Guy Claude Burger Zum Krebstod Seiner Frau


Seit acht Jahren könnten die "Instinktos" nun wissen, dass Fleischessen Krebs verursacht, dennoch können sie von ihrer Sucht nicht lassen:

3. April 1994

Liebe Freunde,

Erfüllt von tiefster Trauer habe ich leider die schwere Bürde, Ihnen das Verscheiden meiner tapferen und treuen Gattin, Nicole Burger mitzuteilen. Sie verstarb am 26. März dieses Jahres in ihrem Wohnsitz in Toulouse.

Nicole lag sehr viel daran, dass bezüglich der schweren Prüfung, die sie während des letzten Jahres durchmachen musste, vollkommene Diskretion gewahrt werde, um Ihr so das zusätzliche Gewicht unnötiger Gerüchte zu ersparen, bis dass sich ein absehbares Ende abzeichnen würde. Nach ihrem Willen fällt es nun an mich, all die zu informieren, die die Umstände und die Ursachen dieses so unglückseligen Endes betreffen könnten.

Schon 1972 litt Nicole an bedeutenden Blutungen verbunden mit einer Geschwulst, die sie spontan abstoßen konnte. Zur selben Zeit traten bedeutende Störungen des Blutbildes auf, sichtbar vor allem an der bedeutenden Veränderung des Anteils der roten Blutkörperchen. Die Situation stabilisierte sich später offensichtlich wieder, alles schien vergessen. Im Sommer 1991 musste sie dennoch wieder periodische Blutungen feststellen, die sie zuerst den Menstruationen zuschrieb, die aufgrund ihrer Überarbeitung problematischer würden. In der Tat war dies gerade das Ende einer langen Periode intensiver Überarbeitung, aufgrund des Einschreitens der Justiz und der Steuerbehörde 1988, die sie in die Rolle versetzten, mich in meinen Aktivitäten ersetzen zu müssen, ohne ihre eigenen Aufgaben abgeben zu können. Ständige Müdigkeit, Mangel an Schlaf, verbunden mit einer Entmutigung, die sie sich von keinem anmerken lassen wollte, spielten ohne Zweifel eine bedeutende Rolle in Bezug auf ihren Allgemeinzustand. Nach Ansicht der Spezialisten scheinen die Störungen, die schließlich später ihre Kräfte überstiegen, in der Tat aus dieser Epoche zu stammen.

Die Situation verschlimmerte sich, und schließlich konsultierte sie Ende 1992 einen Gynäkologen, der ihr die Präsenz krebsartiger Zellen bestätigte und ihr dringend zu einer Operation riet. Trotz meines Anratens verweigerte sie jeden Eingriff und zog verschiedene andere Methoden vor, wie etwa den Ansatz Dr. Hamers, positives Denken, die Entwicklung der Persönlichkeit nach Jacques Salome und das Gebet. Die Krankheit nahm aber nicht ab, und so begab sie sich aufgrund der Ratschläge ihrer engeren Umgebung in Toulouse, Januar-Februar 1993 in eine Bestrahlungsbehandlung, die ihre Situation nur noch verschlimmerte: Das Prinzip der Behandlung bestand nicht in der Bestrahlung des Tumors selbst, sondern aller benachbarten Zonen, um so den Blutkreislauf abzuschneiden und die anormalen Zellen durch Aushungern absterben zu lassen. Die durch die Strahlen abgetöteten Zellen regenerierten sich aber anscheinend unmittelbar danach wieder, denn der Tumor wuchs durch die Behandlung nur noch schneller und gewann immer mehr an Nachbargewebe. Die infolge dieser Behandlung zunehmende Müdigkeit, die Immundepression aufgrund der Bestrahlung und der unausweichliche Angriff auf das Verdauungssystem konnten effektiv nur noch die Lage verschlimmern.

