Instincto Geblubber


Instincto-Geblubber

Ich war im Wald. Ich habe sie gefragt. Alle. Die Tiger, die Wildschweine, die Hirsche, die Bären, die Vielfraße, die Fledermäuse, die Adler, die Tukane, die Zikaden, die Gottesanbeterinnen und den ganzen Rest der Bande. Sie alle erwiderten meine Frage mit argwöhnischem Blick, der zu fragen schien, ob mit mir eigentlich noch alles so ist, wie es sein sollte. Dabei lautete meine Frage doch nur: "Seid ihr Instinctos? Habt ihr Bedarf? Habt ihr Sperre?"
Zum Glück gelang es mir den Tieren im Laufe der Begegnung zu vermitteln, dass bei mir doch noch nicht aller Hopfen und Malz verloren war und konnte sie somit für Gespräche gewinnen, in welchen sie mich als ernsthaften Gesprächspartner für voll nahmen.
Ich sagte: "Also, seht, ihr Tiere. Ihr seid eigentlich auch alle Instinctos. Instincto ist ja nichts vom Menschen neu Erfundenes, es formuliert lediglich das, was von Natur aus sowieso schon da ist, bei euch und auch bei uns Menschen, den Instinkt nämlich. Es gilt jetzt eben darauf zu achten und zu lernen, richtig mit dem Instinkt zu essen, denn der Instinkt ist unsere innere Stimme der Natur. Wir gehen bei der Instincto-Rohkost davon aus, dass die mit unserem Instinkt zum Verzehr ausgewählten rohen, naturbelassenen und ursprünglichen Nahrungsmittel die besten, gesündesten und für den Körper zuträglichsten Produkte sind. Über den Geruchssinn bekommen wir einen Hinweis auf die vom Körper in diesem Moment benötigsten Lebensstoffe, indem wir an verschiedenen Nahrungsmitteln riechen (am Anfang eventuell auch mit verbundenen Augen, um die Entscheidung um die Nahrungsauswahl nicht von anderen Sinnen als dem Geruchssinn beeinflussen zu lassen). Das bestriechende nehmen wir schließlich zu uns. Riecht ein Nahrungsmittel besonders attraktiv, so ist dies ein Zeichen, das uns unsere Nase mit ihrem Geruchssinn gibt, dass unser Körper einen besonderen Bedarf an den Lebensstoffen (Mineralien, Vitamine, Fette, Eiweiß,...) hat, die in eben diesen Nahrungsmitteln vorhanden sind. Welche Lebensstoffe dies im Einzelnen, genau beim Namen genannt, sind, bleibt schwer zu sagen, doch der Instinkt liest durch seine natürliche Erkennungsgabe das richtige heraus."
"Okay. Wow...", sagten die Tiere. "Hört sich gut an, dein Instincto-Geblubber. Hm. Aber so rein aus dem Bauch heraus, instinktiv also sozusagen, vermuten wir, dass du eher ein Problem hast, welches zu lösen du auf der Suche bist, als einfach nur locker, easy und unbeschwert natürlich leben und genießen zu können."
"Hm. Wirklich? Wieso denn?"
"Naja. Wenn wir ehrlich sind, haben wir das alles schon mal gehört, was du uns da erzählt hast. So wie auch du, kommen öfters Leute zu uns in den Wald, die auf der Suche nach Wahrheit und Weisheit sind. Sie kommen in ihre ursprüngliche Heimat, den Regenwäldern der Äquatorregionen, wo sie Tag und Nacht, das ganze Jahr über, nackig, so wie wir, leben können. Sie möchten eine Vostellung davon bekommen, wie sich das ursprüngliche Menschenleben gestaltet haben mag, vor allem auch im Bezug auf das Nahrungsangebot und die Nahrungsauswahl. Im Rahmen dieser Erfahrungsreisen besuchten uns auch schon einige der sogenannten Instintos. Diese haben wir als im Prinzip sehr angenehme und liebe Menschen kennen gelernt, doch was sie im Bereich der Ernährungsthematik an den Tag legen, schien uns im Laufe der Zeit durch das Wort 'blubbern' treffend und lautmalerisch beschrieben zu sein. Wir haben uns auch schon den Spaß gemacht, uns eine Instincto-Geblubber-Allergie (IGA) zu attestieren. Denn wahrlich, es gibt erbaulicheres, als viel fantasierendes Instincto-Geblubber um nichts."
"Hm. Könntet ihr hierauf vielleicht näher eingehen?"
