Ambulante Geburt Und Stillen


Christine Nonn

Klinikgeburt und vierjähriges Stillen ... und ein Ende ist nicht absehbar

Ein unter die Haut gehender Erfahrungsbericht zur „ambulanten Geburt“ und zum natürlichern Stillen

Ich möchte gerne meine Erfahrungen bei der Geburt meiner Tochter und meine Stillerfahrungen weitergeben, um anderen Frauen Mut zu machen und zu zeigen, dass auch eine sogenannte „ambulante Geburt“ keine wirklich gute Alternative zu einer Hausgeburt ist dass das naturgemäße Stillen einfach und natürlich ist.

Warum das Stillen (auch) toll ist, zeigen diese Erlebnisse:

  • Nachts sagt Paula nur vier Wörter: „Mama, Milch!“ und nach einer Weile „Andere Seite!“. Ich brauche mich nur leicht zu drehen und schon geht es los.

  • Als wie beim Abendessen zusammen sitzen, möchte Paula Milch trinken. Ich möchte aber in Ruhe meinen Salat aufessen und sage aus Scherz:“ Heute ist Dein Vater dran.“ Paula sieht mich entsetzt an. Sie sagt: “Männer trinken nur Bier und Kaffee und Tee. Meine Mama trinkt nur Wasser. Daraus wird Milch!“

    Solche Geschichten kann man nur erleben, wenn man lange stillt. Ich hätte nie gedacht, dass ich meinem Kind noch Milch geben kann, wenn es vier Jahre alt ist. Paula will immer noch und sie ist sehr stolz darauf, dass sie so lange trinken darf, bis sie irgendwann nicht mehr möchte. Gestern Abend hat sie mir im Bett gesagt, dass sie aufhört, wenn noch ein Baby kommt. Nachmittags hatte sie gesagt, wenn sie acht ist, will sie nicht mehr, weil sie dann sicher keine Milchzähne mehr hat.

    Während der ganzen Schwangerschaft hatte ich Bedenken, dass das Stillen nicht klappt. Ich hatte immer Probleme, weil ich nur eine kleine Oberweite habe. Das es dann klappte und nun nach 4 Jahre immer noch klappt ist für mich wundervoll. Es hat mich auch mit meinem Körper versöhnt. Ich sehe, dass meine Brüste zwar klein sind- aber voll funktionsfähig. Das macht mich sehr stolz.

    Paula kam dann an einem Dienstag im Mai im Krankenhaus zur Welt. Ich hatte mich für eine ambulante Geburt entschieden. Mit großem Bedauern, denn ich hatte keine Unterstützung für eine Hausgeburt. Die Frauenärztin versagte mir ihre Unterstützung. Mein Freund hatte auch Angst. Und ich war sehr unsicher.

    Beim nächsten Baby sieht das anders aus. Paula sagte schon, wenn das Baby kommen möchte, solle ich einfach in den Garten gehen. Sie möchte das Baby auch sofort sehen.

    Am Tag der Geburt war ich noch in Vorlesungen gewesen und hatte den ganzen Tag Krämpfe. Als ich nachmittags mit einer Freundin nach Hause fuhr, sah ich im Auto auf die Uhr und stellte fest, dass die Krämpfe innerhalb von 3 Minuten kamen. An Wehen dachte ich nicht. Bis zum Termin waren es noch zwei Wochen und am nächsten Tag hatte ich einen Vortrag. Das kommt davon, wenn man auf Prognosen hört und nicht auf seinen eigenen Körper. Zu Hause telefonierte ich mit der Hebamme und sie riet mir zu einem Bad. Doch das half auch nicht viel und mein Vater brachte mich zum Krankenhaus.

    In der Notaufnahme wurde ich erst mal gefragt, was ich will. Ich hätte am liebsten meinem Bademantel aufgemacht und meinen Bauch gezeigt. Was für eine Frage? Dann sollte ich mich im Kreißsaal anmelden und ohne Unterschrift würde gar nichts passieren. Also unterschrieb ich, ohne mir die Papiere durchgelesen zu haben. Ich rannte Runden um das Bett und die Hebamme war sauer auf mich, weil ich durch nichts zur Ruhe zu bringen war. Sie konnte mich auch nicht an irgendwelche Geräte anschließen, weil ich zu sehr zappelte und nicht liegen bleiben wollte. Also wurde ich aufs Bett gepackt und zum Glück war meine Mama gekommen und sie hielt mich. Außerdem war die Hebamme weg und eine neue kam.