Auf dem einmal eingeschlagenen Weg einer medizinischen Behandlung blieb also nur noch eine Hoffnung: Eine intensive Chemotherapie, die die Krebszellen zerstören sollte, aber sicher nur die weißen Blutkörperchen abtötete. Zu Tode erschöpft durch drei aufeinander folgende Chemokuren Januar und Februar dieses Jahres, musste Nicole zudem ein von ihren Ärzten vorgeschriebenes Aufbaupräparat einnehmen: Sie nahm also 12 Packungen "Renutril" mit je 500ml ein, das Lactoproteine, Kondensmilch, Sodiumkaseinate usw. enthält ... Unmittelbar darauf stellte sich eine Lungenentzündung ein und brachte sie in einen besonders unerträglichen Zustand von Atemnot und der daraus folgenden Angstzustände. Als Notfall in eine Klinik überwiesen kam sie unter Perfusion von Glucose und Antibiotika, und nahm weiterhin "Renutril" ein (aus, wie sie selbst mir später sagte, eigener Faszination, und Gehorsam gegenüber ihrem Arzt).

Auf das Äußerste alarmiert fuhr ich an ihr Krankenbett, um Tag und Nacht über sie zu wachen. Angesichts der weiter andauernden Erstickungsgefahr brachte ich Sie dazu, Instincto nach allen Regeln wieder aufzunehmen. Nach drei Tagen konnte sie wieder sprechen und ohne zu große Schmerzen atmen. Dies sollte für mich und für sie, zerrissen zwischen Hoffnung und dem Wissen um ihren Zustand, die Gelegenheit sein, eine Tiefenarbeit über die psychischen, biologischen und physiologischen Ursachen anzugehen, die sie in diese grausame Sackgasse gebracht hatten. Wir hatten so gemeinsam Zeit, die Traumatismen ihrer Kindheit, die bewegten Zeiten unserer gemeinsamen Arbeit, die bei der Praxis der Instinctotherapie begangenen Fehler und beim Entziffern der Meta-Psychoanalyse entstandenen Schwierigkeiten Revue passieren zu lassen. Erfüllt vom Gefühl eines großen Vorankommens in unser beider Schicksal und dem Eindruck, dass es ihr physisch sehr viel besser ging, verließ ich sie am Abend des Karfreitag.

Eine Befürchtung aber blieb mir: Ich hatte Angst, dass sich der Zustand ihrer Lunge verschlimmern und sie so in die Gefahr eines allmählichen Erstickens bringen könnte. Während der Nacht aber ereignete sich ein wahres Wunder, eine Art Paralyse, die sich schon im Bereich der Beweglichkeit ihrer Beine abgezeichnet hatte, schritt immer schneller voran, indem sie die verschiedenen Körperteile lähmte. Am Morgen schon konnte sie nicht mehr sprechen, ihr Blick wurde immer abwesender. Nur feine Tränen liefen ihr über die Wangen, als wir ihr von der Geburt ihrer letzten Enkelin berichteten, von den Spielereien ihres Enkels, oder auch von dem ganzen Werk, das wir gemeinsam aufgebaut hatten, und zeigten uns so, dass Sie uns immer noch hörte. Um 10 Uhr 30 öffneten sich ihre Augen, und in einem letzten Zustand der Grazie lächelte sie die, die dort umstanden, an. Dann entschlief sie ruhig, in vollkommenem Frieden und ohne jedes Leiden.

Nicole wurde am Montag, dem 29. März, an einem wundervollen Sonnentag, im Kreise der Familie und der ihr Nächsten beigesetzt, wie sie es auch gewünscht hatte. Die äußerst bewegende Zeremonie in der Basilika zu Pibrac, die intensive Verständigung zwischen den Teilnehmern und ohne Zweifel Nicole selbst, die Beisetzung unter einem wahren Blumenregen ließen allen eine Erinnerung voller Licht und Hoffnung, als wenn jedes Leiden von einer Kraft, die bei weitem die simple irdische Existenz überschritt, weggewischt gewesen wäre. Wenn ich den Eindruck beschreiben müsste, der mir, nachdem die Tränen getrocknet waren, von diesem Tage blieb, würde ich sagen, dass ich nicht mehr wusste, wo die Grenzen zwischen Tod und Liebe lagen.