"Nun. Unsere langjährigen Beobachtungen und Gespräche mit den verschiedensten Menschen, die wieder zur Rohkost finden, und somit auch mit Instinctos, um die es hier jetzt gehen soll, haben uns in etwa folgendes Bild gezeichnet: Es scheint eine beinahe schon augenscheinige Tendenz zu herrschen, dass Leute auf die Instincto-Rohkost anspringen, die psychische Ungereimheiten und Probleme haben, die aus individueller Veranlagung und/oder auch einer durch zwischenmenschliche Gefühlsleiden oftmals erschwerten Vergangenheit resultieren. Im Rahmen dieses oftmals traurigen bis depressiven Sumpfgebietes des Lebens, scheint ihnen die mit den Vokabeln "Bedarf decken" um sich werfende Instinco-Rohkost ein möglicher Rettungsanker zu sein. 'Gib mir halt, fülle das Loch in mir, decke meinen Bedarf!' Nicht die beste Nahrung der Welt jedoch, vermag innere Unruhe und Defizite im Bereich der zwischenmenschlichen Nestwärme und Liebe auszugleichen. Nicht nur die Instincto-Rohkost, auch natürliche Rohkost und jegliches andere Essen, kann lediglich bis zu einem gewissen Grad ein Ersatz für ein ausgeglichenes Leben in Liebe sein. Wer dies nicht erkennt, ist verblendet. Ein himmlischer Gaumengenuss verschafft Glücksgefühle. Wahres, tiefes Lebensglück, auch außerhalb der Essenszeiten, ist jedoch nicht durch das Essen zu finden.
Da Instinctos des öfteren dunkle und trübe Gefühlsphasen haben und somit besonders auf die Deckung eines Bedarfes fixiert sind, ist deren Gebaren um den Akt des Riechens an verschiedenen Nahrungsmitteln zur vermeintlich besten Bedarfsversorgung besonders stark ausgeprägt. Vor jeder Mahlzeit wird zunächst auf's Neue an allen zur Verfügung stehenden Produkten gerochen, um dann auch ja jenes zu erwischen, das am besten den Körperbedarf deckt (Wenigstens merken aber auch die größten Instinctos, dass dies auf die Dauer zu blöd wird, ein gekünsteltes, überflüssiges Prozedere ist, und dass es im Endeffekt die Erfahrung ist, das Wissen um den Geschmack und die Wohltat verschiedener Produkte auf den Körper, die einen zur bedarfdeckenden Nahrungsauswahl geleitet).
Instinctos bemühen auch gerne weitere Rituale, die sie in ihren Ernährungsplan integrieren. Vor 12 Uhr möge man nichts essen, da hat man noch keinen Hunger und entgiftet am besten. Um ca. 12 Uhr aber dann kann man essen, da hat man Hunger. Dann hat man bis 18 Uhr keinen Hunger und um 18 Uhr gibt's Abendessen mit Hunger. Danach bis zum nächsten Tag wieder nichts mehr. Mittags sollte man süße, zuckrige Sachen (Früchte) essen und abends fett- und eiweißhaltige, sofern sie gut riechen. Und bitte nie Zucker und Eiweiß mischen.
Instinctos fühlen sich von derartigen, keineswegs natürlichen, sondern vielmehr menschlich ausgedachten, Gesetzmäßigkeiten angezogen. Denn an die Einhaltung dieser Gesetzmäßigkeiten, dieser Regeln, können sie sich klammern. Dadurch, dass sie mehrere Regeln akzeptieren, an die sie sich halten können, entwickeln sie das Gefühl, 'Ja, ich mache etwas richtig. Da ist ein genauer Plan. Den muss ich befolgen und ich kann ihn befolgen. Ich habe die Dinge in der Hand.' Sie erfahren durch die Einhaltung dieser Regelungen eine Art Führung und Sicherheit, die sie ja suchen in ihrem Leben. Später müssen sie feststellen, dass man über ein auch noch so gut konstruiertes Ernährungsverhalten nicht glücklich wird.
