Ilona Lemmens Mein Einstieg In Die Rohkost


Ilona Lemmens, 35 Jahre

Mein Einstieg in die Rohkost – das ungewöhnlichste Lebensjahr für mich überhaupt! Teil 1)

Ich bin jetzt ein dreiviertel Jahr bei der Rohkost. Ich habe mich so durchgekämpft, wie ihr anderen wohl alle auch. Mir blieb keine andere Wahl: Meine Gesundheit war mir irgendwie verlorengegangen - ich war nur noch krank. Richtig schlimm wurde es im Dezember 2003.

Dann habe ich von einer lieben Kollegin, Annette, sie ist Veganerin, ein paar gute Bücher in die Hand gedrückt bekommen; und ich habe gelesen, gelesen, gelesen: Dass Norman Walker mit seiner Rohkost 116 Jahre alt geworden ist, das hat mich schwer beeindruckt. Ich habe aus seinen Büchern viel Neues erfahren, vieles gelernt, Ratschläge angenommen, die meisten auch ausprobiert und bin dabei geblieben. Danach habe ich Helmut Wandmaker gelesen, wieder viel gelernt (Warum habe ich von alledem noch nie gehört? Warum sagt mir das keiner?); dann habe ich den dicken Gesundheits-Konz verschlungen (Weshalb verschweigt uns die ganze Ärzteschaft so viel? Warum sind die ganzen Pharma-Firmen so hinterhältig?); zwischendurch wurden mir von lieben Freunden, Günter und Marlies, sie sind Rohköstler seit 17 Jahren, immer wieder ein paar uralte Ausgaben von „Natürlich Leben“ zugesteckt.. Dann kam noch in einzelnen Artikeln Arnold Ehret hinzu.

Was kann man denn überhaupt noch essen?

Irgendwann hatte ich die Sache mit der Rohkost tief in mir drin endlich verstanden. Nur die rohe Pflanzenkost bringt mich weiter, macht mich gesund. Alles andere ist wertlos, ja sogar schädlich! Ich zweifelte nicht mehr, sondern ganz aß einfach das auf, was ich mir aus den verschiedenen Geschäften sorgsam ‘rausgepickt hatte. Ja, das ist wohl das richtige Wort, das trifft die Situation wirklich: Gehst du als Rohköstler in ein Geschäft, dann fallen ganze Waren-Reihen komplett für dich ‘raus! Du bekommst dort schlichtweg GAR NICHTS mehr für dich und deinen wertvollen Körper! Brot, Wurst, Wein, Bier, Chips für den gemütlichen, faulen Abend vor dem Fernseher – ganz so wie früher? Fehlanzeige! (- Ja, es ist sogar so, dass der Fernseher bei mir immer öfter komplett wegfällt, weil ich es satt bin, ständig Serien gezeigt zu bekommen, in denen die Menschen ewig krank sind und dann auch noch ‘rumjammern, dass sie gar nicht wissen, warum es ausgerechnet sie so arg getroffen hat. Wenn ich sie dann 100% Schlechtkost essen sehe, ertrage ich das alles nicht mehr und schalte den Fernseher wieder aus – ganz zu schweigen von der heuchlerischen Werbung, die sie immer aufdringlicher dazwischen schieben!) Zurück zu meinem Einkauf: Das meiste, was in den Regalen steht, kann ich nicht mehr essen. Nein: Das will ich nicht mehr essen! In meiner ersten Rohkost-Woche (ich habe mich Knall auf Fall sofort kopfüber in 100% Rohkost gestürzt) stand ich mit großen Augen in unserem Plus-Einkaufsmarkt: „Waaas, das darf ich alles nicht mehr essen? Was bleibt mir denn dann überhaupt noch?“ Ich war nicht nur perplex, ich war richtiggehend geschockt!! Ich sage euch die Wahrheit, ganz so, wie ich sie erlebt habe: Mir stiegen die Tränen in die Augen, und ich musste sofort ‘raus aus dem Laden!! Ich war fertig, völlig fertig. Puh, das ist ja nicht nur irgendeine Diät, das ist eine ganze Lebensphilosophie! Aber dann habe ich gelernt, wo ich gutes Essen finde: auf dem Wochenmarkt, im Bioladen, bei ein/zwei Bauern, manches auch im Reformhaus; ab und zu sammele ich mir natürlich auch ein paar Un-Kräuter auf der Wiese.