Was Nicole am meisten von allen wünschte, war, dass diese harte Prüfung anderen von Nutzen sei und es ihnen ermöglichen sollte, die Fehler zu vermeiden, die ohne Zweifel die Ursache ihres Leidens gewesen waren. Zuerst war da der Faktor der Überarbeitung: Ein Zeitplan von über 15 Stunden Arbeit pro Tag, zudem noch Mangel an Schlaf, keine freien Tage mehr, nur seltener und dann meist verkürzter Urlaub; wenn der Körper über keine Möglichkeit mehr verfügt, sich zu erholen, stauen sich die Anforderungen an und überwinden schließlich die beste Widerstandskraft. Mit bewundernswerter Aufopferung nahm sie die Arbeit auf Montramé in die Hand, die mir damals nach der Sendung "Ciel mon Mardi" mit Christophe Dechavanne, an der wir beide April 1989 teilgenommen hatten, entrissen worden war. Während mehrerer Jahre kümmerte sich Nicole um die Kurse, Seminare, Beratungen, selbst im Ausland, da mir mein Pass abgenommen worden war, ganz zu schweigen von Organisations- und Koordinierungsarbeit, die ein Zentrum wie Montramé mit sich bringt. Der akutere Gesundheitszustand derer, die ihre Unterstützung benötigten, und - nicht zu übersehen - ihre ständige Befürchtung, die ganze Arbeit aus finanziellen Gründen oder roten Zahlen beendet, ja kompromittiert zu sehen, ließ sie die Sorge um sich selbst vergessen. So gab sie sich den anderen hin, wie sie es immer getan hatte. Im Fieber dieser Aktivitäten, im Strom der Zeit, die ja noch schneller vergeht, wenn sie von Arbeit ausgefüllt ist, traf sie nicht die Maßnahmen, zu denen sie die Ankündigungen der Krankheit, von denen sie mir lange Zeit kein Wort gesagt hatte, veranlassen hätten sollen. Man muss aber auch hinzufügen, dass die Anzahl der Probleme, die wir überwinden mussten, um unseren Ansatz weiter voran zu bringen, so groß war, dass wir manchmal nicht mehr mitbekamen, wie Monate, ja selbst Jahre ins Land gingen.

Ein weiterer, genau so wichtiger Faktor war ohne Zweifel auch der psychische Bereich. Wie wir zusammen in dieser letzten Woche vertiefen konnten, war Nicole durch eine wahre Serie an Elementen aus ihrer Kindheit sehr viel mehr getroffen, als sie sich anmerken ließ. Ihre Geburt selbst stand unter dem Zeichen des Traumas, als ihre Zwillingsschwester, die sie während ihres Lebens im Mutterbauch begleitet hatte, bei der Geburt verstarb. Sieben Jahre später ward ihr eine kleine Schwester geboren, die die ganze Aufmerksamkeit der Eltern auf sich lenkte. An dem Tag dieser neuen Geburt beschloss die kleine Nicole nie mehr wieder zu lächeln, und in der Tat bemerkt man auf allen Familienphotos dieser Zeit ihr verschlossenes Gesicht. Dann beschlossen ihre Eltern, die nur schwer mit der Feindschaft der beiden Schwestern zurecht kamen, und die sich mit dem damaligen Krieg konfrontiert sahen, sie, die ältere, bei der Großmutter in der Schweiz abzugeben. Trotz all der Hingabe und Freundlichkeit der alten Dame schnitt diese Trennung eine noch tiefere Wunde in die ödipale Verletzung, die schon bei der Geburt der Schwester aufgebrochen war. Die ersten Liebesimpulse Nicoles, mit gerade acht Jahren für eine kleinere Cousine wurden im Namen der moralischen Schranken jener Epoche brutal zerstört. Nicole behielt von alldem eine unbewusste Furcht vor der anderen Frau, vor dem anderen ganz allgemein, der für sie später, auch wenn sie es bewusst nicht so wollte, immer den Feind des Familiennestes darstellen sollte.