Wenn Instinctos also ihre Anwandlungen von Bedarf und Sperre und anderen Ritualen auf andere überwälzen und diejenigen damit beblubbern, die eigentlich nur einfache, schöne, natürliche und zunächst physisch gesunde Rohkost machen wollen, dann ist es wohl nachzuvollziehen, dass man, kennt man einerseits die Instincto-Hintergründe und andererseits die Rohkost auf ihre natürlichste Weise, eine IGA entwickeln kann und sich diese meldet, wenn einem das Geblubber zu aufgetragen ans Ohr gerät. Ein Ratschlag eines Verblendeten ist wie ein als Maischerz in eine falsche Richtung gedrehter Wegweiser"
"Hm. Hm. Hm. Ja, aber ihr werdet ja wohl nicht verleugnen wollen, dass es auch den rein physischen Körperbedarf mit Nahrung zu decken gilt, und dass manch ein Instincto nur hierauf aus ist, so wie jeder andere Rohköstler auch nur auf eine gesunde Ernährung aus ist. Nicht jeder Instincto ist ein Kind der Schattenseite des Lebens und versucht zudem, seine Art der Problembewältigung anderen aufzuschwätzen. Instinctos, das merkt man ihnen an, meinen es wirklich nur gut und wollen das Beste für alle. Dass ihr Geblubber nicht das Beste von allem ist, dessen sind sie sich lediglich nicht bewusst. Nun, aber was meint ihr? Es gibt doch definitiv einen Nahrungsbedarf, und diesen durch instinktive Nahrungsauswahl zu decken, dagegen habt ihr ja wohl nichts." "Natürlich nicht. Aber man muss dewegen keine sogenannte "Instincto"-Ernährung aus dem Boden stampfen. Im Gegenteil. Die nahezu ausschließlich nasenorientierte Nahrungsauswahl beschwört unnatürliches Essverhalten geradezu hervor.
Sieh mal: Haben wir nicht alle eine Nase im Gesicht hängen? Hängt sie uns nicht allen zufällig über dem Mund? Man riecht die Nahrung also automatisch immer zuerst, bevor man in sie hineinbeißt. Wer beißt schon hinein, wenn die Nahrung unangenehm riecht? Muss man dazu Instinco sein? Wohl kaum. Wer ißt schon etwas, wenn es von vornherein nicht schmeckt oder nicht 'mehr' schmeckt, nachdem man gesättigt ist? Wer ißt schon etwas, das einem auf der Zunge brennt? Brauchen wir Instincto mit viel Bedarf- und Sperre-Vokabular, um uns instinktiv zu ernähren? Wohl kaum.
Die natürliche Nahrungsauswahl beruht auf nahezu komplett anderen Gesetzen, als es der Nasenkult praktiziert.
Ihr Menschen fandet hier im Wald ein bestimmtes, euch schmeckendes und nährendes Nahrungsangebot vor, so wie jedes Tier auf der Erde. Die einen essen dies, die anderen das. Die kleinen Menschen lernten von den größeren und durch Neugier und Ausprobieren, was man wo wie essen konnte. Hierzu wurden stets alle Sinne eingesetzt. Es ist immer ein Zusammenspiel von sehen, fühlen, riechen und schmecken. Bald kennt man so ziemlich alles, was es gibt und dann spielt die Erfahrung die tragende Rolle. Man weiß, was schmeckt und wo man es eventuell ergattern kann."
"Ja, aber manchmal schmeckt mir ein und dieselbe Frucht einmal gut und das nächste Mal weniger gut oder gar nicht. Je nachdem, ob ich Bedarf an den Lebensstoffen in der Frucht habe, oder nicht."
"Hahaha. Halte jetzt bitte dein Maul. Du bist schon völlig Instincto-gestört. Im Prinzip ist es ja nicht falsch, was du sagst. Die ganze Sache muss aber doch vielmehr so aufgerollt werden:
Körperlicher Nahrungsbedarf zeigt uns der Körper durch Hunger, nicht durch guten Geruch und Geschmack. Nicht die Gewohnheit, regelmäßig etwas zu essen und im Magen zu haben, sondern ehrlicher, aufrichtiger und ernsthafter Hunger, was manchmal in der Tat leicht zu verwechseln ist.
So. Nun gibt es also eine bestimmte Nahrungspalette in der Natur für jedes Tier, also auch für den Menschen, die er durch das Leben in der Natur kennen gelernt hat. Mit Produkten aus dieser Nahrungspalette, so wie sie eben in jedem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sind, stillt der Mensch seinen Hunger, in diesem Sinne also seinen Bedarf an Nährstoffen, die er zur Funktion seines Körpers benötigt. Also: Hunger haben, eines, im Moment von vielleicht 1000 verschiedenen Menschennahrungsmitteln alleinig zur Verfügung stehenden zu sich nehmen, satt sein, den Bedarf gedeckt haben und fertig. Als Langzeitrohköstler hat man ja schon einen Körper, dessen Grundgerüst aus Fleisch, Knochen, Blut und Sehen etc. gut versorgt ist und im Saft steht, was man all den Tieren im Wald und auch den Naturmenschen ansieht. Diesen guten Zustand gilt es aufrecht zu erhalten. Dies geschieht durch die natürliche Rohkost. Mal gibt's das und mal gibt's das. Was auf den Tisch kommt, sprich: auf was man bei der Nahrungssuche im Wald gerade stößt, wird gegessen. Und alles schmeckt immer gut, denn man hat Hunger, wenn man schon nach Nahrung sucht. Und auch ein und dieselbe Frucht schmeckt jedes Mal auf's Neue vorzüglich, wenn man mit Hunger ißt. Sie würde nie unattraktiv, denn Hunger ist die beste Mahlzeit. Jeder Mensch auf der Erde würde jeden Tag erneut beim Verzehr einer baumreifen z.B. Mango vor Genuss ausflippen, wenn dies seine einzige Nahrung pro Tag darstellte.