Blanke Panik, Mordhunger und Gewichtsverlust

Ich muss zugeben, manches Wochenende habe ich die blanke Panik gehabt, denn ich war davon überzeugt, ich müsste verhungern, fände ich eines Sonntagmorgens nur noch einen halben Apfel in meiner Küche! Freitagabends habe ich oft Mengen eingekauft, die für drei Leute ausgereicht hätten! Nur aus Angst, ich könnte meinem Körper „mit dem bisschen Obst“ nicht genug Nahrung geben. Kennt ihr das von euren Anfangstagen auch? Man hat Hunger im Bauch, zwei Äpfel gegessen, und dieser gemeine Hunger ist noch immer da – er lacht sich eins ins Fäustchen, denn inzwischen ist er sogar noch größer geworden, als er anfangs gewesen war!! Die Unmengen Obst, die ich in meinen ersten vier bis sechs Rohkostwochen verschlungen hatte, hatten meinen Körper zwar gereinigt (und das sehr gut sogar; davon schreibe ich später), aber auch richtiggehend ausgemergelt: Ich bin 1,73m groß, hatte vor der Rohkost 71kg und war mit meiner Figur wirklich zufrieden gewesen: Die Proportionen O.K.; die Männer sahen mir öfter nach, als es mir lieb war; und jetzt d a s: Ich habe in den ersten vier Wochen zwölf Kilo abgenommen, danach noch weitere verloren! Ja, v e r l o r e n !!! Meine Pullis schlackerten nur noch so an mir, gerade noch neu gekaufte Kleider ließen an den Seiten so viel Luft, dass jeder ahnungslose Depp sehen konnte, dass ich mal „mehr“ gehabt hatte, meine BH’ s wurden von mir nicht mehr ausgefüllt, sodass ich sie unglücklich und kopfschüttelnd zurück in die Schachtel werfen musste – an einem Tag bin ich sogar klammheimlich mit Hosenträgern unter dem Pullover ins Büro geschlichen... Aber ich wollte auch nichts enger nähen, weil ich ja die Hoffnung hatte, wieder zuzunehmen. Denn ich hatte gelesen, dass der Körper sein Gewicht ganz von alleine (wieder)findet; dass er erst einmal allen Ballast abwirft und sich dann peu à peu wieder aufbaut. [Hier hat mich übrigens immer wieder das Internet-Forum von Brigitte Rondholz aus dem (psychologischen) Sumpf gezogen. Besonders abends spät, wenn sich die Zweifel melden, man aber niemand mehr anrufen und belästigen möchte, ist so eine Internet-Adresse eine unschlagbare Hilfe!]

Jetzt wurde es kritisch – vielleicht doch in einer Sekte ...?

Nun, was soll ich sagen, so langsam wurde es um mich herum kritisch: Ich hatte zwar immer zwei super-liebe, erfahrene Rohköstler im Hintergrund, die ich alles fragen konnte (danke Günter, danke Marlies!), aber trotzdem fingen die Leute so langsam an zu tuscheln. Meine Kollegen sahen mich auf dem Flur mit besorgten Augen an, fragten mich, ob ich krank wäre – andere sprachen meinen Lebensgefährten an, er solle mir mal endlich „etwas anständiges“ zu essen geben; und, das war der Gipfel, meine achtzigjährige Oma fragte mich doch allen ernstes: “Kind, bist du jetzt in einer Sekte?“ Ich weiß, sie meinten es alle nur gut, sie machten sich Sorgen um mich – aber ich musste sie ignorieren, wollte ich nicht wieder krank werden.

Der Durchbruch mit Löwenzahn und Co – dank Franz Konz

Wie schreibt unser Franz Konz so an die hundert Mal in seinem Buch? „Wer heilt, hat recht!“ – UND FRANZ HAT HIERMIT JA SO RECHT!!! (Siehe unten) Im März habe ich es dann durch den energischen Rat von meiner Freundin Marlies endlich geschafft, mit dem Abnehmen aufzuhören: „Warum werde ich immer dünner?“ fragte ich sie. Sie sah mir streng in die Augen und fragte drohend: „Isst du auch immer deine Kräuter?? Löwenzahn, Wegerich, Brennnesseln! Es gibt soo viele! Ich sage es Dir immer wieder: Wildkräuter essen!“ „Erwischt!“ dachte ich. Um das ganze Grünzeugs hatte ich mich nämlich immer drumherumgemogelt. Ich hatte viel zu wenig grüne Kräuter gegessen. Sie schmeckten mir nicht so richtig. Selbst rohen Spinat hatte ich bisher kaum auf meiner Einkaufsliste gehabt. Ich gebe zu, meine liebe Freundin und Ratgeberin Marlies hat es mir hundert Mal gepredigt: “Du musst mehr frische Kräuter essen!“ Aber ich hatte es trotzdem immer nur sporadisch gemacht. Denn Löwenzahn schmeckt in der Winterzeit noch viel bitterer als im übrigen Jahr – vor allem für eine Anfängerin wie mich! Igitt! (Heute, neun Monate später, sehne ich mich geradezu nach Löwenzahn und Wegerich, nach Schaumkraut und Brennnesseln.) Also gut. Wenn die das da alle schreiben, dann muss es ja wohl stimmen. Und der Franz Konz sagt es ja auch; im Gesundheits-Konz quellen die Kräuter ja fast aus den Seiten heraus (aha, deshalb ist das Buch so dick!). Plötzlich war das Wunder da: Ich nahm nicht mehr weiter ab! Mein Gewicht hielt sich! Ich nahm sogar wieder zu!! Ich konnte es gar nicht fassen.

