Wild Urig Rassig


Wild, urig, rassig - Wo die Musik spielt.

Der grundlegende Gedanke der Rohkost ist doch letztendlich der, sich von natürlicher Nahrung, sprich: natürlichen Molekülen ernähren zu wollen. Nur diesen unveränderten Nahrungsmolekülen wohnt die Intelligenz inne, einen einwandfrei funktionierenden Organismus zu betreiben.
Diese Idee gefällt uns sehr. Wir freuen uns immens, an der Wiederentdeckung gesunden Lebens teilhaben zu dürfen, zu einem so frühen Zeitpunkt der Rohkostaufklärung in der modernen Menschheitsgeschichte bereits zu den Eingeweihten zu gehören. Dass wir alle schon mehr oder weniger zufällig von der Rohkost erfahren haben, ist ein großes Privileg und wir sollten uns gefälligst glücklich schätzen, dass uns eben dieses zugute kommt. Das tun wir natürlich auch, weshalb wir alle 10.000 NL-Leser ja schon so lange 100% roh essen. Leider wissen in diesem Moment schätzungsweise 9500 Leser ganz genau aus denkbar sicherster Quelle, nämlich der Eigenquelle, dass der vorhergehende Satz unwahr ist. Ich finde das schade.
Nun, kommen wir jetzt aber fluchs zur Sache: Wir wollen aus natürlichen Molekülen bestehen, weshalb wir rohe Moleküle essen. Gekochte Moleküle sind toxisch, weshalb ein roher, aber gespritzter Apfel einem biologischen Bratapfel vorzuziehen wäre. Bei ersterem nähme man vorstellbar weniger Masse an Schlechtmolekülen auf. Wie sind die Moleküle verzüchteter Früchte und Gemüse einzuschätzen?
Durch Kreuzung erzeugte Zuchtsorten mögen ja noch okay sein, sofern sie gesund und kräftig genug sind, um in der Natur zu gedeihen und fruchtbare Samen zur Fortpflanzung haben. Bei Mutationszüchtung durch Röntgenstrahlung hört der Spaß aber auf. Unglaublich interessant und faszinierend ist für Wissenschaftler und Züchter das Spiel mit der Röntgenbestrahlung von Samengut. Die dadurch hervorgerufenen Mutationen in der Erbinformation sind stets für Überraschungen gut. Natürlich hofft man auf schöne Überraschungen. Bekommt man solche beschert, merkt man sich Bestrahlungsart, -dauer und -intensität und hat eine neue Sorte gezüchtet, die man sich patentieren lässt. Viele Zuchtsorten sind somit geschütztes Eigentum von Menschen. Hm, verrückt.
Die beliebtesten Zuchtergebnisse sind gesteigerte Größe (extrem bei Gemüse), mehr Süße, kleinst mögliche bis keine Kerne und Resistenzfähigkeit für durch Züchtung bereits erschwachte Sorten gegen Krankheitsbefall.
Nachdem die Bestrahlung einmal für die Züchtung entdeckt gewesen war, gab es für die Genpfuscher kaum ein Halten mehr. An Gemüsesamen, vielen Fruchtsamen und Getreide wurde seither herumgestrahlt, was die Kanone hergibt. Wenn man eine Mutationszüchtung mit ihrer wilden Form vergleicht, so könnte einem Angst und Bange werden. Eine wilde Möhre, scharf, eher weiß und klein wie der kleiner Finger, neben einer zwanzigmal so großen süßlichen orangenen Karotte. Generell haben die wilden Formen der Gemüse mit den aus ihnen gezüchteten, heute erhältlichen Sorten soviel zu tun, wie ein Wolf mit Omas Schoßhündchen, das von ihr im Pullover Gassi getragen wird. Auch sehr eindrucksvoll: Eine wilde Banane, zu ca. 70% aus Samen wie kleine Kugeln bestehend - man beißt praktisch nur auf Samen herum, schmeckt dennoch sehr gut - neben der üblichen Witzbanane mit ihren - wenn überhaupt - nur noch winzigen schwarzen Pünktchen im Fruchtfleisch, den verkrüppelten Überbleibseln einstiger Potenz. Es ließen sich viele weitere Beispiele nennen. Samenlos = impotent = nicht fortpflanzungsfähig = genetisch schwach = null natürlich = muss ich nicht essen.
Welche ursprüngliche Intelligenz besitzen die Moleküle solcher Zuchtergebnisse noch?