Der Neurohköstler möge sich einfach aus der Menschennahrungspalette bedienen, wobei dieser noch öfters wirklichen Hunger haben wird, da er seinen ganzen Körper erst einmal in seinen Grundfesten mit wahren Naturrohstoffen zu erneuern hat. Die Frage, was mit dem Körper los ist, wenn ihm eine baumreife, ursprüngliche Frucht unattraktiv scheint, sollte nicht von der Seite 'Oh, an speziell dieser Frucht habe ich gerade keinen Bedarf, ich habe also an fünf weiteren zu riechen' angegangen werden, sondern von der Seite 'Womöglich kann mich keine Frucht der Welt während der Kochkostentzugsphase befriedigen, oder ich bin so voll gefressen und nährstoffbedient von anderen Dingen, dass ich keinen Hunger mehr habe und deswegen jetzt keine Lust auf auch noch diese Frucht.' Und wenn man eine Frucht so lange ißt, bis man eine 'Sperre' bekommt, hatte man etwa nicht bis unmittelbar vor der 'Sperre' einen Bedarf an dieser Frucht, sondern hat einfach so lange nach der eigentlichen Sättigung aus Genussfreuden weitergegessen, bis einem z.B. die Zunge brennt (Tomaten, Himbeeren, Ananans u.a.) oder der Ranzen spannt und nun wirklich nichts mehr hinein geht. Der Instinco-Begriff 'Sperre' ist also keineswegs gleichbedeutend mit 'der Bedarf ist jetzt gedeckt'. Der eigentliche Körperbedarf ist bereits recht kurz nach der 'himmlischen Phase' gedeckt, wenn man mit echtem Hunger eine himmlisch schmeckende Frucht gegessen hat. Nach z.B. zwei Mangos könnte man zu essen aufhören und energiegeladen anderen Dingen nachgehen. Was darüber hinaus geht, sind Gelüste und der tolle Geschmack der Mangos, der einen auch noch drei weitere Früchte essen lässt.
Die Beweise zudem, dass der Wohlgeruch und gute Geschmack eines Produktes nicht zwangsläufig bedeutet, dass ich Bedarf daran habe, sind folgende:
Wenn man viele gut riechende und schmeckende Produkte zur Auswahl hat, wird man immer noch etwas finden, was man essen wollte. Einfach, um noch einen anderen Geschmack, eine Abwechslung, zu genießen. Das ist dann Spaß an der Freude am Essen, nicht aber Grundebedarf decken. Das ist Überessen.
Es scheint in uns allen Tieren einprogrammiert zu sein: Hast du viel, ißt du viel. Jedes wilde Tier frisst sich dubbelig, wenn man ihm nur genügend gibt. Das Essen stellte schon immer unsere Überlebensgrundlage dar, weshalb unser Essinstinkt so stark ausgeprägt ist. 'Njam njam njam'. Essen, bis nichts mehr da ist. In der Natur ist es aber nur so, dass eben gar nie regelmäßig soviel da ist und das Maß an Essen und Bedarfdeckung somit immer ausgependelt ist. Jetzt, da ihr Menschen eure Früchte aber z.B. massenhaft anbaut, sind keine natürlichen Mengeneinschränkungen mehr gegeben. Der gute Geruch und Geschmack und euer Instinkt sind aber noch da. Der Ernährungsinstinkt ist aber dazu da, im wilden Leben in der Natur überhaupt das Essen zu finden, was er mindestens und nötigerweise zum Leben braucht. Wenn man den Instinkt jetzt auf ein künstlich hohes Nahrungsangebot anwendet, schlägt er nach oben aus. Man ißt mehr als nötig, und dies hat hinten hinaus nichts mehr mit Bedarfdeckung zu tun. Im Gegenteil. wenn man immer soviel ißt, bis es einem nicht mehr schmeckt oder die 'Sperre' kommt, überlastet man den Körper.