Nach dem Krieg folgte die Rückkehr nach Angers, zu ihren Eltern, von denen sie alles erwartete. Was für eine schwere Enttäuschung, als sie sofort danach ins Internat gesteckt wird. Sie sollte von diesem Teil ihres Lebens als Schema die Zerrissenheit behalten, als sie ihre Mutter und ihr Vater in dieser Einrichtung abgeben. Dann mit dreizehn Jahren, wieder in der Familie, anscheinend endlich am Glück angelangt, von dem sie immer geträumt hatte, wird sie Zeugin des brutalen Todes ihres Vaters, Opfer einer massiven Spritzung mit Streptomycin, das man damals gab, um gegen den Koch-Bazillus vorzugehen. Dies sollte ohne Zweifel der größte Schock ihrer Existenz werden, ein Schock von dem sie sich niemals wieder erholen sollte, und der später in all ihrem Suchen eine determinierende Rolle spielen sollte. Eine Flucht in die Sublimierung durch die Religion bestimmt ihren damaligen Wunsch, in einem Kloster zu leben, bei den Schwestern zu Grandchamp. Sie widmete sich auch der Kunst der Violine, die ihr Vater als exzellenter Amateur gespielt hatte. Und dann verliebte sie sich in ihren zukünftigen Ehemann, und erzielte die besten Noten in Mathematik und Physik zu ihrem Abitur. Die finanzielle Situation der Familie zwang sie aber dazu, auf ihre Studien zu verzichten und sich mit einem Erzieherinnen-Diplom zufrieden zu geben.

Hierauf folgte die Heirat und mit ihr die Hoffnung, endlich das große Wunschmodell der glücklichen und mehrköpfigen Familie realisieren zu können. Ein neuer Schock mit meinem Krebs, schon nach eineinhalb Jahren gemeinsamen Zusammenlebens. Das ganze Sicherheit versprechende Bild einer ihren Wünschen entsprechenden Zukunft bricht von einem Tag auf den anderen zusammen. Die Dinge konnten sich aus diesem Blickwinkel gesehen, mit der Entdeckung der Instinctotherapie nur noch verschlimmern: Bruch und Spannungen mit der Familie, das Aufgeben jeder kochenden Aktivität, die zuvor ihr Selbstwertgefühl aufgewertet hatte, der Verlust jeglicher finanziellen Sicherheit. Dann kamen noch Schritt für Schritt die Entdeckungen hinzu, die den Weg für die Meta-Psychoanalyse bereiteten.

Ich kann an dieser Stelle nur meiner Anerkennung und Bewunderung für eine Gattin Ausdruck verleihen, die immer den Mut und die Aufrichtigkeit besaß, meinen vielfältigen Fragestellungen die Stirn zu bieten, und die, manchmal nicht ohne Schwierigkeiten, die Wege mitschritt die einem Wertesystem widersprachen, an das sie selbst sicherlich mehr glaubte als ich. Die Prinzipien selbst der Meta-Psychoanalyse, die die natürlichen Gesetze des Liebesinstinkts beim menschlichen Wesen wieder entdecken sollte, führen in der Tat dazu, die Mehrzahl der Schemata, auf die sich unsere Kultur stützt, in Frage zu stellen. Es ist nicht einfach, sich von einmal erworbenen Werten, sowie von den Hoffnungen auf Glück, die wir darauf unter der Wirkung kindheitlicher Fixierungen darauf projizieren, zu befreien. Obwohl sie mir immer mit all ihren bewussten Kräften nachfolgte, fand sich Nicole ständig einem gewissen inneren Widerspruch ausgesetzt, den sie selbst manchmal nur zu gut zu analysieren verstand: Bewusst erkannte sie die natürlichen Werte an, um so leichter, da wir sie ja zusammen entdecken durften, aber ihr Unbewusstes blieb bei seinen Positionen, viel mehr als das meine an die sozialen und familiären Werte gebunden. So konnten wir selbst manchmal gewisse Abweichungen nicht mehr vermeiden, die sich trotz all unserer Bemühungen in den Verlauf eines so langen Paarlebens einschrieben (wir hätten dieses Jahr unser fünfunddreißigstes Ehejubiläum feiern können!).

Zu all dem kann auch die Entdeckung des Übersinnlichen: Nicole erlebte selbst eine Reihe Phänomene, bis hin zur Astralreise, die ihre Sicht der Welt tiefgreifend verändern sollten. Dazu kam meine Erfahrung mit dem Gefängnis, unsere Abfahrt nach Mexiko, der Verkauf unserer Farm der Trois Noyers, auf der wir ursprünglich unser ganzes gemeinsames Leben verbringen wollten, die Übersiedlung nach Frankreich und die enorme Arbeit, die der Aufbau des Zentrums von Montramé darstellen sollte: Nun endlich ein sicherer Ort, an dem unsere Jüngsten aufwachsen sollten. Doch bald brach die große Medien- , Steuer- und Gerichtswelle über uns herein, und drohte all dies noch einmal zugrunde zu richten.