Die Erbinformation mutiert im Samen. Wenn nicht gleich kaputt gestrahlt, wird aus dem Samen also noch eine Pflanze, die dann z.B. Früchte mit dubiosen Eigenschaften hergibt. Da die ganze Pflanze und deren Früchte durch Teilung und Vermehrung der gengeschädigten Zellen gewachsen ist, ist anzunehmen, dass eben durch die Weitergabe der mutierten Erbinformation durch Zellteilung die ganze Frucht aus keineswegs natürlichen Zellen und solchen zugrunde liegenden Molekülen besteht. Welche Folgen der andauernde Verzehr solcher Früchte auf den Organismus hat, das ist im Moment nicht zu beantworten. Die Erfahrung zeigt zwar, dass Rohkost von Zuchtsorten immer noch alle anderen Ernährungsweisen in den Schatten stellt, eine Ernährung von wilden Sorten halte ich dennoch für sehr anvisierenswert, um mögliche Spätfölglein, oder auch -folgen, auszuschließen. Wenn sich zwei Menschen 50 Jahre lang von 100% Rohkost ernähren, der eine zu 70% von Mutationssorten, der andere zu 100% von wilden Sorten, so vermute ich stark, dass die Gesundheit des Zuchtessers der des wilden Essers in einigem nachsteht. Wenn man also häufig Zuchtsorten isst, so sollte man sich dessen wenigstens bewusst sein und sich nicht unbedingt am Anschlag gesunder Ernährung wandeln sehen. Die Gewähr auf andauernde, wilde Urgesundheit ist hier auf keinen Fall gegeben.
Es ist leider schwer zu durchschauen, an welchen nahrungsliefernden Pflanzen heutzutage schon wieviel mutationsgezüchtet wurde. Getreide und Gemüse kann man praktisch alle vergessen, die meisten konventionellen Früchte ebenso. Echt scheiße. Wer aber wirklich sicher gehen möchte, den Weg ans obere Limit an Gesundheit zu gehen beabsichtigt, an der Möglichkeit eines Körper- und Geisteszustand aus ursprünglichen Molekülen kratzen möchte, der ist dem Wirrwarr des Zuchtdschungels dennoch nicht gänzlich ausgeliefert. Wenn man die Augen nach unverzüchteten Sorten offenhält, so lassen sie sich finden. Das Hauptaugenmerk sollte dabei immer auf vorhandene Samen gerichtet sein. Samen, Samen und nochmals Samen. Eine wilde Orangensorte hat vor Ursprünglichkeit und Potenz bis zu sex Kerne in einem Schnitz, auf sechs Kerne komme ich bei Zuchtorangen jedoch nur im Glücksfall, wenn ich zwei Kisten davon durchsuche. Wildorangenkerne beginnen bei mir nach ab einer Woche zu keimen. Sämtliche Versuche mit konventionellen, sporadisch noch in den Früchten enthaltenen Mandarinen-, Grapefruit- oder Orangenkernen schlugen fehl. Wenn die Kerne so minderwertig sind, was spricht dann für die Wahrscheinlichkeit, dass der Rest der Frucht dies nicht ist? 'Ich werde viel lieber gegessen als du, da ich groß, dünnschalig und kernlos bin', sagt die Zuchtkaki zur wilden. 'Dafür hast du keine Eier, und den Menschen, die dich essen, fallen vielleicht irgendwann auch noch die Eier ab', entgegnet diese dann. Kakis gehören mit zu meinen Lieblingsfrüchten und es ist zum Weinen, wie selten man an besamte gerät. Aber man gelangt schon zu ihnen: meist kleiner, oft bräunlich bis braun mit vier bis sechs großen Kernen.
Je größer der prozentuale Anteil der Frucht an Samen ist, desto besser. Das bürgt für Ursprünglichkeit.......und da wollten die Menschen nur noch Früchte mit vielen großen Samen. Dies entlockte den Züchtern jedoch lediglich ein Achselzucken. Sie züchteten Früchte mit Samen größer als die Frucht selbst und gar gänzlich ohne Fruchtfleisch. Ja, die Menschen, das sind so welche.

Zum Thema empfehle ich das Buch 'Lebensmittelbestrahlung' von Norbert Messing. Super.

PS.: Bitte jetzt nicht alle gleich nur noch die wilden Früchte bei den Fruchtversänden bestellen. Erstens, weil ich dann keine mehr bekomme, und zweitens, weil.........'weiß nicht.


Letzte Änderung: 29.10.2001 16:29:34 - Autor: alexis - Letzter Autor: Brigitte Rondholz
Home