Was der Instincto-Nasenkult zu wenig betont:
-Die dritte Durian riecht und schmeckt auch noch gut, wenn man sich bereits an zweien satt gegessen hat, der Bedarf also gedeckt ist, auch wenn es einen beim Hineinbeißen nicht mehr so verzaubert, wie beim ersten Bissen in die erste Frucht.
-Viele Blumen und Kräuter riechen zwar gut, sind aber geschmacklich absolut unattraktiv.
-Viele Dinge riechen so gut wie gar nicht, schmecken aber vorzüglich.
-Es kommt viel mehr auf den Geschmack als auf den Geruch an.
Um ihren Nasenkult zu pflegen, ihren Gott, die Nase, die sie als Goldskulptur über dem Bett stehen haben, oder als Anhänger an einer Kette um den Hals tragen (ein bisschen Spaß muss ein), der ihnen immer den richtigen Weg zeigt, bestätigt zu sehen, bilden sich Instinctos die besten Sachen ein. Sie reiten sich da richtig ein in ihrer Sache. Das Einbildungspotential ist enorm. Avokados und Nüsse werden als gut riechend empfunden (als Schlüssel, dass sie es sich erlauben dürfen, welche zu essen), auch wenn gar nichts zu riechen ist. Jede kleine Denaturierung an einem Produkt wird angeblich durch allerfeinsten Instincto-Nasen-, Geschmacks- und Körperempfindungssinn festgestellt. Instinctos legen es, wenn sie zuviel blubbern, praktisch darauf an, gezielt verarscht zu werden, um die eingebildete Scheiße dann ins Gesicht gerieben zu bekommen, sonst behaupten sie morgen noch, dass das doch alles keine Einbildung sei und man selbst nur noch nie Instincto war."
"Sagt einmal. Ihr legt eine ganz nett schöne Fäkalsprache an den Tag. Würde ich euch nicht ansehen, dass ihr es wohlgesonnen und spassig meint, hätte ich jetzt ein paar Bedenken, haha."
"Haha, ja. Aber so ist es schon. Es ist leicht, eine Avokado als 'gut' zu erriechen, wenn man weiß, dass man an einer Avokado riecht. Es wird aber sehr schwer, wenn man das nicht weiß. Es ist leicht, ursprüngliche Produkte in Geschmack und Körperwirkung von weniger ursprünglichen zu unterscheiden, wenn man weiß, welche man zu sich genommen hat. Es wird aber sehr schwer, wenn man es nicht weiß. Instinctos bilden sich ein, dass Orkos-Ware immer perfekt sei. Dabei versucht Orkos bei seinen Produzenten auch nur sein bestes, um naturbelassene Nahrungsmittel anbieten zu können. Die letztendliche Qualitätskontrolle erfolgt durch einen Geschmackstest, der von den Orkos-Mitarbeitern, erfahrenen Instinctos, vorgenommen wird. Doch ist nicht wirklich jede Denaturierung an einem Produkt festzustellen, wenn man es "blind" herausschmecken soll. Hiervon kann jeder, der es nicht glaubt, in einer Versuchsreihe überzeugt werden. Zudem sind manchmal sehr viele Früchte zu testen und die Zeit ist knapp.
So kommt es also trotz aller guten Bemühungen vor, dass den Testern etwas entgeht, und nicht gänzlich naturbelassene Produkte im Angebot landen, die sich von denen im Bio-Laden z.B. nicht unterscheiden. Dies ist nicht tragisch. Man kann nicht mehr, als das beste tun. Blöde wird es nur, wenn Instinctos bei ein und derselben Ware, einmal bio-behandelte Orkos-Ware und einmal bio-behandelte Bio-Ware, bei der einen 'Befriedigung', 'Bedarf' und 'Sperre' erfahren, und bei der anderen nicht. Einbildung ist keine der erstrebenswerteren Arten von Bildung."
"Hm. Noch was?"
"Ja. Der verblendedste Aspekt von Instincto-Phantasialand kommt noch.