Ich höre Nicole noch als wäre es heute, damals vor vier oder fünf Jahren: "Das ist nicht gerecht, wir haben unser ganzes Leben damit verbracht, uns für die anderen aufzuopfern, wir selbst haben nie etwas besessen, und dann muss uns die Gesellschaft all das zerstören, was wir geschaffen haben ..."

Meine gerichtlich erzwungene Abwesenheit von Montramé, verlogene Gerüchte und Spannungen jeder Art, die unausweichlich auftraten, gaben ihr nach und nach immer mehr den Eindruck, dies wäre nicht ihr Platz. Die Hoffnung, das wieder zu erschaffen, was wir gerade vor Montramé zu Berbeaux gelebt hatten, zudem ihr Wunsch, ihren Kindern und Kindeskindern wieder näher zu kommen, mit denen sie dann noch Momente des Glücks erleben durfte, brachten sie dazu, nach Toulouse zu ziehen, auch dies aber wieder verbunden mit dem Gefühl eines Bruches und der Einsamkeit.

Zahlreiche psychische Schocks, die diesen langen Lebensweg bestimmten, können vielleicht bereits ausreichen, um das Auftreten einer schweren Krankheit schon aus psychosomatischen Gründen zu erklären. Dennoch darf eine Frage, die die Wohlbegründetheit selbst unseres Ansatzes in Zweifel zieht, nicht mit Stillschweigen übergangen werden: Beweist der Tod von Nicole, dass die Instinctotherapie vor Krebs nicht schützen kann? Müssten wir daraus schließen, wie es einige anscheinend nicht schnell genug tun können, dass die natürliche Ernährung uns, wenigstens in bestimmten Fällen, nicht vor den Zivilisationskrankheiten schützt?

Besonders hier bestand Nicoles darauf, dass alles klargestellt und all denjenigen kommuniziert werde, die es angeht. Gleichwohl mich das in eine delikate Lage bringt, glaube ich, dass es meine Pflicht ist, die gesamte Situation so objektiv wie möglich zu untersuchen. Ich glaube dies ist umso wichtiger, da Nicole sich in gewisser Hinsicht geopfert hat, um Licht auf eine bestimmte Frage zu werfen, die bislang noch ohne endgültig überzeugende Antwort geblieben war: Kann der Verzehr von Fleisch, innerhalb der natürlichen Bedingungen die wird definiert hatten, für die Gesundheit gefährlich werden?

Am Anfang zeigten uns die Beobachtungen die wir machen konnten, dass die tierischen Proteine, darunter also auch das Fleisch für ein gutes Ernährungsgleichgewicht notwendig werden. Die Versuchungen, die auf die Dauer bei all jenen auftraten, die probiert hatten, die instinktive Ernährung auf vegetarische oder vegane Art zu praktizieren und deren Verschwinden nach Wiederaufnahme der tierischen Produkte hat uns von dem bestehenden Risiko eines Mangels bei längerer "Enthaltsamkeit" von Fleisch überzeugt.

Der Instinkt selbst schien beim tierischen Fleisch auf korrekte Weise zu funktionieren: Selbst Babys verlangten spontan danach, hörten bei der Mahlzeit auch ganz präzise mit dem Verzehr auf, und waren bei allerbester Gesundheit; ihr Stuhlgang besaß zudem sogar keinerlei störenden Geruch. Eine andere Beobachtung erstaunte uns damals ebenso: Erst nach Aufnahme von Fisch, Eiern und Fleisch in die instinktive Palette konnten wir die ersten großen Heilungen bei Leukämie, Epilepsie, bei Polyarthritis und besonders bei Krebs feststellen.

