Es Werde Licht Lichtnahrung Kritisch Betrachtet


Brigitte Rondholz

Es werde Licht!

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Oder:

Wie Lichtnahrungsjünger versuchen, sich die Realität zurechtzubiegen.

Seit einigen Jahren hört und liest man von Menschen, die das, was wir normalerweise „Essen“ nennen, als „Lichtnahrung“ bezeichnen. Die Anhänger dieser Lebensweise nehmen angeblich keine Nahrung zu sich, sondern „Prana“.



Prana, diese „kosmische Lebenskraft“, soll sie nähren. Will heißen: Sie geben vor, ein Leben ohne Einnahme von fester oder flüssiger Nahrung zu führen.

Absurd? Lächerlich? Das sind die ersten Gedanken, die wohl jedem Urköstler, der mit beiden Beinen - eben bodenständig - auf der Erde steht, durch den Kopf gehen. Wie kann es sein, dass immer mehr hochintelligente Zeitgenossen von dieser Lebensphilosophie – oder ist es schon eine Religion? – angezogen werden und teilweise daran zugrunde gehen? Warum berichten angesehene Menschen davon und überraschen uns mit den abstrusesten Konstrukten? Lügen sie alle bewusst, fragen sich viele etwas ratlos.

Oh nein, "lügen" in dem Sinn sollte man das wohl nicht nennen, bzw. würden das die Leute nicht nennen. Das ist einfach eine Umdeutung von Wahrheit - da werden Bezeichnungen verändert. Da wird normaler Wortschatz umdefiniert, ganz alltägliche Sachen mit himmelhohen Bedeutungen versehen und die Wahrnehmung allmählich von der Geraden in eine immer schärfere Kurve abgelenkt, bis der Looping komplett ist und die Bodenhaftung verloren geht. Da wird z.B. „Wenigessen“ mit „Nichtsessen“ verwechselt. Ich möchte euch dies ein wenig erläutern.

Wir alle, die schon mal gefastet haben, wissen, dass die schulmedizinischen Erkenntnisse und Regeln, die immer auch noch, oder besser: gerade in medizinischen Lehrbüchern stehen, so nicht stimmen (können). Und nicht nur Jesus konnte lange ohne Essen und Trinken in der Wüste verharren: Wir alle könnten das! Auch wissen wir aus Erfahrung, dass der „Motor Mensch“ ziemlich lange ohne sehr viel „Brennstoff“ läuft. Menschen, die sich jahrelang in die Abhängigkeit der Schlechtkostfresserei begeben hatten, stellen oft sehr erstaunt fest, dass sie auch mit einer sonnengereiften Apfelsine leben können. Oder dass ein herrlicher Apfel pro Tag ihre Lebensfunktionen durchaus zufriedenstellend in Gang hält. Sehr oft spüren sie dadurch so viel Energiezuwachs und Vitalität, dass sie – nach ihrer lebenslangen Völlerei! – den Eindruck haben könnten, nunmehr von „nichts“ zu leben. Eine Illusion, mehr nicht.

Aber sie fühlen sich leicht und beschwingt und damit geht dann wohl auch leider die Bodenhaftung oft verloren. Die Leute vergessen, dass vieles, was sie beschreiben, eigentlich eine Umdeutung von Begriffen ist. Sie verwechseln Worte mit Realitäten und - schwupp-di-wupp! - wandelt wieder ein Lichternährter über diese schöne Erde, deren Lebensgesetzlichkeiten von diesen scheinbar so leicht außer Kraft gesetzt werden. Aber es gibt nun mal solche Kleinigkeiten wie Energieerhaltungssätze etc., und um alleine die „Masse“ eines Säuglings herzustellen, bräuchte man neun Monate lang ziemlich viele und ziemlich große Kraftwerke - nach E=mc²!



Käme eine Schimansenmama auf die Idee, ihm nur Licht zu geben?



Auch Menschenbabys brauchen Licht - aber nicht nur!

Aber das ist nicht das Problem, denn wenn Frauen berichten, dass sie die gesamte Schwangerschaft über weder gegessen, kaum getrunken und geschlafen hätten, haben sie selbstverständlich gegessen, getrunken und geschlafen - nur haben sie's halt anders genannt. Und selbstverständlich glauben sie auch wohl selbst, dass sie nicht gegessen, getrunken oder geschlafen hätten. Sie haben sich halt den Mund ausgespült, selbstverständlich nur „des Geschmackes wegen“. Sie haben mal dieses, mal jenes gekaut, vielleicht nicht regelmäßig, aber doch immer mal ab und zu. Und vielleicht haben sie auch viel meditiert. Auch wird nächtlicher „Halbschlaf“ oft mit „Nichtschlaf“ verwechselt. Man darf halt nicht den Fehler machen, das alles wörtlich zu nehmen. Wer das macht, hat leider verloren bzw. stirbt dran - die das überleben, haben diese Umdeutung eben hingekriegt.