Nahrungsmittel, die für den Menschen in seiner ursprünglichen Umgebung keine Rolle spielten, werden von Instinctos bedenkenlos mit in den Speiseplan aufgenommen. Fleisch, Fisch, Algen, Honig, Trockenfrüchte werden in dem Maße verspeist, solange sie gut riechen und schmecken. Wozu? Früher seid ihr hier im Wald doch auch bestens ohne für euch unartgerechte Lebensmittel ausgekommen. Ihr seid astreine Früchte- und Pflanzenfresser. Euer Körper, eure Hände, eure Gesichtsform, eure Zähne, euer Instinkt und euer absolut körperbefriedigtes Dasein mit der Nahrungsaufnahme, wie sie sich für euch hier im Wald gestaltet, lassen dies sehr schön erkennen. Getrocknetes Fleisch oder Fisch gibt es nicht, da es bereits im Frischzustand von Fleischfressern gegessen wurde. Und ihr denkt auch gar nicht daran, da ihr ja so befriedigt seid durch eure natürliche und artgerechte Nahrung von Früchten und Pflanzen. Irgendwann seid ihr auf den Trichter gekommen, euch solche Quellen zu erschließen und bildet euch nun ein, nur weil das Zeugs gut riecht und schmeckt, Bedarf daran zu haben? Unter unnatürlichen Umständen ist auf Geruch und Geschmack einfach kein Verlass. Das sehen wir bei der Kochkost, aber auch bei der Instincto-Ernährung. Ganz deutlich wird hier das Dilemma:
Instinctos probieren getrocknetes Fleisch oder Fisch. Es schmeckt. Das bedeutet für sie, sie haben Bedarf an Fleisch oder Fisch. Äßen sie das Fleisch nun nicht, litten sie Mangel, so ihre Schlussfolgerung. Auf diese Weise entsteht ein Mangelbewusstsein. Sie bilden sich ab dann ein, Fleisch zu brauchen, wann immer es gut schmeckt. Die Einbildungsfalle hat zugeschnappt.
Jedem Menschen schmeckt getrocknetes rohes Fleisch oder Fisch oder Algen oder Honig viel häufiger (ein jedes Mal ist zuviel) und besser, als es gesund für ihn wäre (vorausgesetzt, er weiß nicht, dass er gerade Fleisch ißt. Das sei an diejenigen gerichtet, die sich aus etwaigen Gründen einbilden, Fleisch würde ihnen nicht schmecken). Alle Menschen, die es probieren und offen dafür sind, bestätigen dies. Doch allein die Tatsache, dass es gut schmeckt und sich im Moment des Verzehrs wohltuend anfühlt, ist kein Beweis dafür, dass es langfristig nicht zu Schäden führt. Alle sagen, sie fühlen sich wohl, wenn es um die Verteidigung ihrer Esskonsumvorlieben geht. Die Trinker, die Raucher, die Kocher und die Rohfleischesser. Und alle nagen an den Fingernägeln, wenn sie zulange mit der Zigarette, dem Schnaps, dem Müsli oder dem getrockneten Fisch aussetzen und beschreiben Bedürfnisse und Begierden, die die veganen Rohköstler nicht kennen.
Die eindeutige Beweiskraft aber für die Unnötigkeit und sogar Unzuträglichkeit von Fleisch für den Menschen liegt natürlich in der Praxis. Zuviele Studien über und Berichte von Vegetariern, Veganern und Rohkostveganern liegen vor, die über ganze Lebensspannen hinweg keinesfalls weniger leistungsfähig und gesund sind. Hingegen führte roher, instinktiver Fleischverzehr bei den Instincto-Pionieren Burger und dessen Frau zu Krebs, worauf Burger selbst die Instincto-Therapie in diesem Bereich stark relativierte. Mittlerweile ist es in engen Instincto-Kreisen bekannt, dass der Instinkt bei getrocknetem Fleisch oder Fisch nicht funktioniert. Doch zu vielen weiteren Instinctos, die mit ihrer Instincto-Ernährung eigenständig vor sich hinwursteln und die einmal begonnen haben, den Verzehr von Fleisch und Fisch mit in ihre Rohkosternährung aufzunehmen, möchte diese Erkenntnis nicht durchdringen. Deren Verstand scheint bereits getrübt, vom unnatürlichen Verlangen nach tierischem Eiweiß, das suchtartig entsteht, sobald man genug davon in seinem Körper hat, und bei dessen Abbau der Körper gleich nach Nachschub schreit. Ebenso wie Zigaretten, Alkohol und Kochkost Suchtpotential haben, hat es der Verzehr von rohem Fleisch. Wer beim Verzicht auf eines dieser Körperunruhe verursachenden "Nahrungsmittel" Bedürfnisse nach eben diesen bekommt und tiefe Befriedigungsgefühle dann erfährt, sobald er diesen Bedürfnissen nachgeht, der muss sich fragen, ob er einen natürlichen Bedarf deckt oder eine Sucht stillt.