Deshalb wandten wir uns, als das Wildfleisch nicht mehr ausreichte, um alle damaligen Instinctos zu ernähren, 1969 der Aufzucht von Schafen, Schweinen, Rindern und selbst Pferden zu. Alles lief während dieser Jahre augenscheinlich sehr gut: Die ehemaligen Frustrationen verschwanden, gute gesundheitliche Resultate traten ein, oftmals sogar spektakuläre Heilungen ... Die kleinen Störungen, die wir manchmal bemerkten, ließen sich leicht mit Detoxinationen, die eine Zufuhr von natürlichen Proteinen auslösen konnte, oder durch die Tatsache erklären, dass unsere Tiere damals angesichts des Schweizer Klimas eine bedeutende Menge an Heu fraßen: Die Trocknung des Grases an der Sonne konnte unter der Wirkung der ultra-violetten Strahlen molekularen Denaturierungen Raum geben.

Zudem kämpften wir gegen die Opposition der Vegetarier an, die um uns waren und die aufs äußerste unsere neue Position attackierten. So nahmen wir uns vor, den Versuch auf die Spitze zu treiben, um endlich klar zu sehen, sobald wir ein Fleisch zu unserer Verfügung hätten, das garantiert frei von allen anormalen Molekülen sei, also besonders von Tieren stammen sollte, die ohne Heufütterung gehalten würden. Diese Gelegenheit bot sich uns nach unserem Umzug nach Frankreich: Hier fanden wir Schafe, Pferde, Rinder, die das ganze Jahr über draußen beim frischen Gras waren, und auch Schweine, die ihr Futter in den grünen Eichen- und Kastanienwäldern fanden.

1982 noch in Berbeaux, beschloss ich als erster, Fleisch, vor allem Rindfleisch, bis zu Sättigung zu verzehren, in dem Rahmen, dass weder Ekel noch unangenehmer Geschmack mich davon abhielten. So verzehrte ich bald täglich Fleisch. Nicole folgte mir nach, besonders dann auf Montramé, als sie sich um das Entbeinen und tägliche Zuschneiden des Fleisches kümmerte, um so unseren Kurgästen eine komplette Proteinauswahl anbieten zu können. Es fiel ihr natürlich schwer, während dieser Zuschneidearbeit nicht auch davon zu naschen, um den Verlust der abgeschnittenen Stücke zu vermeiden.

Ich war dennoch der erste, der Anzeichen von Störungen beobachten konnte: Ich bemerkte zwei Schönheitsflecken (die eigentlich alle nach nur wenigen Jahren Instincto verschwunden waren), an einem Finger einen höckerigen und brüchigen Nagel, an einer Zehe einen Nagel, der sich der Länge nach spaltete, eine verstärkte Härchenbildung an den Ohren, Hautrisse an Daumen und Zeigefinger, eine beginnende Hornhautbildung an der rechten Hand, und Zahnfleischbluten. Diese Zeichen ließen sich leicht über eine Überlastung an Fleischproteinen erklären, aber es fiel mir schwer, daran zu glauben, und noch viel schwerer, dem ein Ende zu bereiten: Alle anderen Proteine erschienen mir unverzehrbar, Meeresfrüchte, Ölfrüchte, Gemüse, Eier, Pollen ... allein Fleisch ging noch.

Ich musste weitergehen, um mich überzeugen zu lassen: 1986, nachdem ich über einen gewissen Zeitraum hinweg dort einen leicht schmerzhaften Druck verspürt hatte, bildete sich schließlich ein kleiner Tumor in der linken Kniebeuge. Da ich schon einmal einen Krebs durchgemacht hatte, ließ ich ihn, ohne Zeit zu verlieren, sofort operieren. Es handelte sich damals um ein "Hygrom", einen gutartigen Tumor, der sich auf einer Sehne entwickelt hatte, und der mein Leben nicht in Gefahr gebracht hätte.

Dennoch wuchs dieser Tumor nach der Operation wieder nach - während ich bei meinem täglichen Fleischverzehr blieb. Nach sechs Monaten entschied ich mich dazu, das Experiment zu stoppen, und Fleisch nur noch als einzigen Bestandteil einer Mahlzeit außerhalb jeder anderen Verbindung zu essen, vor allem seltener. Der Tumor verschwand spontan in wenigen Monaten. Ich konnte ebenso eine Verminderung der anderen Störungen feststellen, obwohl sich diese Phänomene ja eher über einen Zeitraum von Jahren, ja sogar Jahrzehnten abspielen (wenn nicht sogar unwiderruflich sind!).