Und damit niemand - vor allen Dingen keine unschuldigen, ungeborenen Kinder -, zu Schaden kommt, möchte ich euch hiermit warnen. Seid klug, wägt ab und glaubt nicht alles, was man euch erzählt. Als Urmethodiker traue ich euch diese Unterscheidungskraft zu, denn die artgerechte, menschliche Nahrung macht nicht nur satt und zufrieden, fit und vital, sondern sie macht auch hellsichtig und klug.

Einer, der diese Unterscheidungen gut hinzubekommen scheint, ist ein langjähriger Internetfreund, namens Rico. Er ist ein kluger, intelligenter, bescheidener und sehr sympathischer Mensch, den ich auf dem letzten Wurzelkongress in Nürnberg persönlich kennen lernte. Er berichtete dort von seinem „Prozess“ hin zur Lichtnahrung. Aber er konnte damit nicht so recht überzeugen, weil man spürte, dass dies alles schon weit hinter ihm lag und seine jetzige Lebensrealität nicht mehr beschrieb. Seine „Bedürfnislosigkeit“ hatte ihn auch nicht etwa zur reinen Frischkost geführt. Nein, wenn er isst, dann so schreckliche Dinge wie ausgerechnet „Schokokekse“! Was, bitteschön, sollte daran erstrebenswert sein? Sympathisch an ihm ist, dass er sich nicht vor den Karren der Erfolgsautorin „Jasmuheen“ spannen lässt. Seit die Australierin Ellen Greves ihr Buch "Lichtnahrung“ auch auf den deutschsprachigen Markt brachte, hört man immer wieder von Nachahmern dieser schillernden und umstrittenen Persönlichkeit. So ein Mitläufer ist Rico nicht.

Auch Buszia Wucher, den ich vor Jahren zu diesem Thema schon einmal interviewte, fällt nicht in diese Kategorie und ich erinnere mich, dass ich damals von ihm zuvorkommend und fast freundschaftlich aufgenommen wurde, sodass unser Interview in einer angenehmen Atmosphäre verlief.



Der gebürtige Schweizer machte einen sehr vitalen, gesunden und fröhlichen Eindruck auf mich, was bei 75- jährigen Männern, die ihren Körper mit "Schlechtkost" vergiften, so gut wie nie der Fall ist. Von Verfall keine Spur. Und da er „200 Jahre als Lebensspanne“ avisiert (wie er mir augenzwinkernd gestand), war der Eindruck eines Mannes in „seinen besten Jahren“ durchaus berechtigt.

Aber dies erlebt man doch auch bei Urköstlern. Wer Franz bei seinen Seminaren erlebt hat, wird dies bestätigen können. Und auch Buszia Wucher hatte lange Jahre zuvor schon bewusst gelebt. Er aß nämlich seit Jahren vegetarische (fast nur) Rohkost, machte regelmäßige Fastenwochen und Meditationen. Und er behauptet auch nicht, gar nichts zu trinken. Er sprach von ein bis zwei Gläsern pro Tag. Ich bin seinerzeit mit einer gehörigen Portion Skepsis in das Gespräch mit Buszia Wucher gegangen und viele Fragen und massive Zweifel sind geblieben, die sich im Laufe der Jahre so sehr vermehrt haben, dass ich "Lichtnahrung" seit langem als Hirngespinnst komplett verwerfe.



Liebe Freunde der Urmethodik, wir haben von der Natur wundervolle Nahrung zugedacht bekommen. Essen, so weiß selbst der Volksmund, hält Leib und Seele zusammen. Selbst Pflanzen müssen genährt werden. Schon jedes Kind weiß, dass Blumen verdorren und eingehen, wenn sie bei großer Trockenheit kein Wasser bekommen. Wir sind weder „Lichtgestalten“, noch „Nur-Geistwesen“. Die pflanzliche Kost ist uns zugedacht von der Natur, so wie jedes Lebewesen auf unserer Erde eine Nahrung zugewiesen bekam. Lasst uns diese Nahrung wertschätzen. Es gibt für mich keinen einzigen vernünftigen Grund, sie mir nicht in Dankbarkeit und mit viel Genuss jeden Tag aufs Neue einzuverleiben.

	


Letzte Änderung: 1.7.2007 19:35:03 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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