Um ihren Fleisch- und Fischkonsum aufrechtzuerhalten und vor sich selbst zu rechtfertigen, sei es nun aus reiner Lust am Essen dieser Dinge oder schon aus Suchtgründen, kommen Instinctos mit falschen Diskussionsansätzen daher. Sie berufen sich darauf, dass viele Völker schon vor tausenden von Jahren gejagt und öfters Fleisch gegessen haben, sich in kalten Regionen in der Eiszeit z.B. sogar bis zu 80-90% von Fleisch ernährt haben, da kaum Früchte, Beeren oder Pflanzen zu finden waren. Dies ist völlig richtig. Diese Menschen wiesen aufgrund dieser unartgerechten Ernährung in einer unartgerechten Umgebung aber auch eine schlechte Gesundheit und eine kurze Lebensdauer von ca. 40-50 Jahren auf, was Untersuchungen an Knochenfunden aussagen.
Dass sich der Mensch Fleisch und Fisch fangen kann, steht außer Frage. Dass es ihm roh gut schmeckt, sofern es nicht fangfrisch, sondern ein wenig getrocknet ist , ebenso. Artgerechte Nahrung erkennt man aber daran, dass sie ganz frisch und roh schmeckt. Jedes Lebewesen auf der Erde ißt seine Nahrung frisch und roh. Und wenn sich ein Eichhörnchen z.B. einen Nussvorrat anlegt, dann nicht, um eine Geschmacksverbesserung zu erzielen, denn frisch schmecken ihm die Nüsse genauso gut.
Frisches Fleisch, Fisch und viele Meerestiere sind auch für Instinctos unattraktiv bis absolut ungenießbar. Allein beim Riechen an frischem Fleisch kann ein Würgereiz entstehen. Hier sehen die Instinctos noch ein, dass sie dann wohl auch keinen Grundbedarf daran haben. Lässt man das Fleisch nun eine Weile liegen und trocknen, wird es für den Menschen geschmacklich attraktiv. Allein aufgrund dieser Tatsache meinen die Instinctos jetzt auf einmal, einen Bedarf an diesem ein und demselben Stück Fleisch zu haben, das vor ein paar Tagen noch uninteressant war. Sie argumentieren 'Ja, das kann ja sein. Vor einer Woche hatte ich halt noch keinen Bedarf, jetzt habe ich halt einen.' Bleibt die Frage, weshalb die Instinctos in diesem Falle aber immer zufällig dann Bedarf zu haben scheinen, wenn das Fleisch in unnatürlichem, getrocknetem Zustand ist? Die Antwort lautet, dass es sich nicht um einen Bedarf handelt, sondern einfach nur um ein gut schmeckendes Produkt, das aber ungesund, da unartgerecht und unnatürlich ist.
Die Erfahrung und Beobachtung zeigt zudem, dass Rohköstler, die auch Fleisch essen, öfters mit psychischen Ungereimtheiten zu tun haben. Über den Stoffwechsel beeinflusst unsere Nahrung selbstverständlich auch unser Gehirn, das unsere Gefühlswelt erzeugt. Durch unartgerechte Nahurng scheinen hier eindeutig Störungen und Unruhen erzeugt werden zu können.
Ein Instincto-Verhalten, dass uns bis jetzt am meisten befremdete, war der Ratschlag, gegen seelische Probleme Fleisch zu essen, das könne durchaus helfen. 'Zum Glück' folgte der Einwand eines weiteren Instinctos, dass z.B. auch Bananen oder eine andere Frucht Abhilfe zu leisten imstande sein könnten, sofern sie den gut riechen und schmecken. Hahaha, ist das nicht geil? Welch eine irrgeleitete, essfixierte Anschauung. Selbst wenn man ein wildes Tier, das sich seit eh und je natürlich und gesund ernährt, aus seinem natürlichen Umfeld mit seinen Artgenossen herausnimmt, wird es seelische Probleme haben. Es wird traurig und verstört im Käfig umherlaufen und vielleicht an irgend etwas zu nagen beginnen, selbst wenn man ihm weiterhin die Nahrung verabreicht, die es auch in der Natur immer zu sich nahm.
Essen, guter Geruch und Geschmack machen nicht glücklich. Einem physisch ungesünderer Menschen mit Liebe geht es besser als einem physisch gesünderen Menschen ohne Liebe. Dies nur zur Veranschaulichung. Natürlich wollen wir physisch gesund mit Liebe sein.

Im Prinzip handelt es sich beim Instincto-Geblubber lediglich um eine Substitution der Begriffe 'Hunger haben und gut schmecken' und 'gesättigt sein' mit den Begriffen 'Bedarf' und 'Sperre'.
