Georgs Geschichte Ueber Die Liebe


Eine nächtliche Geschichte über die Liebe

Die Frau legte die Decke in die sie gehüllt war zur Seite und schob vorsichtig den gewendelten Öffner ihres Ofens auf. Etwas knarrend öffnete sich die Eisentür und für Sekunden war die Frau geblendet von der Glut. Riesengroß wuchs hinter ihr der Schatten hoch, reflektiert vom Feuer. Gelbe und rote Leuchtflecke zauberten ihr flackerndes Spiel an die Wand des Wohnzimmers und ein warmes Gefühl durchströmte die Frau. Sanft strich sie ihr Haar etwas zurück, weil einige neugierige Locken sich wohl das Feuerspiel ansehen wollten.

Nun ergriff sie einige Stücke Buchenholz und legte sie zuoberst auf die Glut. Knackend sprang ein Funke aus der Ofenöffnung. Mit einem Wehlaut beobachtete die Frau wie der Funke auf der Stahlplatte vor dem Ofen erlosch. Ohne zu zögern schloss sie nun die Ofentür. Fauchend machte sich nun die rote Glut über die neuen Scheite her. Wenige Zeit später leuchtete dieser helle Schein durch die wenigen Luft-Öffnungen der mit einigen Ornamenten geschmückten Ofentür. Still sog die Frau den Geruch des Feuers durch die Nase. Diesen Geruch kannte sie von Kindesbeinen an. Einige Bilder aus der Kinderzeit zogen vor ihr vorbei. Da war die Mutter, die morgens, bevor alle Kinder geweckt wurden am Herde leise klappernd hantierte und genau wie sie, so still ihre Heizarbeit erledigte ,fast wie eine Zeremonie. Oft hatte sie schon still wach gelegen, sich noch etwas in das Daunenbett gekuschelt und der Mutter zugesehen. Schaute die aber zu ihr, so schloss sie schnell die Augen, denn sie wollte unbedingt mit dem Kuss auf die Stirn von der Mutter zart geweckt werden.

Während sie so diese Erinnerung verfolgte ging ihr Blick zum Fenster. Das war mit Eisblumen bemalt und auch leicht dunstig von der Wärme des Zimmers. Weit draußen sah sie in der Schwärze des Nadelwaldes ein Licht blinken und zucken. Was war das ? Das Licht kam nur langsam näher. Neugierig rieb sie die kalte Glasscheibe blank um besser sehen zu können. Nun war das Licht schon so nah das sie deutlich sehen konnte das es ein Laternenlicht war, was leicht schwankend getragen wurde. Irgend etwas hemmte den geraden Gang des Lichtträgers. Nun nahm sie auch die leisen Geräusche wahr, aus Richtung des Lichtes. Silberhelles Kinderlachen war es, deutlich zu hören. Langsam zog so, vor ihrer Hecke eine kleine Schar vorbei.

Nun konnte sie auch erkennen warum die Laterne so schwankte. Es war die dunkle Gestalt eines Mannes der mit einer Hand die Laterne trug und hinter sich einen Holzschlitten zog. Darauf saßen zwei Kinder eng aneinander geschlungen. Das hintere etwas grössere Kind hielt sein Geschwisterchen wohlbehütet vor sich fest. Selbst war es tief in die Rückenlehne des Schlittens gedrückt. Ab und zu musste es auch mit den Beinchen etwas seitlich stützen wenn der Vater wohl etwas schnell über eine vereiste Wurzel fuhr. Genau in dem Moment erscholl wieder ein fröhliches Lachen. Die beiden Rangen hatten ihren Spaß dabei.

er Mann trug schwere Winterstiefel mit denen er sicheren Halt im Schnee fand. Hinter dem Schlitten tollte ein weißer Hund etwas übermütig an einer langen Leine. Ein Junge versuchte dem tanzenden Hund Herr zu werden. Dies misslang aber, so dass er von der Leine, die sich um seinen Fuß wickelte, zu Boden gerissen wurde. In einer Wolke von Pulverschnee ging er zu Boden. Schmerzvoll und empört rief der Junge. Sein Vater drehte sich, setzte die Laterne in den Schnee und half ihm auf die Beine. Der Hund stand dabei als währe nichts geschehen , leicht den Kopf verdreht beobachtete er den schneebedeckten Jungen, sties ihn mit der Schnauze an.