Ein Wunder geschieht an mir

„Iß zu jedem Obst auch die Blätter“, schreibt Franz. Dann kam das Frühjahr: Ich begann mit den Blättern der Rotbuche und der Kirsche. Sie schmeckten mir am besten. Sie waren auch für eine Anfängerin wie mich schön mild und weich im Mund. Nicht so hart und bitter wie die Kräuter (und Gräser!), die sich mit dem Winterwetter abgekämpft hatten. Und erst die Löwenzahnblüten! Ich habe lange gebraucht, bis ich mich getraut habe, eine von ihnen in den Mund zu nehmen (Als ich drei Jahre alt war, hatte meine Mami mir gesagt: “Die sind giftig!“ – So etwas sitzt tief!) Aber dann: Aaaah! Ist das herrlich! Das ist ja das reinste Paradies! Die sehen nicht nur aus wie die Sonne, die haben den warmen, puren Sonnenschein sogar gespeichert! - Und, nach fünf oder sechs Blüten, bist du pappsatt! Als hättest du ein Butterbrot gegessen! Einfach unglaublich! Warum habe ich das nicht früher gewusst? Und dann erst die Blüten von den Forsythien! Und später im Jahr die Kirschblüten, die Ackerwindenblüten, die Kapuzinerkresseblüten, die Ringelblumenblüten!

Unbezahlbares Wissen durch Lesen: Lass das verseuchte Fleisch aus deinem Körper

Ich kann euch nur eines sagen: Lest, lest, lest! Zu wissen ist eben nicht die (schnöde) Macht; zu Wissen, wie Rohkost/Urkost funktioniert, das ist DAS LEBEN! Das ist unbezahlbar!

Später habe ich dann noch das Buch von Galina Schatalova (das ist eine russische Ärztin) gefunden - und das Rohkostbuch von Gregor Wilz (ein deutscher Ökotrophologe), der u.a. die Rohkost aus der Sicht jeder einzelnen Weltreligion beschrieben hat. Sie alle warnen vor dem Fleischverzehr – alle! Also, wenn nicht nur Deutsche, Schweizer, Europäer und Amerikaner, sondern sogar Russen und Inder und Asiaten ...? - wenn die alle davon wissen, dann kann es ja gar nicht der falsche Weg sein, auf dem wir sind?!! Von dem Tag an war ich mir sicher – war ich gegen jeden noch so gut gemeinten Rat von Normal-Köstlern gewappnet. Mich würde niemals wieder jemand von denen verunsichern können.

Wildpflanzenwanderungen gaben mir Sicherheit

In den kommenden Wochen lernte ich viel über Kräuter hinzu. Wie ich sie erkenne, und wie sie schmecken. Auch habe ich in Düsseldorf in einem Park in der Nähe der Universität meine erste Kräuterwanderung mitgemacht. Andreas führte sie. Die Idee hierzu war in Brigittes Forum entstanden: Wir waren zu mehreren Anfängern, die die Kräuter nur aus Franz‘ Buch kannten. Nur theoretisch. Aber wir trauten uns nicht, sie aufzuessen. „Gut,“ schrieb Andreas, „dann treffen wir uns eben am Wochenende und ich zeige sie euch auf „meiner“ Wiese, wo ich sie auch immer sammele.“ Ich habe von ihm gelernt, wie z.B. Schafgarbe in „echt“ aussieht und schmeckt; aber wir haben auch alle voneinander gelernt. Diese Kräuterwanderung war für mich ein großer Schritt auf meinem Weg zur wahren, allumfassenden Ernährung!

Seit dem ersten Tag der Rohkost hat sich viel bei mir verändert:

  • Ich habe keine Kopfschmerzen mehr, keine Migräne mehr(und ich hatte sie zwei- bis dreimal die Woche).

  • Mein Dauerschnupfen ist nicht mehr da.

  • Meine „unheilbaren“ Verschleißerscheinungen im Ellenbogen sind weg (ich kann wieder eine volle große Gießkanne in den Garten tragen).

  • Meine Sehnenscheidenentzündungen in Händen und Unterarmen sind Geschichte (ich kann wieder stricken!!).

  • Mir wachsen jede Menge neue Haare (das erkenne ich sehr wohl, denn alle anderen reichen mir bis zum Po; die neuen „zuppeln“ aber ganz oben aus dem Zopf ‘raus).

  • Ich wiege vierzehn Kilo weniger als vorher, aber ich werde – dank der Wildkräuter - auch wieder ohne Probleme zunehmen.

  • Ich habe viel weniger (Männer mal kurz weghören!) Schmerzen bei der Periode.

  • Ich rege mich nicht mehr so schnell bei meinen Kollegen auf, habe mehr Geduld.

  • Ich bin besser konzentriert und fühle mich klarer im Kopf.

  • Meine Reaktion ist unglaublich viel besser geworden (mir fällt nichts mehr auf den Boden, ich fange alles, während es fällt, wieder auf).

  • Ich fühle eine innere Ruhe in mir. Sie ist immer da. (Fortsetzung folgt)


    Letzte Änderung: 10.2.2005 15:13:40 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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