Mit großem Hunger ist auch jedes Tier in der Natur zunächst nicht wählerisch. Der Bär ist den ganzen Fisch, der Mensch die Cherimoya mit Schale. Ist der erste Hunger gestillt, wird man wählerisch. Der Bär schält mit den Zähnen die Haut des Laches und die Fettschicht unter dieser ab, um sich nur noch das Filet schmecken zu lassen, der Mensch ißt nur noch das innere Fruchtfleisch der Cherimoya. Wenn man eine geringere Delikatesse, wie z.B. die Schale einer Frucht ißt, heißt es in der Natur: 'Wow. Da haste aber Hunger gehabt.' Bei Instinctos heißt es: 'Ja, da hatteste halt einen Bedarf an den Inhalststoffen der Schale.' Man sieht, die verschiedenen Ausdrucksweisen geben sich eigentlich nicht viel, sie beschreiben dasselbe. Und doch schwingt beim 'Bedarf'-Vokabular immer eine Spur von Pauschalisierung und 'Mangel, wenn nicht essen' mit. Deswegen meinen viele Instinctos auch, dass Rohkost schwer sei und man viele Fehler machen könne. Diese Fehler sehen sie ironischerweise darin, auf rohe Produkte, seien sie nun Menschennahrung oder nicht, zu verzichten, obwohl sie gut riechen und schmecken. Auf diese falsche Schlussfolgerung kommen sie aus folgendem Grund:
Wenn man von Kochkost auf Rohkost umstellt, kann man zu Beginn starke Gelüste und Begierden nach der entsagten Kochkost entwickeln. Man hat das Gefühl, etwas zu brauchen, dass etwas fehlt. Dieses Gefühl muss bei jeder Suchtentwöhnung durchgestanden werden. Es bringt einen nicht zum Ziel, die Sucht mit alternativen Dröhnmitteln zu befriedigen. Lieber ein Tief durchwandern, um um so schneller clean die Sonne zu genießen, als den falschen Bedarf kurzwieder wieder zu decken. Die ein Faible für 'sofortige Bedarfdeckung, wie auch immer' habenden Instinctos können mit dieser Situation kaum umgehen. Wie alle, fühlen sie sich zwischenzeitlich schlecht während der Umstellung und können dann nicht glauben, dass sie die natürliche Menschennahrung, Früchte und Pflanzen, mit dem Nötigen versorgen kann. Der Verstand schaltet aus, das Gefühl 'Ich brauche irgend etwas, ich brauche irgend etwas' beherrscht die Sinne, und schon werden bereitwillig Produkte zum Speiseplan hinzugenommen, die ihrem Zustand Abhilfe leisten. Ihre Ohren schließen sich, in einem Buch haben sie gelesen, roh ist alles gesund, solange es gut riecht und schmeckt, und schon geben sie sich dem Verzehr von durchaus großen Mengen an rohem Fleisch, Fisch, Algen, Honig, Trockenfrüchte u.a. hin. Hierbei ermuntern sie sich gerne: 'Wenn's schmeckt, dann hau' rein, dann hast du Bedarf.' Und siehe da, der gewünschte Effekt bleibt nicht aus. Die Instinctos fühlen sich befriedigt. Diese Produkte sind der Kochkost in ihrem unnatürlichen und unartgerechten Charakter als Menschennahrung so nahe, dass sie den falschen Bedarf des Körpesr zu decken imstande sind. Sie sind die Alternative zum Rückfall in die Kochkost. Instinctos aber sprechen dann von ihren 'guten' Erfahrungen, die sie mit diesen Produkten gemacht haben und raten anderen Rohköstlern im 'Bedarfszustand' dazu. Wir glauben nicht, dass sie weniger ehrbare Absichten verfolgen, wie z.B. ihr Gewissen beruhigen zu wollen und sich selbst in ihrem Tun bestätigt zu wissen, indem sie andere zum selben Unrat verleiten, dem sie selbst nachgehen, um zu hören 'Ja, stimmt, danach ging's mir besser.' Nein, wir glauben, Instinctos wissen es einfach nicht besser. Sie haben noch nie ohne die Mogelpackungen der Rohkost gelebt und können somit nicht aus Erfahrung berichten, wie es einem nach Entzug von Eiweiß- und Zuckerbomben mit einfacher frischer Menschennahrung aus Früchten und Pflanzen prächtig geht."
"Okay, mir langt's. Es lebe die Rohkost."
"Ja, es lebe die Rohkost, aber die natürliche."

Sitzen zwei Instinctos in Gedanken versunken in einer Naturkneipe. Bläst der eine durch seinen Naturstrohalm in sein Wasserglas, so dass es blubbert. Fährt der andere aus seinen Gedanken hoch: "Ha, was hast du gesagt?"


Letzte Änderung: 29.10.2001 16:27:30 - Autor: alexis - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
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