Der Vater klopfte lachend die Jacke des Jungen ab und drohte dem Hund mit erhobener Hand. Scherzhaft tadelte er den Hund. Zugleich aber senkte er seinen Handschuh auf den Kopf des Jungen wohl um ihn zu trösten. Der war aber sofort hinter seinem Hund und der stob schnellstens davon um aus der Reichweite zu gelangen. So zog die Gruppe am Haus vorbei und ereichte wieder den Wald, denn der Weg war hier am Ende. Unter den Füssen knirschte der hohe Schnee und tief bückte sich der Mann unter den schwer mit Schnee beladenen Tannenzweigen drunterdurch. Doch zu früh hob er den Nacken. Einige Äste warfen ihre weiße Last ab über die Schultern des Mannes. Der Kragen der warmen Jacke war wie mit Puderzucker überzogen und tausende von kleinen Kristallen glitzerten im Licht der Starklichtlaterne. Etwas umständlich zog der Vater nun seine Handschuhe aus und fuhr sich durch den Nacken um die nassen Tropfen und Schneereste möglichst schnell loszuwerden. Patschend warf da ein weitere Ast seinen Segen über die bebeugte Gestalt. Der Junge hatte den Ast ergriffen und derb geschüttelt, wohl um die Gunst der Situation zu nutzen. Das war ihm aber voll gelungen. Nun war der Mann vollends über und über bedeckt. Doch wer nun geglaubt hätte, es gäbe Schelte, der wurde eines besseren belehrt. Weithin war nun das prustende Lachen des Vaters zu hören: du Schlingel. Die sonore Stimme des Mannes klang nun weiter durch die Bäume, aber es war schon nicht mehr alles zu verstehen, denn dafür war die Schar schon zu tief im Wald verschwunden.

Die Frau am Fenster wusste nun, wer da an ihren Hecke vorbeigezogen war. Die Stimme hatte den Mann verraten. Der stapfte längst wieder vor seinem Schlitten her, immer noch die Kinder zu ziehen. Im Waldesinneren war nur das leichte Rauschen der Schlittenkufen zu hören und das hecheln des Hundes. Die Kinder waren still geworden. Das kleinere war wohl eingeschlafen. Mit dem leicht abgeblendeten Licht der Laterne leuchtete der Vater auf die kleine warmverpackte Gestalt. Ein kleines Näschen war zu sehen, die Augen fest zu. Das Köpfchen ruhte auf der Brust des hinter ihm sitzenden Kindes. Bewusst lies der Mann dieses liebe Bild noch einige Zeit beleuchtet, so als könne er sich nicht vom Zauber diese Augenblickes lösen.

Es gab ihm einen leichten Stich im Herzen wenn er daran dachte wieviele Jahre wohl solch niedliches Kind sein eigen sein würde. Viel zu schnell wären sie groß. Aber so genoss er den Moment völligster Ergriffenheit. Papa, was ist? Gehts nicht weiter? Rief der größere Junge da. Doch sogleich, war die Antwort. Der Mann wischte sich über die Augen und zog wieder behutsam an der Kordel des Schlittens , die am vordersten Teil eine Holzkugel hatte. Das grössere Kind auf dem Schlitten legte sanft die Arme um das Kleine. Etwas trotzig schob der Mann nun seinen Kopf, wieder in die Richtung des kleinen Dorfes das nun mit vielen gelben Lichterfenstern durch die Äste des Waldes blinzelte. Draußen vor dem Wald hatte es aber wieder zu schneien begonnen.

Tiefer zog der Mann seine Mütze ins Gesicht und blickte nur noch wenige Meter vor sich,um dem wirbelnden Element nicht das Gesicht zu bieten. Etwas ergriffen war er doch als er hinter sich leise die Stimmen seiner Kinder hörte : leise rieselt der Schnee ... Immer noch eng im Hals ereichte er sein Haus, das ihn schon mit weichem Schein begrüßte. Seine Frau wunderte sich, warum er sie noch in der geöffneten Tür fest in die Arme nahm. Konnte sich auch nicht seine feuchten Augen erklären. Der Mann sagte nichts und ging nur still ins Haus.

Könnte es nicht auf ewig so friedlich bleiben, dachte er nur, während hinter ihm mit strahlenden Kinderaugen seine Kinder von der nächtlichen Laternen-Schlittenfahrt erzählten.

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^

Dies ist eine erlebte Geschichte von Georg. Ich danke dir, dass du sie mit uns teilst, lieber Georg! BR


Letzte Änderung: 27.1.2005 15:10:02 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
Home