie unfreiwillige Objekte eines Massenexperimentes.“

Dr. Brigitte Lange, Physikerin und Wissenschaftlerin in der Hirnwellenforschung, befürchtet mit Blick auf den Mobilfunk: „In 20 Jahren sind wir ein Volk von Demenz-Kranken.“

Die Lymphdrüsenkrebsrate verdoppelte sich bei Mäusen im Einfluss von Handystrahlung, so das Ergebnis von Dr. Michael Repacholi, Beauftragter der WHO und Forscher im Auftrag der Mobilfunk-Industrie. Herz-Kreislauf-Beschwerden zeigten bei Anwohnern von Basisstationen einen direkten Zusammenhang mit der Strahlung, so die Uni Wien. Das Blutbild verändert sich im Einfluss alltagstypischer Handy-intensitäten, so verschiedene Mediziner. Kinderärzte warnen vor der besonderen Gefahr bei den Jüngeren. HNO-Ärzte sehen den Zusammenhang mit zunehmendem Tinnitus und Hörstürzen. Mikrowellen gehören zu den Hauptrisikofaktoren für Leukämie, das fanden italienische und spanische Forscher heraus. Vögel und Insekten reagierten mit Nervenstörungen auf alltägliche Mobilfunkfeldstärken, so Prof. Dr. Peter Semm, Wissenschaftler der Uni Frankfurt im Telekom-Auftrag. Ornithologen stellen erschrocken fest, dass seit der Mobilfunkeinführung viele Vögel in der Umgebung von Sendern verschwunden sind, selbst Spatzen stehen in Städten seit kurzem vor dem Aussterben. Studien mit Rindern und anderen Nutztieren ergaben furchterregende Verkrüppelungen. Verhal-tens-störungen und andere Probleme. Schüler finden im Rahmen von ‘Jugend forscht’ Auffälligkeiten bei der Zellteilung von Pflanzen im Einfluss von DECT - Mikrowellen. Hunderte Ärzte schließen sich im ‘Freiburger Appell’ zusammen und sehen eine Verbindung mit dem dramatischen Anstieg verschiedener chronischer Krankheiten und psychologischer Probleme durch den Mobil- bzw. DECT - Funk.

Kein Wunder, dass selbst Makler verzweifeln: „Wie sollen wir den Kaufinteressenten eine Penthouse-Wohnung mit Dachterrasse schmackhaft machen, wenn in nur 15 Meter Entfernung ein 10 Meter hoher Sendemast steht und die Techniker diesen nur in Strahlenschutzanzügen warten?“

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sagte einmal: „Wo man Dauerbelastungen durch elektromagnetische Felder herabsetzen kann, da sollte man es tun.“

Tun wir es. Für uns Baubiologen ist es eine relativ neue und besonders wichtige diagnostische und therapeutische Aufgabe, Belastungen durch Mobilfunkstrahlung messtechnisch zu erkennen und sachverständig zu reduzieren, was in vielen Fällen gottlob hochprozentig und recht einfach möglich ist. Dabei stehen auch hier Vorsorge und das Erreichbare im Vordergrund. Rechtlich verbindliche Grenzwerte sind nicht unser Maßstab, sie sind viel zu hoch gesteckt und schützen die Industrie, nicht den Menschen. Sie basieren auf der voreiligen, wenn nicht sogar gerissenen, weil Sicherheit vortäuschenden, vielleicht auch nur naiven Annahme, dass nur der thermische Effekt, also die Erwärmung des Körpers im Einfluss der Strahlung, biologisch relevant sein soll.

Niemand kann momentan abschließend und sicher beurteilen, welche akuten gesundheitlichen Probleme oder Langzeitschäden durch die immer weiter zunehmenden Mobilfunkeinwirkungen hervorgerufen werden. Wir alle stehen ziemlich am Anfang der Forschungs- und Aufklärungsarbeit. Keiner sollte so tun als hätte er den Überblick. Die Zeit für Entwarnung ist genau so wenig reif wie für Panikmache. Aber die Zeit ist reif für interessenunab-hängige Aufklärung und verantwortungsbewussten Schutz. Moderne Technik ja, aber nicht maßlos und um jeden Preis, nicht gegen alle Vernunft.

Vortrag IBN-Tagung Baubiologie - Architektur - Umweltmedzin 16.-17. Mai 2003, Bad Endorf Wolfgang Maes Baubiologe IBN / Journalist DJV, 41464 Neuss

Viele weitere und ausführlichere Zitate, Beiträge, Fallbeispiele und Tipps zum Thema Mobilfunk und DECT - Telefone finden Sie unter anderem in der Fachliteratur, der Zeitschrift Wohnung + Gesundheit oder im Internet bei http://www.maes.de.


Letzte Änderung: 18.11.2003 08:49:16 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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