Seitdem empfehle ich immer, angesichts der Wirkungen auf meinen eigenen Körper, Fleisch als einzigem Bestandteil einer Mahlzeit zu verzehren, um so eine korrekte Verdauung garantieren zu können, und zudem nicht regelmäßig, um das Entstehen einer Immuntoleranz zu vermeiden. Zudem empfahl ich damals auch dringendst, mittags niemals Ölfrüchte nach den Früchten zu verzehren (eine der schlechten Essensgewohnheiten, die wir aus der Zeit in Trois Noyers noch mit uns zogen), um so die generelle Überlastung an Proteinen zu vermeiden. Ich fasste diese vorläufigen neuen Regeln in meinem Ihnen allen Menüführer zusammen, der systematisch während meiner Kurse und Seminare und auch über die damalige Ausgabe des Instincto-Magazins verteilt wurde und wird.

Doch leider gelang es mir nicht, Nicole von diesen Vorsichtsmaßnahmen zu überzeugen. Vielleicht aufgrund einer erziehungsbedingt stärkeren Traditionsgebundenheit oder größeren Treue gegenüber den ersten Erfahrungen des Ehelebens blieb sie bei ihrer Gewohnheit, pflanzliche Proteine zu Mittag zu empfehlen. Und für sich selbst behielt sie ebenso einen nahezu täglichen Verzehr von rotem Fleisch bei. Obwohl die Theorie schon ausreichend genug entwickelt wr, um uns vor einer solchen Praxis zu warnen, fehlten mir anscheinend die ausreichend starken Argumente, um sie zu überzeugen. Ich bemerkte an mir selbst, sobald ich den Verzehr von Fleisch über mehrere aufeinanderfolgende Tage wiederholte, eine Verschlimmerung der oben genannten Störungen (darunter auch des Drucks im Bereich meines Knies), aber diese Zeichen blieben immer minimal. Es gab häufig dieses Thema betreffend Diskussionen zwischen Nicole und mir, manchmal auch recht belebte, die letzte noch Ende Januar, als ich feststellen musste, dass sie immer noch eineinhalb Kilo Fleisch pro Woche bei Orkos bestellte und verzehrte. In der Tat akzeptierte sie erst Anfang März, mit dem Fleischverzehr aufzuhören, übrigens auf das Drängen einer, über ihre Haltung erstaunten, engeren Freundin. Doch leider war schon zu spät.

Zwei Jahre Beobachtung genügen natürlich nicht, um eine Theorie aufzustellen. Ein Einzelfall kann aber dennoch zu einer Intuition führen, die sich dann unter Umständen später in mehreren Fällen bewahrheitet und schließlich zu einem allgemeinen Gesetz führen kann. Seitdem ich selbst durch den Tumor an meinem Knie dafür sensibilisiert worden war, und ganz besonders durch sein Wiedererwachen und Verschwinden in paralleler Verbindung mit dem Verzehr und Verzicht auf Fleisch, betrachtete ich bisher eher unerklärt gebliebene Ereignisse unter einem anderen Blickwinkel.

Die medizinisch bestätigte Heilung des trophoblastischen Teratoms von J.J. Besuchet ging sieben Jahre später in das Erscheinen eines epidermoidischen Sarkoms über; Besuchet speiste jeden Abend an einer Tafel, vollgeladen mit den verschiedensten Proteinen. Von denen einige von unkorrekter Herkunft waren.