    Die Ärztin sagte, ich würde zu kurz atmen und da ich mich nicht beruhigen konnte, gab sie mir einen Wehenhemmer. Ich wollte nicht, doch ich hatte dann keine Kraft mehr. Ich bekam dann Schüttelfrost und die Wehen ließen nach. Die Hebamme war sehr natürlich. Sie setze mir Akupunkturnadeln und war sehr liebevoll. Die Ärztin behandelte mich eher wie ein Stück Fleisch. Sie sprach auch so komisch. Sie sagte z.B. zu der Hebamme, dass das Kind vor Mitternacht da wäre. Ich sagte dann gleich, dass ich ambulant entbinden möchte. Ich wollte auf keinen Fall länger als notwendig im Krankenhaus bleiben.

    Ich hätte mir gewünscht, dass jemand liebevoll mit mir spricht und sagt: „Du brauchst keine Angst zu haben. Es geht jetzt los. Dein Baby kommt und wir helfen Dir.“ Dann ging es wieder los und irgendwann war Paula da. Als ich Paula zu ersten Mal sah, war es, als würde die Welt stehen bleiben. Meine Mama kümmerte sich um Paula und irgendwann lag sie neben mir und ich fragte die Hebamme, ob es nun losgehen würde mit dem Stillen und ob da überhaupt was kommen würde. Sie drückte als Antwort auf meine linke Brust und es kamen goldgelbe Tropfen raus. Dann trank Paula und alle waren begeistert von den tiefen, vollen Zügen, die sie machte. Sie hatte viel Kraft. Nach dem Trinken schlief sie ein.

    Ich hatte noch eine Diskussion mit der Ärztin, die schon Prophylaxemaßnahmen routinemäßig in den Pass eingetragen hatte und entsetzt war, als ich sie ablehnte. Sie ließ mich in Ruhe und kam dann noch mal, um mich zu fragen und mir den moralischen Finger zu zeigen. Ich erklärte ihr mit Argumenten, warum ich das nicht will. Als sie draußen war, sagte die Hebamme, dass sie stolz auf mich wäre. Endlich mal jemand, der denen zeigt, dass es anders geht. Ich trage schließlich die Verantwortung und ich bin erwachsen und kann eigene Entscheidungen treffen. Die Ärztin fragte mich, zu welcher Kinderärztin ich gehe, und ich denke mal, die hat sie dann informiert und die versuchte auch noch mal, mich von Mineralstoffzugaben und Impfungen und Co zu überzeugen. Die Hebammen haben es nicht leicht mit den Ärzten. Sie vertreten die natürliche, individuelle Geburt und die Ärzte sind sehr auf Geburten nach bestimmten Abläufen und Schemen und Routine fixiert.

    Den Groessen- Gesundheits- Konz habe ich leider erst gelesen, als Paula schon da war. Deswegen habe ich nicht darauf geachtet, ob die Nabelschnur leer läuft und hatte Paula auch nicht sofort bei mir. Sie wurde in ein Handtuch gewickelt. Aber ich weise jede befreundete Schwangere darauf hin, dass sie ihrem Kind diesen Zaubertrank in der Nabelschnur geben soll.

    Wir gingen um vier Uhr nach Hause. Im Krankenhaus gab es nichts zum essen. Nur einen Apfel konnte ich essen. Ich hatte leider nichts mit und aß erst einmal, als wir zu Hause waren. Die ersten zwei Wochen waren hart. Meine Brüste taten weh. Die Züge von Paula waren wie Nadelstiche. Ich hatte die Brüste nicht abgehärtet. Die Hebamme hatte Massagen mit einer Zahnbürste empfohlen, doch ich dachte ja, ich hätte noch zwei Wochen Zeit. Dann spielte sich alles ein und Stillen wurde für mich die bequemste und praktischste Art, mein Kind zu versorgen und in den Schlaf zu wiegen. Außerdem kommt es immer zum Einsatz, wenn Paula sich verletzt oder stößt oder traurig ist oder wenn sie mal einen Infekt hat. Das kam an einem Tag vor. Sie sagte, sie will ins Bett und wollte den ganzen Tag nur Milch trinken und hat so mit Hilfe von Fieber sich gesund geschlafen.

    Paula bekam erst einen Jogger als sie 1 1/2 Jahre als war. Davor war sie mein Tragling. Selbst mit Jogger wurde sie fast nur getragen. Wir kauften ihn im November, weil ich dachte, dass sie dann darin Mittagschlaf halten könne. Das hat sie aber nur einmal gemacht, als sie total übermüdet abends mit ihrem Vater unterwegs war. Ich wollte immer, dass Paula getragen wird. Da gab es auch viele Diskussionen, doch das ist eine andere Geschichte.

    Wenn jemand eine Frage hat, kann er mir gerne schreiben. Viele Grüße aus Hamburg! Christine Nonn (Adresse und Telefonnummer über Brigitte zu erfragen)


    Letzte Änderung: 30.5.2006 15:47:21 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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