Die Stabilisierung des Melanoms von Ella Schneider, eine weitere bestätigte Heilung, endete achtzehn Jahre später in der Generalisierung eines Krebses einer anderen Art, gerade als sie sich, destabilisiert durch den damals so beliebten "Fradinismus", in einen täglichen Verzehr von Rindfleisch geflüchtet hatte. M. Lefort, der von mehreren Metastasen betroffen war, sah diese zwar in wahrer Rekordzeit verschwinden, entwickelte aber zwei Jahre später einen Gehirntumor, der ihn schnell dahinraffte; ich erinnere mich, wie ich noch davor einmal bei ihm eingeladen war und seinen reichlich gedeckten Tisch bewundern durfte, an dem sich Rind, Schwein, Schaf und Pferd in großer Menge präsentierten. Letztens verstarb auch J. Nicolaus an einem Krebs, dessen Auslöser sicherlich ein psychischer Schock gewesen war, und die sich leider auch mit dem Fleisch zu trösten versuchte, das ja so viel leichter zu verzehren ist als die anderen Proteinquellen; auch sie blieb dabei, regelmäßig davon zu essen, bis zum bitteren Ende, und das trotz meiner wiederholten Mahnungen.

Ein anderes, vielleicht noch erstaunlicheres Beispiel wurde mir gerade vor wenigen Monaten zugetragen: Ein junger Schweizer Instincto auch er ein Anhänger des nahezu täglichen Fleischverzehrs, erstand vergangenen Herbst ein ganzes Schwein, das er allein in nur drei Monaten verzehrte. Im vierten Monat nachdem er während mehrerer Wochen einen schmerzhaften Druck in der Brustwarzengegend bemerkt hatte, musste er die Bildung eines Tumors auf der rechten Seite feststellen. Das ist der klarste Fall, in dem das Entstehen eines Tumors exakt mit der Periode einer Überlastung mit Fleisch zusammenfiel.

Ich bin weit davon entfernt, eine definitive Statistik aufstellen zu können, aber die Fälle sind ausreichend zahlreich, und die Verbindungen zwischen Überlastung und Zustandsverschlimmerung ausreichend präzise, um es mir zu gestatten, alle Instinctos ernsthaft zu warnen, dass eine Tendenz zu verstärktem Fleischverzehr gefährlich werden könnte. Somit entspreche ich dem Wunsch Nicoles, die wollte, dass ihre eigene so unglückliche Prüfung wenigstens den anderen von Nutzen sei.

Worum es nun geht, ist, die Mechanismen zu vertiefen, die zwei anscheinend widersprüchliche Phänomene erklären könnten: Die Heilung von Krebs bei den Patienten, die sich Instincto zuwenden und dabei bedeutende Mengen Fleisches verzehren, und das Auftreten von Krebszellen bei verlängertem und exzessivem Verzehr des gleichen Fleisches. Wichtig sind auch die praktischen Regeln, die uns helfen werden, eine Falle zu umgehen, deren Gefahren wir nun besser einschätzen können. Das Fleisch gezüchteter Tierarten (Rind, Schaf, Schwein) hat in der Tat den ursprünglichen Geschmack seiner wilden Verwandten (Bison, Gämse, Wildschwein zum Beispiel) verloren und überspielt so leicht instinktiven Sperren. Ich werde diese Themen in der nächsten Ausgabe des Instincto-Magazins genauer behandeln, um diesen Teil des Briefes angesichts der Umstände nicht noch mehr zu verlängern.

Ich würde gerne all denen von ganzem Herzen danken, die uns in diesen schweren Momenten, Nicole, meiner Familie und mir selbst zur Seite standen. Ihre Zuwendung, ihre Hilfe und ihre Präsenz waren uns eine wertvolle Hilfe. Nicole nimmt die Erinnerung eines ganzen Füllhorns tiefer Freundschaft mit sich, und sendet Ihnen allen, vom Ort des Friedens in dem sie nun verweilen darf, Zeichen des Segens und des Mutes, den wir brauchen werden, um unseren Weg weiterzugehen.

In aller Freundschaft und in tiefer Trauer, Guy-Claude Burger

P.S.: Ich biete all jenen, die es wünschen, an, sich hier im Andenken an Nicole auf Montramé zu treffen. Da ihr Geburtstag in diesem Jahr auf einen Montag fallen würde, halte ich es für günstiger, diesen Gedenktag auf ein späteres Datum zu verlegen, im Prinzip wäre dafür der 30. April vorgesehen. Das endgültige Datum und das Programm der Gedenkfeier werden wir Ihnen noch später mitteilen. Bitte melden Sie sich so früh wie möglich an, um uns die Organisation zu erleichtern.


Letzte Änderung: 18.9.2006 14:05:04 - Autor: Brigitte Rondholz - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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